Weltweite und lebenslange Verantwortung

Der erste Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (OERK), Willem A. Vissert Hooft„Die Welt war meine Gemeinde“: Unter diesem Titel erschien die Autobiografie von Willem Adolf Visser ‘t Hooft. Der Niederländer mit dem sperrigen Namen baute den Ökumenischen Rat der Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg mit auf. Bereits seit 1924 wirkte der reformierte Theologe in Genf. Geboren im Jahr 1900 – also so alt wie das 20. Jahrhundert – begleiteten ihn die Zeitläufe dieser bewegten Epoche. Genf blieb der Mittelpunkt seines Wirkens. So konnte er ein inneres Gleichgewicht bewahren. Doch blieb er auch öfter in einer beobachtenden Rolle. =>

Stabwechsel mitten im Wandel

Klaus Buhl, der scheidende Direktor des RPZ HeilsbronnDie „Integration der Medienzentrale ins Religionspädagogische Zentrum“ (RPZ), das war für Klaus Buhl ein wichtiger Meilenstein seines Wirkens dort in Heilsbronn. Seit 30 Jahren wirkte er in der Aus-, Fort- und Weiterbildungseinrichtung der Landeskirche im Bereich Religionspädagogik – davon die letzten zwei Jahrzehnte als Leiter des RPZ. Nun geht der 62-Jährige in den Ruhestand. Sein zweijähriges Enkelkind wartet schon auf ihn. Und ab September eine weitere Enkelin … =>

Gewaltspiralen lassen sich unterbrechen

Gewaltspiralen durchbrechen„Im Sommer 2020 zog eine junge Frau ins Frauenhaus Fürth ein, sie floh vor massiver psychischer und körperlicher Gewalt in unser Haus.“ So berichtet eine Sozialpädagogin aus dieser Einrichtung. Und weiter: „Die junge Frau X. wünschte sich einen Ort der Ruhe und der Zuflucht.“ Im Frauenhaus fand sie diesen Ruhepol. „Die zurückhaltende junge Frau, die – durch die jahrelange Demütigung in ihrer Kindheit und Ehe – nur wenig an sich selbst und ihre Stärken glauben konnte, machte sich, mit Hilfe des Frauenhausnetzwerks, auf ihren ganz eigenen Weg. Sie lernte, durch die gemeinsame Aufarbeitung wieder einen Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und ihren Grenzen zu finden.“ =>

Heilige Unberechenbarkeit verdichtet

Kurt Marti und Dorothee SölleDer Traum vom Entschweben – gerade zu Pfingsten. Kurt Martis „pfingstmorgen“ erinnert mich an die scheinbar naiven Alltagsbilder Marc Chagalls, in denen ganz beiläufig das Wunder der Leichtigkeit aufbricht. Vor hundert Jahren erblickte Kurt Marti das Licht der Welt. Sein Leben ist an sich schnell erzählt: „Brillenträger seit dem fünften Lebensjahr, deshalb Abneigung gegen Gewalt von früh an.“ So beschreibt er selbst seine Kindheit. Dann folgte eine „gradlinige Schulzeit bis zur Matura“, also bis zum Abitur, teils mit Friedrich Dürrenmatt als Mitschüler. =>

Glaube an Kraft der „Stärkeren im Geiste“

Sophie Scholl_Video-Installation an der Wormser KircheEvangelisch getauft, konfirmiert und begraben: religiös anscheinend ein ganz normaler Lebenslauf – auch für Sophie Scholl. Doch mit gerade einmal 20 Jahren rang die junge Studentin um eine tiefere Beziehung zu Gott. Ihr Glauben war grundlegend für ihren Widerstand – doch sprengte er traditionelle kirchliche Formen. Robert M. Zoske hat sich in seiner aktuellen Biographie Sophie Scholls intensiv mit ihrem Seelenleben beschäftigt. Dazu lagen ihm zahlreiche Briefe und Tagebucheinträge Sophie Scholls vor. =>

Hoffnung auf „Leben in Fülle“ trotz Krieg

Mathilde Sabbagh in HassakehGleich am ersten Tag nach ihrer Rückkehr flog eine Rakete auf das Haus in Hassakeh. „Ich habe sie als Erinnerung aufgehoben“, berichtet Mathilde Sabbagh. Sie engagiert sich seit fünf Jahren als erste Pfarrerin dort in den kurdischen Gebieten im Nordosten Syriens. Zu ihrer Nationalen Evangelischen Synode in Syrien und Libanon (NESSL) gehören in Syrien 18 Gemeinden mit rund 10.000 Gemeindegliedern – neben rund 6.000 Gemeindemitgliedern im Libanon. „Die Jugendlichen haben in ihrem Leben fast nichts anderes als Krieg erlebt“, weiß sie. =>

„Anna hat das Leben unendlich bereichert“

Sie wird ungewollt schwanger – und schenkt dann noch einer schwer behinderten Tochter das Leben. Die Münchnerin Anni Stiegler, 1945 geboren, erlebt als junge Frau mit gerade einmal 25 Jahren eine gänzlich unerwartete Herausforderung. Zunächst einmal heiratet sie den zukünftigen Vater ihres Kindes, obwohl sie ihn kaum kennt. Zusammen übernehmen sie die Gaststätte ihrer Eltern im Rheinland. Doch auch er wird seiner Verantwortung gerecht und stellt sich der ungewollten Aufgabe. Er übernimmt den Ausschank der Gaststätte. Bald ist er als Wirt beliebt. Ihr Leben könnte nun in ruhigen Bahnen verlaufen. =>

Prägende Begegnungen des Dichters Paul Celan

Paul Celan, Biografie und GedichteVon deinem Gott war die Rede, ich sprach / gegen ihn, ich / ließ das Herz, das ich hatte, / hoffen: / auf / sein höchstes, umröcheltes, sein / haderndes Wort –.“ Nach einem intensiven Gespräch mit Nelly Sachs, die in Schweden den Holocaust seelisch verwundet überlebt hatte, dichtete Paul Celan dieses 1960.  Theo Buck zitiert diese Sätze in seiner Celan-Biografie zum 100. Geburtstag des Dichters. Am 23. November 1920 erblickte er als Paul Antschel das Licht der Welt – und zwar in Czernowitz in der Bukowina. Er kam aus einer jüdischen, deutschsprachigen Familie. Viele Dichter von Rose Ausländer bis zu Immanuel Weissglas entstammen damals demselben Ort. Bekanntheit erlangte er als Dichter der „Todesfuge“. =>

Lebensbaum zeigt Trauer um Bellette

Symbolbild eines juedischen FriedhofsEr ist unscheinbar und beschädigt – ein Steinpfeiler mit einem kaum mehr erkennbaren Lebensbaum und verwitterten Buchstaben. In der prunkvollen Mainzer Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ mit ihren rund 330 Exponaten aus den fünf Jahrhunderten zwischen Karl dem Großen und den Stauferkaisern, mit ihren Goldschätzen und prachtvollen Liederhandschriften wie dem Codex Manesse fällt es kaum auf. Sicher ist die Landesausstellung am Rhein auch jetzt von den Corona-Beschränkungen betroffen wie so viele kulturelle Ereignisse landauf, landab. Und doch ist die Stele besonders anrührend: die Totenklage um ein 13-jähriges Mädchen. =>

Dichter zwischen den Zeiten

Direkt an „seiner“ Straße liegt die Volkshochschule Ansbach. Zufall? Dem Dichter Johann Peter Uz lag die Bildung ganz besonders am Herzen. Vor genau 300 Jahren, am 3. Oktober 1720, erblickte er das Licht der Welt.  Wie viele andere Denker seiner Epoche beeindruckte auch Uz das Erdbeben von Lissabon am 1. November 1755 tief. Warum kann ein allmächtiger und gütiger Gott ein so gewaltiges Unglück wie das Erdbeben von Lissabon zulassen? Warum überdies zu Allerheiligen? Und wieso waren gerade Kirchen dem Beben zum Opfer gefallen, aber das Rotlichtviertel verschont geblieben? Gelehrte wie Voltaire, Kant und Lessing diskutierten diese Fragen. Auch Johann Peter Uz gestaltete seine poetische „Theodicee“. =>