Flammenengel stürzt ins Dunkel und Chaos

Marc Chagall: Engelsturz, Schirn-Kunsthalle Frankfurt am Main, aus Basel als Leihgabe zur Verfügung gestelltDer sprichwörtliche Maler der Leichtigkeit malte auch in düsteren Farben. Das zeigt gerade die Frankfurter Schirn-Kunsthalle am Römerberg mit einer aktuellen Chagall-Ausstellung unter dem Titel „Welt in Aufruhr“. Sie macht anschaulich, wie auch düstere Schaffensphasen das Werk dieses langlebigen Künstlers (1887–1985) prägten.„Chagalls Arbeiten der 1930er- und 1940er-Jahre sind stark beeinflusst von den politischen Entwicklungen in Europa und seiner eigenen Lebnserfahrungen. So soll in diesem Jahr zum Holocaust-Gedenktag an sein Werk und die Ausstellung erinnert sein. Er identifizierte sich mit den Ermordeten. Zugleich setzte er sich mit Jesus als Repräsentant des leidenden Volkes Gottes auseinander. =>

Kampf gegen Chaosmächte

Psalter aus St.Blasien in der Habsburger-Ausstellung. Foto: Museum im Benediktinerstift Stift St. Paul,Gerfried SitarKonnte das sein, die Auferstehung eines Herrschers? Der erste regierende Habsburger Rudolf I. erhielt 1284 eine irritierende Nachricht: Kaiser Friedrich II. lud ihm zu einem Hoftag nach Frankfurt ein, um ihn dort als Mitregent mit dem deutschen Königtum zu belehnen. So beschreibt es Alexander Schubert im Katalog der aktuellen Habsburger-Ausstellung in Speyer über dieses Herrscherhaus. Über die Ausstellung hinaus zeigen sich spannende Aspekte der Herrschaftssicherung über die Zeiten hinweg als Kampf gegen Chaosmächte. Denn der Stauferkaiser Friedrich II. war schon 1250 verstorben … =>

Hebamme und Hexe, Handwerk und Handel

Hebammenkoffer als Beispiel medizinischer EntwicklungslinienSie machte etwas her: eine kunstvoll gestaltete Armprothese aus dem Jahr 1716: Als sogenannte Sonntagshand, deren Gelenke beweglich und einzeln feststellbar sind, war sie mechanisch und handwerklich auf der Höhe ihrer Zeit.  Die Heiler waren auch früher nicht von gestern. Sie nutzten die Neuerungen ihrer Zeit zur Heilung und um ihre Kompetenzen gebührend zu zeigen.  Immer alles im Griff und mit dabei hatte die Hebamme Elise Dudek. Reich gefüllt war ihr Hebammenkoffer. Auch auf der Flucht im Jahr 1945 konnte sie so bei Geburten helfen. Sie benötigte wohl keine verkaufsfördernde Schau. =>

… kommt mit seinen Gaben: und viel Abfall

Verpackung von GeschenkenGeschenke auspacken macht nicht nur Kindern großen Spaß und gehört auch für die allermeisten Erwachsenen zu Weihnachten dazu. Leider landen Geschenkverpackungen aber häufig direkt nach der Bescherung im Müll. Das ist nicht nur schade, sondern sogar schädlich! Als Kind hatte ich noch zu lernen, die Geschenke möglichst sorgfältig auszupacken, um das Papier ja nicht zu beschädigen: Es sollte ja wiederverwertbar fürs nächste Jahr sein. … =>

Wurzeln des Weihnachtsfestes

Weihnachsausstellung im Nürnberger BibelmuseumWo und wann erblickte Jesus das Licht der Welt? Können wir uns eine Weihnachtskrippe heute ohne Stall kaum noch vorstellen, so steht dennoch davon nichts in der Bibel: Lukas erwähnt die Futterkrippe, in die Maria den Neugeborenen legte. Tiere waren wohl nicht dabei. Ochs und Esel stammen wohl aus der Klage des Propheten: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn: aber Israel kennt‘s nicht“ (Jesaja 1, 3). Damit beginnt die Weihnachtsausstellung des Nürnberger Bibelmuseums. Sie wirft einen Blick auf die Entstehung und Geschichte des Weihnachtsfestes. Sie zeigt weiter, welche Wurzeln die Traditionen des Weihnachtsfestes beeinflussten … =>

„Die schönsten Kirchen“ als Glaubensraum

Herausgeber_und_Autoren_Autorinnen des Tagungsbandes_Markgrafenkirchen_Bayreuth„Die schönsten Kirchen der bayerischen Landeskirche“ könne Dorothea Greiner in Oberfranken genießen: Das gab ihr vor elf Jahren Hartmut Böttcher, damals Oberkirchenrat und Verantwortlicher für das Bauwesen der Kirchengemeinden, mit auf den Weg. Dieser Impuls bei ihrer Amtseinführung entwickelte sich zu einem Ansporn für die Regionalbischöfin, die Gotteshäuser näher zu betrachten. Und ihre Symbolik allgemein nachvollziehbar zu machen. Denn die Markgrafenkirchen sind nicht nur besonders farbenprächtig und gleichzeitig aufwendig im Unterhalt, sondern ein Spiegel ihrer Epoche: Als „Resonanzraum der barocken Predigt“ sieht Klaus Raschzok sie. Nun sind sie auch von mehreren wissenschaftlichen Perspektiven aus gründlich in den Blick genommen worden. =>

Verstrickungen sprengen Generationen

Leila Slimani und Isabel Allende NeuerscheinungenSehnsucht nach Unabhängigkeit – die französisch-marokkanische Bestsellerautorin Leila Slimani erzählt im zweiten Teil ihres vielstimmigen Familienepos von Aufbruch und Scheitern im postkolonialen Marokko um das Jahr 1968. So erzählt Leila Slimani in ihrem vielschichtigen Familien-Epos vom Streben nach Freiheit und vom Scheitern. Wie entsteht Wirklichkeit und Wahrheit? Der Wandlungsprozess der Geschäftsfrau Violeta in Isabel Allendes neuem Roman  hin zu einer engagierten Kämpferin, die sich offen an die Seite von Angehörigen Verfolgter stellt und eine Frauenorganisation gründet, bleibt schematisch. Violetas Briefe erscheinen als Monologe – gerade im Vergleich zu den vielen Stimmen um Aicha, die zeigen, wie Wahrheit von der jeweiligen Wahrnehmung der Betroffenen abhängt. =>

Grenzüberschreitende Perspektiven

Thomas Greif vom Rummelsberger Diakoniemuseum und einer der Organisatoren der Vernetzung. Foto: BoréeSeit Jahrhunderten stellten Menschen ihre Religion über ihre Heimat. Andere Regionen und Städte nahmen sie auf. Zehn evangelische Museen in Europa aus Bayern, Österreich, Frankreich, Ungarn, Slowenien, Rumänien und ein Museum in den USA gehen Migrationsgeschichten im Zusammenhang mit dem Protestantismus nach. Erste Arbeitsergebnisse stellten sie bei einer Tagung Mitte Oktober in Neuendettelsau in enger Zusammenarbeit mit Mission EineWelt vor. Die Tagung organisierten Carina Harbeuther von „Bildung evangelisch in Europa“ in Erlangen sowie Thomas Greif, der Leiter des Rummelsberger Diakoniemuseums. Die protestantische Perspektive „ist nicht engstirnig, sondern hat eine besondere Weite“, erklärte er das Anliegen der Vernetzung. Denn es erfordere Verknüpfungen über Grenzen hinweg. =>

Geistreiche und eigenwillige Übertragung

Darstellung vieler Worterfindungen Luthers in Wittenberg. Foto: ThiedeMartin Luther ist schuld. Auch an der manchmal verzwickten Großschreibung im Deutschen. Er führte es nämlich in seiner Bibelübersetzung ein, Hauptwörter groß zu schreiben – auch wenn sie sich nicht mehr am Satzanfang befanden. Allerdings verstand er darunter ‚wichtige Wörter‘ – es konnten auch Adjektive und Verben sein, die er besonders betonen wollte. Luther übersetzte das Neue Testament extrem schnell auf der Wartburg: Am 18. Dezember 1521 begann er. Und bei seiner Rückkehr nach Wittenberg Anfang März 1522 trug er bereits einen Entwurf der Übersetzung mit sich. Auf der Wartburg hatte er die Vulgata – die lateinische Bibelübersetzung – zur Hand, die noch auf den Kirchenlehrer Hieronymos Ende des 4. Jahrhunderts zurückgeht. Die Humanisten seiner Zeit hatten sich aber inzwischen wieder intensiv um den griechischen Urtext des Neuen Testamentes bemüht. … =>

Verstrickung oder gar Schuld?

Kunstvilla-Leiterin Andrea Dippel erklärt vor dem Webteppich „Begegnung“ (1937) von Irma Goecke die Ideen zur Ausstellung „Grauzonen“Um Anerkennung kämpfte sie mit allen Mitteln: Irma Goecke (1895–1976) lebte für die Kunst. Als Frau und wegen ihrer teils französisch-belgischen Herkunft hatte sie es nach 1918 und besonders nach 1933 doppelt schwer Fuß zu fassen. Irma Goecke wich in die Textilkunst aus (Bild oben). Sie sprengte als aktive Künstlerin das Frauenbild der Nazis. Dabei war sie von 1941 bis 1966 künstlerische Leiterin der Nürnberger Gobelin-Manufaktur.  andelten Irma Goecke und ihre Weggefährten verantwortungslos? Viele von ihnen hatten davon profitiert, dass für Förderung und Ankauf ihrer Werke Platz frei geworden war.  =>