Was trägt noch heute beim Start ins Leben?

Sarah Schäfer, Ausbildung für Relpäds„Was trägt mich?“. Diese Frage stellen heute auch Jugendliche, die kaum einen Bibeltext kennen. „Die religiöse Vorbildung der Kinder und Jugendlichen hat sich deutlich geändert“, beobachtet Sarah Schäfer. Natürlich brächten viele Schülerinnen und Schüler inzwischen „kaum etwas“ an religiöser Sozialisation mit – zugleich sei das Spektrum ihrer Erfahrungen breiter geworden. Für die Ausbildungsleiterin im Religionspädagogischen Zentrum (RPZ) Heilsbronn ist das kein Grund zum Klagen, sondern eine Chan­ce: Wo Vorwissen fehlt, entsteht Raum für Fragen. Seit vier Jahren begleitet Schäfer am RPZ Religionspädagoginnen und -pädagogen – kurz Relpäds – im Vorbereitungsdienst und in der „Fortbildung in den ersten Dienstjahren“. =>

Wenn aus Abschied Aufbruch wird

Regionalbischöfin Gisela Bornowski beim Sommerempfang„Ich hoffe nicht, dass der Erlöser lebt!“ Mit diesem Satz überraschte Motivationscoach Johannes Warth die Gäste von Regionalbischöfin Gisela Bornowski beim Sommerempfang im Rothenburger Wildbad. Er reagierte damit unmittelbar auf die Begrüßung der Gastgeberin. Nach einer kleinen Pause fügte der Festredner hinzu: „Nein, ich bin mir sicher.“ Anschließend sprach Warth von seiner Sehnsucht nach einer „frohlockenden Kirche“ – einer Kirche, die selbst froh ist und gerade deshalb Menschen anlockt. Wer Herausforderungen zuversichtlich angehe, eröffne Räume, in denen Zukunft entstehen könne. Wer dagegen von vornherein erwarte, dass ein Vorhaben ohnehin nicht zu schaffen sei, liefere sich leicht einer selbsterfüllenden Prophezeiung aus. Diese Sätze hallten an dem lauen Abend im Wildbad unter den rund 250 geladenen Gästen lange nach … =>

Hoffnung bleibt – auch wenn Licht ausgeht

Carina Ines Schmidt und Liudmila Schnabel beim GAW-Jubiläum.Sie sah Senioren im Gottesdienst zusammenbrechen. Ihr Kreislauf versagte, da sie zuvor fünf, sechs Kilometer trotz des heißen kubanischen Wetters zu Fuß zur Kirche gekommen waren. Da zog Pfarrerin Liudmila Schnabel eine pragmatische Konsequenz: erst essen, dann beten. So begann sie die Sonntage mit einem soliden Frühstück für die Gläubigen. Beim 175. Jubiläums der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk (GAW) Ende April in Leipzig war sie mit dabei. Denn seit 2024 arbeitet Liudmila Schnabel als Pfarrerin im brandenburgischen Nauen. Sie ist verheiratet mit Dr. Patrick Roger Schnabel, damals Beauftragter für den Kirchlichen Entwicklungsdienst und Menschenrechte im Berliner Missionswerk. Inzwischen wirkt er bei der EKD.  Die Heimat Liudmila Schnabels geriet aktuell erneut in die Schlagzeilen … =>

Vom Basar zur globalen Bewegung

Haberer und Rühl„Nein, nicht einfach abschneiden!“ Nachhaltigkeit war selbst beim Auspacken ihres „Geschenks“ zum 175. Jubiläums der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk (GAW) Ende April in Leipzig wichtig: Die Clowninnen Gertrud und Matilde (alias Elke Markmann und Dr. Luise Metzler) begrüßten mit viel Witz und feinem Gespür für Zwischentöne die rund 130 Frauen und eine Handvoll Männer. Ihr sperriges Paket widersetzte sich zunächst beim Auswickeln hartnäckig allen Bemühungen.  „Wer hat denn das verpackt?“, stöhnte Gertrud. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Die Frauen vom GAW – sie sind gründlich.“ Ein Satz, der zugleich augenzwinkernd und anerkennend gemeint war. Denn dieser scheinbar lockere Auftakt zum Festprogramm verknüpfte hintersinnig Vergangenheit und Gegenwart, Feierlaune und weitere Impulse miteinander. =>

„Gebäudeplanung als Marathon, kein Sprint“

Zerbster Kirchenruine St. NicolaiIn der ehemaligen Lukaskirche im bayerischen Kelheim hallen noch immer Stimmen durch den Raum – aber es sind keine Gebete mehr, sondern Urlaubspläne, Kinderlachen, Gespräche beim Abendessen. Der weite, offene Charakter des Kirchenraums ist geblieben, doch seine Funktion hat sich radikal gewandelt: Aus einem Ort der Andacht ist ein Ferienhaus geworden. Drei Wohnungen sind entstanden, der offene Raumcharakter blieb teilweise erhalten. Gruppen können hier übernachten – unter einem Dach, das einst für Gebet und Predigt gedacht war. Es ist ein Bild, das sich in Deutschland künftig wohl öfter zeigen dürfte. Denn die Kirchen stehen vor einer historischen Herausforderung, da sich die Mitgliederzahlen bis 2060 wohl mindestens halbieren werden. … =>

Neue Ideen für Gotteshäuser statt Abriss

Landesbischof Christian Kopp und Ludwig Schick auf dem Podium bei der Tagung. Fotos: Borée„Wir müssen erst über den Wert von Kirchen sprechen, bevor wir über ihre Verwertung sprechen“, so der ehemalige Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Fachtagung „Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor – Wer und was bestimmt wirklich über die Zukunft der Kirchen?“ Die Zukunft von Kirchen und Gemeinden werde oft in Zahlen diskutiert: sinkende Mitgliederzahlen, steigende Kosten, weniger Geistliche – für Schick zu eng.  Auch der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp gab sich bei den Kirchengebäuden gelassen: „Wir befinden uns in einem Wandel, aber das ist nicht der erste in der Geschichte der Kirche.“ …=>

Beharrlich, besonnen, beherzt

Wolfgang Hagemann (links) im Jahr 2024 mit dem ehemaligen brasilianischen Kirchenpräsidenten Nestor Friedrich„Innerhalb einer Woche ist das zugesagte Geld vor Ort.“ So direkt und schnell zu helfen, das ist Wolfgang Hagemann wichtig. Ob in Brasilien oder in der ukrainischen Hafenstadt Odessa: Der 81-jährige Pfarrer im Un-Ruhestand weiß, wie wichtig eine schnelle Unterstützung ist. Seit 25 Jahren steht er als Vorsitzender an der Spitze des Martin-Luther-Vereins (MLV) in Bayern – als Nachfolger des Pfarrers und Politikers Hans Roser. Geboren 1945, ist Hagemanns Lebensweg eng mit der Kirche und ihrem weltweiten Wirken verbunden. Früh engagierte er sich in der Jugendarbeit. Und bereits seit 1990 wirkt er ehrenamtlich im Hauptausschuss des Martin-Luther-Verein – zunächst als Schatzmeister und zweiter Vorsitzender, bevor er vor 25 Jahren den Vorsitz übernahm. Der MLV ist ein selbstständiges Diasporawerk in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Vorstand, Hauptausschuss, Mitglieder und Förderer engagieren sich weltweit für lutherische Kirchen und Gemeinden in ausgeprägten Minderheitensituationen. =>

Bleiben, obwohl andere gehen

Schülerinnen an der evangelisch-armenischen Schule in Damaskus. Foto: Haaks (GAW)„Gedenke (lateinisch: Reminiscere), Herr, an deine Barmherzigkeit“. So lautet das Motto des zweiten Sonntags in der Passionszeit nach Psalm 25. In diesem Jahr soll insbesondere der Menschen in Syrien gedacht werden: nach 13 Jahren des furchtbaren Bürgerkriegs und ein Jahr nach dem Sturz des Diktators und der Übernahme der Übergangsregierung ist die Unsicherheit nach wie vor sehr groß: Der Blick in die Gegenwart ist ernüchternd. Der gesamte Mittlere Osten ist von tiefgreifenden Krisen gezeichnet. Krieg, Vertreibung, wirtschaftliche Not und gesellschaftlicher Druck haben die christlichen Gemeinschaften massiv geschwächt. In Syrien bekannten sich vor Beginn des Krieges 2011 noch rund elf bis zwölf Prozent der Bevölkerung zum christlichen Glauben. Heute gehen Schätzungen davon aus, dass es kaum mehr als ein bis zwei Prozent sind. Viele sind geflohen. Der Stolz auf die eigene Tradition mischt sich mit Angst vor der Zukunft. =>

Brücken bauen in stürmischen Zeiten

Superintendent Wolfgang Rehner (links) bei der Tagung in Heiligenhof/Bad Kissingen. Foto: Borée„Für 96 Prozent der Bevölkerung ändert sich gar nichts.“ Der Satz des damaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz klang nüchtern. 2019 verlor der Karfreitag in der Alpenrepublik seinen Status als gesetzlicher Feiertag für evangelische Christen: Aus staatlicher Sicht war dies eine rechtliche Anpassung, aus wirtschaftlicher Perspektive eine pragmatische Lösung. Seitdem ist der Karfreitag nur noch ein „persönlicher Feiertag“, an dem sich Menschen zwar frei nehmen dürfen, wenn sie dies mit einem Urlaubstag bezahlen. Also so ähnlich wie der Buß- und Bettag hierzulande – der Wirtschaft geopfert, so der Vorwurf. =>

Trost bleibt, auch wenn das Gedächtnis geht

Zeichnung aus dem Kunstprojekt zu Psalm 23, in der Broschüre „Vertrauen finden im Vertrauten“ zum Demenz-Schwerpunkt der ELKB. Repro: evso„Für mich ist das Trost. Ein echter Trost“, so Landesbischof Christian Kopp zum Psalm 23 in stiller Gewissheit. Und weiter: „Er löst nicht alle Probleme, aber ich spüre die Gewissheit: Ich bin gehalten. In Gottes Hand, in seiner Liebe und der Verbindung mit ihm, die trägt.“ Genau diese Erfahrung von Getragensein steht im Zentrum einer Initiative der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Diakonie Bayern – und sie gewinnt angesichts der alternden Gesellschaft eine neue Dringlichkeit. Denn während das Gedächtnis nachlässt, bleiben vertraute Worte oft erstaunlich präsent. Da erinnern sich Menschen mit Demenz an Psalmen, Gebete und Lieder aus ihrer Kindheit. Der Psalm 23 gehört für viele dazu. Es sind Worte, die tragen, wenn Orientierung schwindet. Kirche ist eine Gemeinschaft, die Menschen hält. Menschen mit Demenz sind trotz des eigenen Gedächtnisverlustes aufgehoben in der Erinnerungsgemeinschaft der Kirche. … =>