Zeit des Aufmerkens

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern„Ich würde gerne Geschenktütchen für unsere Adventsfeier vorbereiten. Würdest Du etwas Kleines dazu beisteuern?“ Diese Nachricht versetzte mich alles andere als in Weihnachtsstimmung. Muss das sein? Da fühle ich mich unter Druck gesetzt, ja sogar fast fremdbestimmt. Dabei ging es mir doch recht gut in den vergangenen zwei Jahren mit dem „schlankeren“ Festprogramm. Nun gut, Weihnachtsmarkt und Glühwein in froher Runde unter dem Lichterhimmel hat schon etwas – wenn es auch nicht wirklich fromme Gefühle weckt. Zumindest dachte ich das, … =>

Schöne Bescherung!

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernSoll ich oder soll ich nicht? Darum kreisen meine Gedanken in diesen dunklen Novemberwochen: Soll ich meine Lichterketten und hell leuchtenden Fensterbilder auch in diesem November vom Speicher holen und dann zur Adventszeit in die Nacht hinausscheinen lassen? Oder eher nicht? Das Angebot in unseren Super- und Baumärkten ist ungebrochen – als gäbe es keine Energiekrise. Natürlich ist es Verschwendung, die Lichter an meinen Stromkreis anzuschließen – aber schön! Wie viel würde mich der Spaß denn kosten? Zum Glück brachte eine Recherche im Internet schnell die Seite https://stromrechner.com/stromverbrauch-lichterkette ans Tageslicht. Zunächst muss ich wissen, welchen Verbrauch meine leuchtenden Sterne haben, um zu sehen, welchen Wert Ihr Schein für mich hat. Schnell mal auf den Speicher hinauf … =>

Konsens statt Kampfabstimmung

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernKampfabstimmungen gab es nicht, auch kein eindeutiges „Ja“ oder „Nein“ bei Voten. Zwar konnten die Delegierten der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), die am 8. September zu Ende ging, orange oder blaue Zettel hochhalten, doch das waren „Tendenzkarten“. Orange hieß: „Ich werde warm mit dem Vorschlag.“ Die blaue Karte sagte aus: „Ich stehe dem Beschlussvorschlag noch kalt gegenüber.“ Oder: „Ich möchte einen wichtigen Einwand vorbringen.“ Beide Karten gleichzeitig, das galt nicht etwa als ein Unentschieden, sondern sagte aus, dass die Person eine Entscheidung oder die Diskussion abbrechen möchte. Das erscheint gewöhnungsbedürftig – wie auch so manche andere Rituale bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Ziel ist es jedoch, möglichst viele Gemeinschaften bei Entscheidungen mit ins Boot zu holen.  =>

Der Wind trägt tatsächlich ….

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern„Es gleitet voran!“ Welch ein Glücksgefühl jedes Mal neu! Wieder einmal trägt mich der See, spüre ich den Luftzug in den Haaren! Das Segel ziehe ich nach hinten – der Wind greift tatsächlich danach! Wunderbar, er tut, was er soll! Der Brombachsee ist mein Sommerrevier. Gut erreichbar, beschattet vom Wald.

Die malerische Bucht ist so beschaulich, dass sie selbst der Wind nicht immer findet. Dann heißt es, Brett und Segel ins offene Gewässer zu ziehen. Hinauf, den Stand ausrichten und das Segel … –  nein, erst den Wind suchen: Das Segel senkrecht zum Brett nach  unten senken: Wohin dreht es sich? Dann führe ich das Segel nach hinten, bis der Wind nach ihm greift. Ist das Windsurfen nicht ein herrliches Gleichnis auf das Leben? 

Vorsorge statt Rücksicht (Achtung: Glosse!)

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernJetzt ist es höchste Zeit, um Wolldecken und Heizlüfter zu kaufen! Denn der nächste Winter wird kalt. Das klingt wie eine Binsenwahrheit, ist aber eine aktuelle Bedrohung: Niemand weiß, ob es genug Gas in den Speichern gibt. Über die Steckdose und den Heizlüfter ein warmes Zimmer zu bekommen – das ist zwar geradezu das Gegenteil von Nachhaltigkeit, doch spiegelt es besonders gut unseren Lebensstil wider: Nehmen, was geht. Vorsorgen ohne nachzudenken. Strom wird es wohl im Winter noch mehr als Gas geben – zumal, wenn die Laufzeit der Atomkraftwerke so verlängert wird, wie immer öfter gefordert. Wozu grundlegend umdenken? =>

Johannisnacht als Wendepunkt gegen Verblendung

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernBöse Geister schienen erwacht zu sein: Bei einem besonders blutigen Tanz um das Johannisfeuer – damals vor genau hundert Jahren: Am 24. Juni 1922 ermordeten Rechtsradikale Außenminister Walter Rathenau nach jahrelangen Hassdrohungen. Trotzdem lehnte er Polizeischutz ab. „Warum sucht denn jemand sein Glück in der Verfolgung seines Nächsten?“, so fragte er einst. „Weil es ihn tröstet und erhebt, sich über andere zu stellen. Glückliche Menschen sind das nicht.“ =>

Kommentar: Wozu die „scharf geschliffnen Waffen“ helfen

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernRumpelstilzchen ist zurückgekehrt. Schon lange vor den Johannis-Woche tanzt es um allerlei nächtliche Feuer – ergeht sich in unangemessenen Forderungen, plärrt herum,  hat seine Emotionen nicht im Griff – und zerreißt sich schließlich selbst vor Wut. Dagegen haben es die Feuerzungen des Heiligen Geistes nicht so leicht: Erleuchtung – Buße – Gemeinschaft: Schön wäre es. Corona oder Krieg – oder wohl gleich auch in einer nächsten Krise  – überall Rechthaberei und Aggressionen. Wer schreit, hat Unrecht: Dieser Grundsatz scheint schon längst nicht mehr zu gelten. Gut, entsprechende Seiten im Internet lassen sich auch ausblenden. Bei direkten Kontakten ist das natürlich schwieriger. =>

Gottes Tun – erweckt mir alle Sinnen

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernWarum bis zum Ende durchhalten? Bis zur 12. Strophe schaffen es nur wenige Chöre und Gemeinden. „Doch gleichwohl will ich, weil ich noch / hier trage dieses Leibes Joch, / auch nicht gar stille schweigen.“ So beginnt eine der unbekannteren Strophen von Paul Gerhardts Sommerlied „Geh‘ aus mein Herz und suche Freud“. Da sind die ersten Verse viel sinnenfroher. Sie schildern das Ergrünen der Natur und die Antwort aller Geschöpfe darauf. Doch beginnt nun die Klage eines Menschen, der wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg vom Leidens-„Joch“ geprägt erscheint? =>

Auf der Wüstenwanderung

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernEinfach aufstehen und die dürren Zeiten des Lebens zu überwinden – ist das überhaupt möglich? Belasten uns nicht viel zu sehr die Vergangenheit oder die düsteren Ängste vor der Zukunft? Wie das Volk Israel scheinen wir in einer endlosen Wüste unterwegs zu sein. So gern will ich zurück zu den „Fleischtöpfen Ägyptens“, als der weitere Lebensweg gesichert schien. Als ich genau wusste, wo ich im nächsten Jahr sein werde und dass in drei Jahren zum Ostermahl wieder der Lammtopf auf den Tisch kommt. Stattdessen gibt es klebriges Manna zum Frühstück und zum Abendbrot. =>

Editorial: „Mich verstecken, bis alles vorbei ist“

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern„Tante Sveta, kannst du mich bitte in einem Schächtelchen verstecken und mich erst wieder auspacken, wenn alles vorbei sein wird?“ Von dieser Bitte eines vierjährigen ukrainischen Mädchens berichtete Sabine Arnold von der Aussiedler-Arbeit der SinN-Stiftung des Dekanats Nürnberg. Da hockte die Vierjährige zusammen mit zwei anderen Kindern und den Erwachsenen bereits den dritten Tag in einem Charkiver Keller, um sich vor den Luftangriffen zu schützen. Wer wünscht das nicht in den vergangenen Tagen: Erst wieder aufwachen, wenn dies alles vorbei ist? Welch ein verlockender Gedanke! Wenn wir ihn hier bei uns schon so erleichternd finden, wie viel mehr die Menschen vor Ort in der Ukraine, über die dieser Alptraum gekommen ist! =>