Gewaltspiralen lassen sich unterbrechen

Gewaltspiralen durchbrechen„Im Sommer 2020 zog eine junge Frau ins Frauenhaus Fürth ein, sie floh vor massiver psychischer und körperlicher Gewalt in unser Haus.“ So berichtet eine Sozialpädagogin aus dieser Einrichtung. Und weiter: „Die junge Frau X. wünschte sich einen Ort der Ruhe und der Zuflucht.“ Im Frauenhaus fand sie diesen Ruhepol. „Die zurückhaltende junge Frau, die – durch die jahrelange Demütigung in ihrer Kindheit und Ehe – nur wenig an sich selbst und ihre Stärken glauben konnte, machte sich, mit Hilfe des Frauenhausnetzwerks, auf ihren ganz eigenen Weg. Sie lernte, durch die gemeinsame Aufarbeitung wieder einen Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und ihren Grenzen zu finden.“ =>

Editorial: Schutz und Schirm des Sommers

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernFast eine Stunde lang saß ich unter dem grünen Blätterdach einer Kastanie – mitten im Regen gut beschirmt und in aller Gemütlichkeit. Erst ganz allmählich drangen die Tropfen zu mir durch die Blätter, die mich mit ihren „Fingern“ wie Hände von oben beschützten. Auch dies war endlich ein Lohn des Sommers, auf den wir dieses Jahr länger als gewohnt warten mussten. Dafür ließ er sich nun umso intensiver erleben. Spät waren Blätter und Blüten hervorgebrochen. Doch nun erhoben sich stolz die Blütenkerzen der Kastanie gen Himmel. Majestätisch ziehen sie von ferne die Blicke auf sich. Aus der Nähe erscheinen sie feingliedrig und verletzlich. In den Wochen davor hätte ich so gern immer mal wieder an diesen Blüten und dem Laub ein wenig ziehen mögen – auf dass es ein wenig schneller sprießen könnte. =>

Heilige Unberechenbarkeit verdichtet

Kurt Marti und Dorothee SölleDer Traum vom Entschweben – gerade zu Pfingsten. Kurt Martis „pfingstmorgen“ erinnert mich an die scheinbar naiven Alltagsbilder Marc Chagalls, in denen ganz beiläufig das Wunder der Leichtigkeit aufbricht. Vor hundert Jahren erblickte Kurt Marti das Licht der Welt. Sein Leben ist an sich schnell erzählt: „Brillenträger seit dem fünften Lebensjahr, deshalb Abneigung gegen Gewalt von früh an.“ So beschreibt er selbst seine Kindheit. Dann folgte eine „gradlinige Schulzeit bis zur Matura“, also bis zum Abitur, teils mit Friedrich Dürrenmatt als Mitschüler. =>

Verschwundener Abt und Sternenkinder

Ausgrabung im Kloster Michelfeld, In Terra VeritasWo liegt der Abt des Klosters Michelfeld in der Oberpfalz begraben? Weder in der Klosterkirche noch im Kreuzgang – das wollte Friedrich Trautenberg ausdrücklich nicht. Von 1494 bis 1511 leitete er das Kloster. Er wählte einen ungewöhnlichen Ort für seine letzte Ruhe – das Treppenhaus im Getreidespeicher.  Ein Grabungsteam der archäologischen Grabungsfirma „In Terra Veritas (itv)“ mit Sitz in Bamberg mit dem Archäologen Robert Karl ist seit Ende April vor Ort. Das Landesamt für Denkmalpflege vergibt solche und ähnliche Aufträge an sie oder weitere archäologische Privatfirmen. =>

Glaube an Kraft der „Stärkeren im Geiste“

Sophie Scholl_Video-Installation an der Wormser KircheEvangelisch getauft, konfirmiert und begraben: religiös anscheinend ein ganz normaler Lebenslauf – auch für Sophie Scholl. Doch mit gerade einmal 20 Jahren rang die junge Studentin um eine tiefere Beziehung zu Gott. Ihr Glauben war grundlegend für ihren Widerstand – doch sprengte er traditionelle kirchliche Formen. Robert M. Zoske hat sich in seiner aktuellen Biographie Sophie Scholls intensiv mit ihrem Seelenleben beschäftigt. Dazu lagen ihm zahlreiche Briefe und Tagebucheinträge Sophie Scholls vor. =>

Gott lässt sich nicht besitzen, aber erfahren

Homolka und Khorchide: Umdenken!Der Untertitel hat es in sich: „Wie Islam und Judentum unsere Gesellschaft besser machen“: Sind nicht gerade Muslime eine besondere Bedrohung für das christliche Abendland – und zwar schon seit 500 Jahren, seitdem die Türken vor Wien standen? Genau mit diesem historischen Ereignis beginnen die beiden Autoren ihren Überblick. In einem ganz besonderen Dialog entstand dies Buch: Rabbiner Walter Homolka und Mouhanad Khorchide, der in Münster zukünftige islamische Religionslehrende ausbildet, haben es zusammen verfasst. Gerade die Tatsache, dass zwei Theologen dieser beiden Religionen solch ein Buch zusammen verfasst haben, macht es bemerkenswert. =>

Editorial: Ermutigung gegen Härte der Hoffnungslosen

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern„Du, lass dich nicht verhärten / In dieser harten Zeit. / Die allzu hart sind, brechen / Die allzu spitz sind, stechen / Und brechen ab sogleich.“ Aus einer ganz anderen Epoche scheinen diese Zeilen der „Ermutigung“ Wolf Biermanns zu stammen. 55 Jahre sind sie alt. Was gehen sie uns an? Leben wir nicht ebenfalls gerade in einer besonders rauen Zeit? Die Pandemie erscheint immer bedrohlicher als „ein Schrecken ohne Ende“. Die Zahl der Corona-Opfer steigt in der dritten Welle mehr und mehr. Auf der anderen Seite die Armut gerade bei den Schwachen.  =>

Corona als „Brandbeschleuniger“ für Neues

Digitale Gottesdienste aufgrund der Corona-KriseViel Digitales, wenig Analoges, manchmal etwas Hybrides – so lässt sich das vergangene Corona-Jahr in vielen Kirchengemeinden gut zusammenfassen. Dass in der „Zwangs- Digitalisierung“ auch Chancen für die Kirchen liegen, zeigen die ersten Ergebnisse der CONTOC-Studie („Churches Online in Times of Corona“), die nun bei einer Online-Tagung vor gut 200 Interessierten vorgestellt wurden. Federführend mit daran beteiligt ist die Würzburger Religionspädagogik-Professorin Ilona Nord: Die Studie sei „von kirchenhistorischer Bedeutung“, sagte sie – mit weiter internationaler Beteiligung sowie einem breiten ökumenischen Ansatz. =>

Entblättertes Schmuckstück

Renovierung der Judengasse 10/12 i Rothenburgie alten Steine sind gut abgeklopft und sorgfältig gestapelt. Selbst der alte Lehm, mit Jahrhunderte altem Stroh gemischt, ist ein Rohstoff für die Zukunft. Bei der Renovierung des Doppelhauses in der Rothenburger Judengasse 10/12 sind die alten Gebäude entblättert wie eine Zwiebel. Die Wände sind teils in mehreren Schichten abgetragen. So erlauben sie ganz unerwartete Einblicke in die Entstehungszeit vor gut 600 Jahren.  Denn um 1410 erblickte das Doppelhaus das Licht der Welt. Diese in sich geschlossene Bauweise zeigt sich schon daran, dass die Nummerierung der Sparren fortlaufend erfolgte. Dies ist gerade beim aktuellen Stand der Renovierungsarbeiten gut zu sehen. =>

Christliche Lebenskunst köstlich zubereitet

Wildbad Rothenburg bietet Nachhalitigkeit„Fair-Trade Kaffee ist ja gut und schön – aber wäre nicht anderes noch wichtiger?“ Solche Reaktionen hat Stephan Michels durchaus beobachtet, als die ersten Diskussionen im Rothenburger Wildbad über eine neue verantwortliche Ausrichtung aufflammten. Er ist wirtschaftlicher und stellvertretender Leiter vor Ort. Seit 2014 ist Nachhaltigkeit und ökologisches Wirtschaften im Rothenburger Wildbad ein Thema, das ganz Groß geschrieben wird – auch jenseits der Anforderungen des „Grünen Gockels“. Das Thema brannte vor allem den Mitarbeitenden in Küche und Service auf den Nägeln, berichtet Stephan Michels. Sie holten sich Vertreter oder Vertreterinnen aus allen Abteilungen dazu. =>