Weltweite und lebenslange Verantwortung

Der erste Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (OERK), Willem A. Vissert Hooft„Die Welt war meine Gemeinde“: Unter diesem Titel erschien die Autobiografie von Willem Adolf Visser ‘t Hooft. Der Niederländer mit dem sperrigen Namen baute den Ökumenischen Rat der Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg mit auf. Bereits seit 1924 wirkte der reformierte Theologe in Genf. Geboren im Jahr 1900 – also so alt wie das 20. Jahrhundert – begleiteten ihn die Zeitläufe dieser bewegten Epoche. Genf blieb der Mittelpunkt seines Wirkens. So konnte er ein inneres Gleichgewicht bewahren. Doch blieb er auch öfter in einer beobachtenden Rolle. =>

„Denn ich bin Gott und nicht ein Mann“

Ausstellung im Bibelmuseum Frankfurt über GottesvorstellungenMuss die Provokation sein? Ins Auge fallen das Bildnis von „Conchita Wurst auf der Mondsichel“ und der Titel der Ausstellung „G*tt w/m/d“. Das lenkt natürlich Aufmerksamkeit auf sich, stößt aber genauso ab. Das „Bibelhaus Erlebnis Museum“ in  bester Museumslage am Frankfurter Mainufer scheint damit sehr kalkuliert umzugehen.  Das schafft dann nicht nur praktische Probleme: Wie soll ich denn das aussprechen: „G‘tt“? Und geht dies nicht an den Rand der Gotteslästerung? Im Gegenteil, würden viele fromme Juden sagen. Seit Jahrhunderten schrieben sie auf Jiddisch und später auf Deutsch „G‘tt“ oder „G-tt“– um die Unaussprechbarkeit anzudeuten. … =>

Prinzessin auf Entdeckungsreisen

Therese von Bayern in der Regensburger LandesausstellungAnstatt im Ballsaal ihre Runden zu drehen und zu feiern, bahnte sie sich ihre Pfade durch den Urwald. Prinzessin Therese von Bayern (1850–1925) schlug einen ungewöhnlichen Weg ein. Die einzige Tochter des Prinzregenten Luitpold und Schwester des späteren Königs Ludwig III. erwarb sich einen Ruf als Wissenschaftlerin und Reiseschriftstellerin. Leidenschaftlich brach sie zu Entdeckungsreisen auf. Auf ihren Expeditionen erwies sich Therese keinesfalls als „Prinzessin auf der Erbse“, sondern im Gegenteil als ausdauernd und robust. Mitten in den Anden stürzte sie etwa vom Maultier und prellte sich die Rippe. Doch stieg sie sofort wieder auf das Reittier: Weiter ging es. … =>

Sommerliche Aufholjagd

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernAuf in den Sommer! Die lauen Abende genießen, so lange es geht. Endlich ist wieder Leben auf die Marktplätze und in die Biergärten zurückgekehrt. Nach dem allzu langen Corona-Winter und dem allzu unbeständigem Wetter der vergangenen Wochen wärmen die Sonnenstrahlen ganz besonders. Doch hat dieses sommerliche Lebensgefühl fast etwas Hektisches: Es scheint nicht nur ein Nachholbedürfnis da zu sein, so viele soziale Kontakte und so viel Nähe zu spüren, wie es nur geht. Nein, es gilt fast auch Vorräte zu sammeln für die kommende Zeit der Kälte. Die Termine und Treffen überschlagen sich fast. Wer weiß denn, was im Herbst sein wird? … =>

Hier stand er – wo stehen wir?

Landesausstellung in Worms: 500 Jahre Luthers Auftritt auf den ReichstagLuther tritt runter vom Podest. Offenbar sehr bewusst hat die aktuelle Landesausstellung in Worms einen Gegenpol zu dem berühmten Reformationsmonument nur wenige Gehminuten entfernt geschaffen. Zum 500-jährigen Jubiläum des Luther-Auftritts vor dem Reichstag zu Worms ist nun im Andreasstift die Ausstellung über das Gewissen und den Reformator zu sehen. In dieser Reihenfolge. Denn Gewissensentscheidungen einst und jetzt stehen viel deutlicher im Mittelpunkt als eine historische Aufklärung über die Reformation. … =>

Suche nach längst verlorenen Paradiesen

Slimani_Shalev_Zeh_BuchvorstellungAuf der Suche nach längst verlorenen Paradiesen – das ist das beherrschende Thema von drei aktuellen Romanen. Frauen begeben sich auf den Weg zu Zielen, die längst untergegangen sind. Mathilde macht in Leila Slimanis neuem Roman „Das Land der Anderen“ genau das, wovor uns unsere Eltern immer gewarnt haben. Sie heiratet einen marokkanischen Soldaten im Dienst der französischen Armee. Sie kehrt mit ihm ohne genaue Vorstellungen über Nordafrika aber intensivem Fernweh in seine Heimat zurück. …  =>

Stabwechsel mitten im Wandel

Klaus Buhl, der scheidende Direktor des RPZ HeilsbronnDie „Integration der Medienzentrale ins Religionspädagogische Zentrum“ (RPZ), das war für Klaus Buhl ein wichtiger Meilenstein seines Wirkens dort in Heilsbronn. Seit 30 Jahren wirkte er in der Aus-, Fort- und Weiterbildungseinrichtung der Landeskirche im Bereich Religionspädagogik – davon die letzten zwei Jahrzehnte als Leiter des RPZ. Nun geht der 62-Jährige in den Ruhestand. Sein zweijähriges Enkelkind wartet schon auf ihn. Und ab September eine weitere Enkelin … =>

Zusammenspiel voller Zumutungen

Schlussstein der Barfüßerkirche in AugsburgMöchte ich ihn persönlich gekannt haben? Franz von Assisi scheint durchaus ein eher schwieriger Mensch gewesen zu sein. Weniger ein romantischer Heiliger, der mit den Tieren sprach und zum charismatischen Vorbild der „Blumenkinder“ aufstieg als ein rigoroser Verfechter seiner Ideale.

Doch seine neue Armutsbewegung traf „einen Nerv der Zeit“, erklärt Martin Kaufhold, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Augsburg. Dort sind Franziskaner zuerst vor 800 Jahren auf dem heutigen deutschen Boden nachweisbar. Franz von Assisi (1181/2–1226) lehnte Besitz und Anerkennung strikt ab. … =>

Vergebliches „Einen der Worte“?

Tim Mackintosh: Arab. 3000 Jahre arabische GeschichteAm Anfang war das Wort – oder die Sprache. Klingt banal, solange wir dies nicht auf die arabische Welt übertragen. Denn am Anfang war doch dort die Religion, das Wirken Mohammeds? Formte nicht dieser Prophet aus einer Ansammlung an Beduinen innerhalb weniger Jahre eine Weltmacht? Doch die Ausprägung arabischer Identität beginnt schon Jahrtausende vor dem Propheten Mohammed. Die ältesten Überlieferungen des Begriffes stammen von den Assyrern um 850 vor Christus. In ihren Texten tauchen die Beschreibungen „Arabi“ oder „Urbi“ für ein umherstreifendes Volk auf, das im Norden der Arabischen Halbinsel lebte und langsam eine Sprache sprach. =>

Dichtes Dach für verwinkelte Spitalkirche

Spitalkirche St. Elisabeth mit ehem. Pfruendnerwohnung in HersbruckHersbruck. Anstelle eines unverbauten Blickes ins Grüne war ihm die unverstellte Arbeit an seinem Seelenheil wichtig: Im Obergeschoss der Kirche ließ sich ein Pfründner oder ein Pfründnerpaar nach einer offenbar gehaltvollen Spende um 1560 eine eigene Wohnung einrichten. Ohne die Dreizimmerwohnung in heute etwas sonderbarer Lage  im Langhaus der Hersbrucker Spitalkirche verlassen zu müssen, konnten sie direkt die Gottesdienste beobachten.  Nun regnet es dort hinein … =>