Bald kommt er wieder – der Löwenzahn in unserer Einfahrt! Dessen bin ich gewiss! Zwischen den Fugen schiebt er immer wieder seinen Halm empor – egal, was ich dagegen tue. Ob ich ihn mit dem Fugenkratzer zu Leibe rücke oder mit kochend heißem Wasser, das ist ganz egal. Irgendwo überdauert tief unter den Pflastersteinen seine Wurzel – und die Pflanze feiert nach einigen Wochen wieder fröhlich Auferstehung. Kein noch so harter Winter kann sie endgültig zerstören: Sie treibt im Frühjahr wieder aus. Oder vielleicht überdauern nur die Samen und es ist schon die x-te Generation, mit der ich wieder den Kampf aufnehme, sobald der Frühling beginnt? Ich weiß, ich könnte auch hochrüsten … =>
Ein Gesang, der Verzweiflung herausfordert
Die Orgel setzt ein, schwebend zunächst, dann schwungvoller. Das Lied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“ (EG 112) erklingt. Dann füllt es den Raum. Nach dem Vorspiel singt die Gemeinde von Freude, von Sieg, von neuem Leben. Es ist Ostermorgen. Doch während sich Melodie und Text entfalten, stellt sich unweigerlich eine Frage: Lässt sich davon wirklich singen – in einer Zeit, die von Kriegen und Krisen geprägt ist? … =>
„Gebäudeplanung als Marathon, kein Sprint“
In der ehemaligen Lukaskirche im bayerischen Kelheim hallen noch immer Stimmen durch den Raum – aber es sind keine Gebete mehr, sondern Urlaubspläne, Kinderlachen, Gespräche beim Abendessen. Der weite, offene Charakter des Kirchenraums ist geblieben, doch seine Funktion hat sich radikal gewandelt: Aus einem Ort der Andacht ist ein Ferienhaus geworden. Drei Wohnungen sind entstanden, der offene Raumcharakter blieb teilweise erhalten. Gruppen können hier übernachten – unter einem Dach, das einst für Gebet und Predigt gedacht war. Es ist ein Bild, das sich in Deutschland künftig wohl öfter zeigen dürfte. Denn die Kirchen stehen vor einer historischen Herausforderung, da sich die Mitgliederzahlen bis 2060 wohl mindestens halbieren werden. … =>
Lebenssatte Botschaften „An die Zukunft“
Was bleibt von einem Leben im Rückblick? Welche Gedanken tragen, wenn die allermeiste Lebenszeit hinter einem liegt? Und was würde man den kommenden Generationen mitgeben wollen? Diesen Fragen geht die Ausstellung „Botschaften an die Zukunft“ nach – und findet Antworten, die berühren. Die Idee zu diesem Projekt stammt schon aus der Zeit vor der Corona-Pandemie, so Pfarrerin Sonja Dietel von der Evangelischen Altenheimseelsorge im evangelischen Dekanat Nürnberg im Gespräch mit dem Sonntagsblatt. Schon damals kam sie in ein „langes berührendes Gespräch“ mit einem älteren Herrn: Dieser vertraute ihr eine „Kostbarkeit“ zum Thema Frieden an, die wesentlich aus seinem Leben erwachsen war. „Leider wird sie niemand hören außer ihnen“, setzte er hinzu. … =>
Neue Ideen für Gotteshäuser statt Abriss
„Wir müssen erst über den Wert von Kirchen sprechen, bevor wir über ihre Verwertung sprechen“, so der ehemalige Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Fachtagung „Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor – Wer und was bestimmt wirklich über die Zukunft der Kirchen?“ Die Zukunft von Kirchen und Gemeinden werde oft in Zahlen diskutiert: sinkende Mitgliederzahlen, steigende Kosten, weniger Geistliche – für Schick zu eng. Auch der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp gab sich bei den Kirchengebäuden gelassen: „Wir befinden uns in einem Wandel, aber das ist nicht der erste in der Geschichte der Kirche.“ …=>
Empor gehoben ins Licht
Seelchen, sorgsam gewickelt wie die Säuglinge. Dann wieder erscheinen sie als kleine Figürchen, die in stiller Andacht die Hände falten – während Engel sie vorsichtig emporheben. Hoch oben in den Chorfenstern der St. Jakobs-Kirche in Rothenburg ob der Tauber tauchen sie immer wieder auf: gerettete Seelen, klein und bloß, getragen ins Licht. Erstaunlich ist, wo diese Szenen spielen. Die Künstler arbeiteten für einen Ort, an dem kaum jemand ihre Details erkennen konnte. Die Fenster beginnen erst in zehn Metern Höhe und steigen bis auf siebzehn Meter hinauf. Lange bevor es Ferngläser oder Zoom gab, entfalteten die gotischen Glaskünstler dort oben dennoch ein Panorama der Hoffnung. … =>
Holz, das Hoffnung atmet
Es war mehr als eine Auftragsarbeit. „Es entwickelte sich im intensiven Gespräch“, erzählt die Holzbildhauerin Marion Jochner aus Oberammergau dem Sonntagsblatt. Daraus entstand ein Kreuz, das genau diese Handschrift des Dialogs trägt (rechts): kein leidender oder sterbender Jesus, sondern er scheint gerade davon herabzusteigen – und streckt den Betrachtenden einladend die Hand entgegen. Kein fernes Leiden, kein erstarrter Schmerz – sondern Bewegung. So gelang es Jochner, den Vorstellungen ihrer Gäste Form und Gestalt zu geben. Und sie entwickelte die Ideen weiter, die aus diesem Austausch entstanden. … =>
Beharrlich, besonnen, beherzt
„Innerhalb einer Woche ist das zugesagte Geld vor Ort.“ So direkt und schnell zu helfen, das ist Wolfgang Hagemann wichtig. Ob in Brasilien oder in der ukrainischen Hafenstadt Odessa: Der 81-jährige Pfarrer im Un-Ruhestand weiß, wie wichtig eine schnelle Unterstützung ist. Seit 25 Jahren steht er als Vorsitzender an der Spitze des Martin-Luther-Vereins (MLV) in Bayern – als Nachfolger des Pfarrers und Politikers Hans Roser. Geboren 1945, ist Hagemanns Lebensweg eng mit der Kirche und ihrem weltweiten Wirken verbunden. Früh engagierte er sich in der Jugendarbeit. Und bereits seit 1990 wirkt er ehrenamtlich im Hauptausschuss des Martin-Luther-Verein – zunächst als Schatzmeister und zweiter Vorsitzender, bevor er vor 25 Jahren den Vorsitz übernahm. Der MLV ist ein selbstständiges Diasporawerk in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Vorstand, Hauptausschuss, Mitglieder und Förderer engagieren sich weltweit für lutherische Kirchen und Gemeinden in ausgeprägten Minderheitensituationen. =>
Bleiben, obwohl andere gehen
„Gedenke (lateinisch: Reminiscere), Herr, an deine Barmherzigkeit“. So lautet das Motto des zweiten Sonntags in der Passionszeit nach Psalm 25. In diesem Jahr soll insbesondere der Menschen in Syrien gedacht werden: nach 13 Jahren des furchtbaren Bürgerkriegs und ein Jahr nach dem Sturz des Diktators und der Übernahme der Übergangsregierung ist die Unsicherheit nach wie vor sehr groß: Der Blick in die Gegenwart ist ernüchternd. Der gesamte Mittlere Osten ist von tiefgreifenden Krisen gezeichnet. Krieg, Vertreibung, wirtschaftliche Not und gesellschaftlicher Druck haben die christlichen Gemeinschaften massiv geschwächt. In Syrien bekannten sich vor Beginn des Krieges 2011 noch rund elf bis zwölf Prozent der Bevölkerung zum christlichen Glauben. Heute gehen Schätzungen davon aus, dass es kaum mehr als ein bis zwei Prozent sind. Viele sind geflohen. Der Stolz auf die eigene Tradition mischt sich mit Angst vor der Zukunft. =>
Brücken bauen in stürmischen Zeiten
„Für 96 Prozent der Bevölkerung ändert sich gar nichts.“ Der Satz des damaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz klang nüchtern. 2019 verlor der Karfreitag in der Alpenrepublik seinen Status als gesetzlicher Feiertag für evangelische Christen: Aus staatlicher Sicht war dies eine rechtliche Anpassung, aus wirtschaftlicher Perspektive eine pragmatische Lösung. Seitdem ist der Karfreitag nur noch ein „persönlicher Feiertag“, an dem sich Menschen zwar frei nehmen dürfen, wenn sie dies mit einem Urlaubstag bezahlen. Also so ähnlich wie der Buß- und Bettag hierzulande – der Wirtschaft geopfert, so der Vorwurf. =>
