Wie soll ich dich empfangen …

Weihnachtsschmuck im Rothenburger Wildbad„Allmächtd, der Thomas ist da.“ In übertriebener Geste breitet der Freund die Arme aus. Was macht das mit dem Begrüßten? Fühlt er sich willkommen? Oder abgestoßen von zu viel Begeisterung? Natürlich war dieser Empfang künstlich! Schließlich gehörte er zu einem Anspiel von verschiedenen Begrüßungsszenen: Mit ihnen sah sich ein Teilnehmer konfrontiert. Von der beschriebenen überströmenden Herzlichkeit bis zu einem genervten Blick auf die Uhr. Am zweiten Adventswochenende fand wieder der „Cursillo“ im Rothenburger Wildbad statt … =>

Rückblick auf eine Epoche des Wandels

Jürgen Zenker, sein Abschied von DiakoneoNein, auch nach diesem Weihnachtsfest kommt für ihn keine Langeweile auf. Davon ist Jürgen Zenker, Vorstand der Dienste für Menschen bei Diakoneo, überzeugt. Zum Jahresende verabschiedet er sich in den Ruhestand. Am 11. Dezember findet seine offizielle Verabschiedung in der Neuendettelsauer Kirche St. Laurentius statt. Fünf Tage später will er alle seine Dienstschlüssel abgegeben haben. Dabei kennt er seit 32 Jahren jedes Schlagloch und jede Baustelle auf der A6 zwischen Nürnberg und Neuendettelsau persönlich. =>

Dunklen Orten keine Chance geben!

Teilnehmende beim Fachtag zur Prävention gegenüber sexualisierte Gewalt, links Regionalbischöfin Dorothea GreinerGibt es dunkle Treppenaufgänge im Gemeindehaus? Wer hat alles noch Schlüssel für die Sakristei, obwohl er oder sie schon längst keine Blumen mehr für den Altar bringt? Haben die Mitarbeitenden transparente und verbindliche Vereinbarungen für den grenzachtenden Umgang der Mitarbeitenden untereinander, die das Verhältnis für Nähe und Distanz regeln? Plötzlich stehen solche Fragen und Dutzende weiterer im Raum. Sie stammen aus einem achtseitigen „Fragebogen zur Risiko- und Potentialanalyse der ELKB 2022“. Jede Kirchengemeinde und jede KITA im ganzen evangelischen Bayern soll dies in den nächsten drei Jahren angehen. Denn es ist Teil des Schutzkonzeptes zur Vorbeugung gegen sexualisierte Gewalt. =>

Neue Chancen für Rouhollah und Luisa

RThomas Raithel von der EJSA Rothenburgouhollah Abbasi kam einfach nicht zu Arbeit. Der angehende Stuckateur bei der Rothenburger Karl Schmidt GmbH hinterließ eine Lücke bei laufenden Bauprojekten – ohne dass jemand in seiner Firma wusste, was mit ihm los war. Nach einer guten Woche stellte sich heraus: Er trauerte um eine Cousine, die in Afghanistan gestorben war.  Es war nicht die einzige depressive Phase Rouhollah Abbasis. Er stammt aus einer afghanischen Familie, die bereits vor seiner Geburt in den Iran geflüchtet war. Auch dort lebten sie mit ungewissem Aufenthaltsstatus. Alle paar Monate mussten sie diesen erneuern.  Mit 21 Jahren gelangte er 2016 allein nach Rothenburg. =>

Paradies voller Albträume

Displaced Person Kinderheim Strüth bei Ansbach„Eines hatten alle gelernt: zu überleben“, erinnert sich Shlomo Arad. Er lebte ab Anfang 1946 im jüdischen Waisenhaus Strüth bei Ansbach. Ansonsten hatten die allermeisten jüdischen Kinder bislang kaum eine Schule besucht. Wie denn auch? Zur Vernichtung waren sie bestimmt. Schließlich war ihre Arbeitskraft gering. Wahrscheinlich war jeder Vierte Ermordete minderjährig – wohl mindestens anderthalb Millionen.  Dennoch überlebten einige Kinder und Jugendliche auf verschlungenen Wegen … =>

Bier und Babysocken stiften Gemeinschaft

Babysöckchen aus Floß für die Täuflinge mit persönlichem Gruß. Foto: PrivatBesonders inspirierende Projekte mit Ehrenamtlichen hatte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Bayern in diesem Jahr ausgezeichnet. Dabei engagieren sich aktuell  140.000 Frauen und Männer ehrenamtlich in den 1.536 evangelischen Kirchengemeinden in Bayern. Sechs Initiativen – aus jedem bayerischen Kirchenkreis eine – erhalten in diesem Jahr den Ehrenamtspreis der bayerischen Landeskirche. Mit dem „Willkommensgruß“, einem Paar selbst gestrickter Babysöckchen, besucht der evangelische Frauenbund Floß im Dekanat Weiden i.d. Opf. frisch Getaufte mit ihren Familien. Gerade für neu Zugezogene kommen durch diesen Besuch erste Kontakte und Begegnungen zustande, hat Christa Riedel vom Vorstand des örtlichen Frauenbundes erfahren. =>

Von der Raumpflegerin zur Leitungskraft

Ausländische Pflegekraft bei der Versorgung im Demenzheim. Foto: Epd/FDer Markt ist wie leergefegt: Pflegekräfte fehlen allerorten – gleich ob in der Kurzzeitpflege, in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Pflegedienste nehmen kaum noch neue Patienten auf. Dabei sind die Pflegekräfte nicht weniger, sondern sogar mehr geworden. Dies teilte das Bayerische Landesamt für Statistik in Fürth mit. Soweit die nüchternen Zahlen, Der Zuwachs ist aber zu wenig, da die Gesellschaft immer älter und pflegebedürftiger wird. Zwar berichten etwa die Rummelsberger: Eine ehemalige Raumpflegerin habe sich etwa in ihren Einrichtungen so fortgebildet, dass sie nun einen großen ambulanten Pflegedienst leitet. Bemerkenswert – doch ein Einzelfall. =>

Beratung als Pflicht – wo bleibt Linderung?

Blumenstrauß in einem Hospiz. Foto: epd/FEs gibt zu wenig Betreuung: In der Pflege sowieso – aber gerade auch für die Begleitung von Menschen am Lebensende. Diese etwas hilflose Erkenntnis stand am Ende des bundesweiten Palliativ-Kongresses, der bis Anfang Oktober in Bremen stattfand. Besonders wichtig war dem 14. Deutschen Kongress der Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) der Austausch zu Vorbeugung gegenüber Suiziden und der Suizidassistenz sowie zu den Herausforderungen bei der Palliativmedizin und Schmerzbehandlung. Sperrige Worte zu einem spannenden Thema. Da geht es um Freiheit von Schmerzen und um Würde. =>

Garten des Vergessens?

Garten des Vergessens, Ausstellung, Jüdisches Museum Fürth, Kurt Heilbronn„Die Arbeit stand bei meinem Vater immer im Vordergrund.“ So erinnert sich der Sohn Kurt Heilbronn. Dabei ist das Lebenswerk des väterlichen Botanikers und Naturwissenschaftlers Alfred Heilbronn (1885–1961) im türkischen Istanbul akut bedroht. Die aktuelle Ausstellung im Fürther Jüdichen Museum Franken in deutscher und türkischer Sprache erinnert an ein Stück vergessener Geschichte, als jüdische Akademiker und Intellektuelle im Nationalsozialismus Zuflucht in der Türkei fanden. Nun soll der Garten abgerissen werden. Die Pflanzen verwildern und vertrocknen, während um die zukünftige Nutzung gerungen wird. =>

„Schulbildung ist nicht verhandelbar“

Jacques Nshimirimana_ora-Kinderhilfe, Anwalt aus BurundiDer Schulbesuch für alle Heranwachsenden: Das ist in Burundi keine Selbstverständlichkeit. 40 Prozent der Erwachsenen können in dem zentralafrikanischen Land weder lesen noch schreiben, sagt Jacques Nshimirimana. In seiner Heimat ist er Kinder- und Menschenrechtsanwalt. Nun war er zu Gast bei dem Hilfswerk ora Kinderhilfe international e. V. Auch die ora Kinderhilfe engagiert sich seit sieben Jahren in Burundi. Sie vermittelt Patenschaften, doch unterstützt die Kinder und ihre Familien nur dann, wenn sie und alle ihre Geschwister zur Schule gehen. Gerade für Mädchen ist der Schulbesuch aber keineswegs ungefährlich … =>