Langer Atem gegen Ungerechtigkeit

Der Vorstand des Rothenburger Weltladens (von links): die Beisitzerin Gertrud Mielke-Wildermann, die zweite Vorsitzende Hedwig Plodeck und der erste Vorsitzende Axel Pauli.Foto: PrivatDie Welt kommt nach Rothenburg. Nicht nur als Touristen in die Tauberstadt, sondern der Weltladen schräg gegenüber der St. Jakobskirche versammelt faire Waren von Südamerika bis nach Südostasien. Neben fair produziertem Kaffee, Kunsthandwerk oder Kinderspielwaren finden sich dort auch Süßwaren, Seidentücher oder Stofftaschen. Gerade Touristen, die die St. Jakobskirche besucht haben, greifen gern zu dem Rothenburg Kaffee oder verschiedenen Sorten der Rothenburg Schokolade, die auch vegan erhältlich ist. Natürlich sind die Rohstoffe nicht an der Tauber angebaut, doch ein Bild des Plönlein macht die Sorten unverwechselbar. =>

Ringen um Dialog und Kritik zu Israel

Jerry Pillay, Generalsekretär des WCC in Karlsruhe
5 September 2022, Karlsruhe, Germany: WCC general secretary elect Rev. Prof. Dr Jerry Pillay speaking at an ACT Alliance event in the Networking Zone at the 11th Assembly of the World Council of Churches taking place in Karlsruhe, Germany from August 31 to September 8.

Die Sorge war groß: Erscheint der Ökumenische Rat der Kirchen zunehmend antisemitisch? Schließlich verbreite er das „Kairos-Palästina- Dokument“ weiter, so die Sorge jüdischer Repräsentanten. Dort fordern palästinensische Christen seit 2009, Israel wirtschaftlich, finanziell und militärisch zu boykottieren. Hinzu kommt die Wahl Jerry Pillays im Juni zum neuen Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Der Dekan der Fakultät für Theologie und Religion an der Universität Pretoria in Südafrika löst Anfang 2023 den scheidenden geschäftsführenden Generalsekretär Ioan Sauca ab. Das Problem: Pillay verglich 2016 nach einer Reise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete die dortige Situation mit der Apartheid in Südafrika. =>

Einsatz gegen Unterdrückung und Not

Frank-Walter Steinmeier, Annette Kurschus, JewstratijDeutliche Worte fand Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schon bei der Begrüßung der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK oder WCC nach der englischen Bezeichnung World Council of Churches) in Karlsruhe am 31. August. Diesem Gremium gehören rund 4.000 Delegierte aus mehr als 350 Kirchen weltweit an. Steinmeier sprach vom „blasphemischen Irrweg der russisch-orthodoxen Kirche gegenüber ihren Glaubensbrüdern“. Gleichzeitig hoffte er, dass die in Karlsruhe anwesenden Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche die „Wahrheit über den brutalen Krieg mitnehmen“. So setzte der deutsche Bundespräsident schon zur Eröffnung der Vollversammlung des Weltkirchenrates ein deutliches Zeichen. Brückenbauen brauche Bereitschaft auf beiden Seiten des Ufers. Es könne nicht stattfinden, wenn eine Seite den Brückenpfeiler abreißt. Leider habe sich die russisch-orthodoxe „Kirchenführung mit dem Verbrechen des Krieges gemein gemacht“, bei der gar religiöse Stätten zerstört wurden. =>

Kultur genießen – Gesellschaft verwandeln

Methodist Youth Choir bei der ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe„Es hat sich doch gelohnt, dass wir uns aufgerafft haben“, hörte ich eine Frau hinter mir beim Konzert des „Methodist Youth Choir“ aus Indonesien. Die Sänger und Sängerinnen waren wirklich stimmgewaltig! Auf dem Karlsruher Marktplatz hatte die Badische Landeskirche eine Bühne aufgebaut, auf der sich viele internationale musikalische Gruppen für die Bevölkerung ein Stelldichein gaben. Samuel Koch sprach zusammen mit der Badischen Landesbischöfin Heike Klinghart über „Verletzbarkeiten“. Auch der zentrale Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) zum „Tag der Schöpfung“ am 1. September fand dort öffentlich statt. Die Plätze waren beinahe so gefüllt wie an Weihnachten – viele Zuhörende mussten stehen. Auch dieses Angebot, nicht nur die kulturellen Veranstaltungen nahmen sie gerne an. … =>

Gleichzeitig Dürre und Überschwemmung

Farhan Mohamed Ali mit einer seiner Ziegen. Foto: Diakonie KatastrophenhilfeFarhan Mohamed Ali hält eine seiner Ziegen auf dem Arm. Jedes Tier ist kostbar, denn es sichert das Leben seiner Familie in Somalia. „Ich habe sieben Kinder, drei davon sind unter fünf Jahre alt,“ erzählt der 38-Jährige aus dem Dorf Farha Gedi im zentralsomalischen Bezirk Galkayo. „Ich hatte über hundert Ziegen, jetzt sind es nur noch 26 – der Rest ist verhungert. Eine ähnliche Dürre habe ich niemals erlebt.“ Auf den staubtrockenen Böden wächst kein Halm mehr. Was nicht auf den Feldern verdorrt ist, haben Heuschrecken gefressen. Ziegen und Schafe finden weder Futter noch Wasser und verenden. =>

Mit Debora und Salomo im Gleichgewicht

Bibelyoga im Rothenburger Wildbad mit Günter Kusch und Andrea KönigTräumen mit Salomo – aufwachen mit Debora? Wie die Richterin im alten Israel konnten sich die Teilnehmenden der Fortbildung „Die Bibel sportlich nehmen“ aufrichten, auf den Weg machen und ihren Kampf beginnen. Im Rothenburger Wildbad aktivierten Dehnübungen für die Waden nicht nur die Unterschenkel. Nein, sie halfen besser als eine Tasse Kaffee, um neue Energie in sich zu spüren. Debora saß im vorstaatlichen Israel (Richter 4 und 5) zunächst auf einem Gebirge unter einer Palme und traf Entscheidungen in vielen Lebensfragen: Dann stand sie auf gegen die Unterdrücker des Volkes =>

Neu motiviert „schwimmen zu lernen“

Mitarbeitender der Diakoneo-Werkstatt Rothenburg am ComputerIn der Rothenburger Werkstatt der Diakoneo rattern die modernen Stickmaschinen weiter – obwohl gerade Pause ist. Dazu gab es heute sogar ein Eis. Das haben die Mitarbeitenden sich zuvor selbst besorgt. Auch dieses Einüben lebenspraktischer Fähigkeiten gehört zum Konzept, erklärt Stefanie Zeisel, die die Textilwerkstatt leitet und auch als Abteilungsleitung für die gesamte Werkstatt Rothenburg zuständig ist. Dann eilen alle wieder zu ihren Plätzen: Es gibt dort eine Zehn-Farben-Stickmaschine, computergesteuerte Nähmaschinen und einen besonderen Arbeitsbereich zum individuellen Bedrucken von T-Shirts, Tassen, ja sogar Thermosflaschen. Von einem Computer aus lassen sich die Maßanfertigungen exakt steuern – für Vereine, Unternehmen oder Junggesellenabschiede. =>

In der lauten Freiheit Ruhe finden

Schutzmantelchristus vom Schwanberg. Foto: BoréeAch, in dieser ereignisreichen Zeit fiel es mir richtig schwer, mit den Ökumenischen Alltagsexerzitien zur Ruhe zu kommen. Denn eine Schreckensnachricht jagte schließlich die andere. All die furchtbaren Ereignisse in der Ukraine trieben mich zutiefst um. Immer wieder schweiften meine Gedanken schnell ab zu Unerledigtem, sobald ich zur Ruhe kommen wollte. Doch kam gleich am ersten Tag der Exerzitien zur Sprache, wie sich diese Zeit in den Alltag verankern lässt =>

„Wir machen alles, was möglich ist!“

In Charkiw nach den Luftangriffen. Fotos: Nikita Zhadan

Immer noch finden Gottesdienste statt. Soweit es irgendwie möglich und nicht zu gefährlich ist, kommen Menschen unter Gottes Wort zusammen. Das berichtete Bischof Pavlo Shvartz von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU), der mit dem Gustav-Adolf-Werk (GAW) in Kontakt bleibt. Er schränkte aber auch ein: „Dort, wo Kirchen als Notunterkunftszentren gebraucht werden, verzichten wir auf die gewohnten Gottesdienste.“ Dann fänden vor allem online Treffen statt. Er selbst hätte leider seit Kriegsbeginn bis auf ein kurzes Gebet keinen Gottesdienst mehr halten können. Denn seine Hauptaufgabe bestehe nun darin, Hilfsgüter für seine Heimatstadt Chirkow zu organisieren. =>

Mit den Augen lächeln

KlinikClowns_Dr_Würschtl im Gespräch„Wir sind das ganze Jahr über lustig“ – längst nicht nur zur Faschingszeit. Das ist „Dr. Würschtl“ (Foto), alias Charlotte Liepelt wichtig. Seit gut zwei Jahrzehnten ist sie bei den KlinikClowns mit dabei. Egal, ob im Winter, vor Ostern oder im Novembernebel – keine Jahreszeit hält sie davon ab, sich die rote Nase aufzusetzen. Auch der Corona-Zeit setzte sie viele Ideen entgegen. Regelmäßig seit 24 Jahren sind mehr als 60 KlinikClowns gerade in Seniorenheimen oder Kinderkliniken auf Visite. Ihre Fähigkeit zu unmittelbarer Begegnung und Ansprache verbreitet heilsame Lebensfreude. =>