Wie Verehrung Geschichte macht

Mutter Luise (1776–1810) erscheint dem verstorbenen Kaiser Wilhelm I. (1797–1888)Beim Wartburgfest 1817 zum 300. Geburtstag der Reformation brannten Freudenfeuer – und Bücher „undeutscher“ Autoren sowie Symbole der Obrigkeit. Martin Luther war zum Freiheitshelden geworden, zum Kämpfer gegen das fremde Joch Roms. Doch die Fürsten holten sich schnell die Deutungsmacht über ihn zurück: Bald schon stand er überlebensgroß und unnahbar auf Denkmälern. Im Wohnzimmer des Bürgertums fand er sich als Büste, auf Medaillen oder Nippes wieder. Aus einer historischen Persönlichkeit war eine Ikone geworden.  „In Krisenzeiten und in Epochen großer Umbrüche gibt es ein besonders starkes Bedürfnis nach visionären Gestalten und Genies“, so Kuratorin Dr. Karin Rhein. Die Sonder­ausstellung „Genie, Idol, Star“ im Germanischen Nationalmuseum (GNM) widmet sich bis zum 6. September mit rund 180 Exponaten der Verehrung von 57 Promis. =>