Der Stern, der uns begleitet …

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Unter welchem Stern stand dieses Jahr 2024 für Sie? Waren es Monate der Unsicherheit oder Angst? Der Erstarrung? Begleiteten schöne persönliche Erinnerungen bei Ihnen den Reigen dieses Jahres? Gerade in Zeiten der Unsicherheit gewinnt die Rückbesinnung auf liebe Traditionen neue Bedeutung. Die Weihnachtslieder stärken uns da den Rücken.

Es gibt unter ihnen aber auch Verse voller harter Kontraste: „Du Kind, zu dieser heil’gen Zeit / gedenken wir auch an dein Leid, / das wir zu dieser späten Nacht / durch unsre Schuld auf dich gebracht.“ Dies ist eins der unbekannteren Weihnachtslieder und ein fast vergessener Text Jochen Kleppers: „Du Kind zu dieser heilgen Zeit“ (EG 50). Die hymnenartige (obwohl erst modern komponierte) Melodie hat sicher nicht zur größeren Verbreitung beigetragen. Es entstand in der Weihnachtszeit 1937, zwei Tage nach dem bekannten „Die Nacht ist vorgedrungen“. =>

Gaben dieses Jahres

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024„Sind ein paar Hoffnungen zerronnen? / War dies und jenes Lug und Trug?“ So sang der Liedermacher Reinhard Mey bereits vor Jahrzehnten in seinem Lied „Ich denk‘ es war ein gutes Jahr“. Da war 2024 geradezu denkwürdig! Soviel zeigt schon dieser frühe Rückblick – trendgetreu schon lange vor Silvester. Da braucht man gar erst nicht die Gaben des Nikolaus abwarten!

Besonders gelungene Treffen im ansonsten trüben November sind inzwischen Klima- oder Artenschutzkonferenzen!  Zu ihnen fliegen Zehntausende hin – und zwar eher nicht im Schlitten des Weihnachtsmannes, den die luftigen Rentiere halbwegs biologisch „über den Wolken“ halten.  =>

Geschärfte Argumente gegen Antisemitismus

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Ist das Phänomen nicht selbsterklärend? Diese Frage stellte Jan Philipp Reemtsma fast etwas provozierend an den Beginn seines Vortrags über die „Grundmechanismen des Antisemitismus“. Welche neuen Argumente brachte der Vortrag nun? Wer sich mit dieser „konstantesten Ideologie des Abendlandes“ (Reemtsma) schon einmal beschäftigt hat, erfuhr wenig historisch Neues. Eine neue Erklärung wollte er nicht bieten, so Reemtsma. Er brachte die Argumente aber auf den Punkt, wo sonst Sprachlosigkeit zurückbleibt. … =>

Prickelnde Wahl

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Prickelnd fällt es mir entgegen: Das Tütchen mit Brausepulver, das sich in meinem Gemeindebrief versteckte. „Stimm für die Kirche“, gehe zur Kirchenvorstandswahl, das ist seine Botschaft – eine kleine Erfrischung statt großer Worte. Es durchdringt das Wasser und gibt ihm erfrischenden Geschmack. Ebenso bringen die Kandidierenden ganz unterschiedliche Gaben sowie erfrischende Ideen und Impulse in die Arbeit der Kirchengemeinden mit. Ihre Erfahrungen wirken zusammen. Wie das Brausepulver erst im Wasser Geschmack gewinnt, so können die Engagierten im Zusammenspiel miteinander ihre Kräfte entfalten. =>

Die Dankbarkeit des Eichhörnchens: Ihre Leichtigkeit als „Reichtum in Gott“

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Ganz unter uns: Ich neige zunehmend zur Vorratshaltung – offenbar eine Spätfolge der Corona-Krise. Damals fing es an: Kaum war mit dem Beginn des Ukraine-Krieges die Pandemie abgeschafft, entdeckte ich tatsächlich in einer dunklen Ecke des Dachbodens noch ein eingeschweißtes Zehnerpack an Toilettenpapier! Die Inflation hat die Symptome verstärkt: So billig wie jetzt, bekommst du den Kaffee nicht mehr – und auch nicht die Reinigungsmittel! Diese Zeiten weckten das Eichhörnchen in mir. Doch das Haltbarkeitsdatum auf Dosen wird manchmal zur spannenden Lektüre: Wann müssen Fertiggerichte vertilgt sein? Gut, sie gehen nicht unbedingt an dem Tag über, der auf ihren Deckel gedruckt ist (Haftung aber ausgeschlossen!). Doch gilt es, den Überblick zu behalten! =>

„Es war schon einmal schlimmer“: Über den Umgang mit Herausforderungen

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Nein, billig war es nicht! Unterwegs in Estland war es keineswegs so, dass ich mich in einem Preisparadies wiederfand. Die Einkäufe schienen mir vergleichbar mit denen in Deutschland zu sein – manches teurer. Dabei ist das Lohnniveau deutlich geringer als hier. Mit bis zu 20 Prozent Inflation 2022 hatten sie die höchste Preissteigerung in einem Euro-Land. In Deutschland hatten wir etwa ein Viertel – und dennoch schier den Weltuntergang. „Och, es war schon mal schlimmer“, so reagierten mehrere estnische Gesprächspartner fast gleichlautend auf meine entsprechenden Fragen =>

Duftende Gedanken

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Der Duft entführt mich in einen Sommergarten: Es ist früher Morgen, noch ist es lau. Ein sanftes Lüftchen kommt auf – schwül soll es heute nicht werden. Ganz im Gegensatz zu meinem Büro, aus dem ich die Hitze nicht mehr durch Lüften herausbekomme. Draußen ist es fast noch stickiger. Am Himmel wird es zwar zunehmend düster, doch das erlösende Gewitter kommt und kommt einfach nicht.  Noch einmal schnuppere ich an meinen Handgelenken: Denn ich habe sie mit Rosenöl benetzt. Das wirkt beruhigend und entspannend bei Stress und hellt eine gedrückte Stimmung auf, … =>

Kultur oder Kühle, Heimat oder Hilfe finden – was bleibt von Kirchen?

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Bleiben vom Christentum himmelstürmende gotische Kirche, imposante Barockbauten oder moderne architektonische Wunderwerke an Gotteshäusern als kulturelle Höhepunkte der gebildeten Urlaubsreise? Durch sie schieben sich gerade zur sommerlichen Urlaubszeit Menschenmassen, die ein wenig Kühle nach der Besichtigung der sonnendurchglühten Altstadt finden. Schnell noch eine Kerze anzünden – aber bloß nicht zu lange bleiben: Hinter ihnen drängen Massen nach, die auch Kultur tanken wollen. Ist das die Religiosität der Zukunft, die sie die meisten Befragten der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU 6) wünschen? Nicht nur hier in Rothenburg bringen kirchenmusikalische Ereignisse im Sommer oder im Advent eine Anzahl von Gästen in die Kirche, wie sie beim Sonntagsgottesdienst längst nicht mehr erhofft wird. =>

Neue Wege statt altbackene Werbung

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Dümmlich und altbacken – so stehen sie gerade überall am Wegesrand: Gemeint sind die Plakate zur Europawahl, und zwar durch die Bank aller Parteien. Es ist, als würden sie darum wetteifern, wer das einfallsloseste Plakat mit nichtssagenden Parolen und schlechten Fotos hat. Die Fernsehwerbung der Parteien erscheint auch nicht besser. Doch im Gegensatz zu den Wahlplakaten kann man ihr wenigstens aus dem Weg gehen. Da mir meine Lebenszeit zu schade ist, zumindest eine repräsentative Auswahl davon anzusehen, halte ich es für wahrscheinlich, dass ich einfach die ein oder zwei guten Spots nicht erwischt habe. =>

Die Würde des Menschen – was heißt das?

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So betont es gleich der erste Artikel des Grundgesetzes. Es wurde vor 75 Jahren, am 23. Mai 1949, verabschiedet. Können wir heute einem Gegenüber mit anderen Ansichten noch respektvoll begegnen? Oder lieber sie oder ihn abwerten – und gleich niederschlagen? Wenig erscheint nun so antastbar wie gerade die Würde eines Menschen: An der Schwelle des Todes etwa … =>