Gottes Tun – erweckt mir alle Sinnen

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernWarum bis zum Ende durchhalten? Bis zur 12. Strophe schaffen es nur wenige Chöre und Gemeinden. „Doch gleichwohl will ich, weil ich noch / hier trage dieses Leibes Joch, / auch nicht gar stille schweigen.“ So beginnt eine der unbekannteren Strophen von Paul Gerhardts Sommerlied „Geh‘ aus mein Herz und suche Freud“. Da sind die ersten Verse viel sinnenfroher. Sie schildern das Ergrünen der Natur und die Antwort aller Geschöpfe darauf. Doch beginnt nun die Klage eines Menschen, der wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg vom Leidens-„Joch“ geprägt erscheint? =>

Gesänge vom Verlust des Garten Eden

Buchcover Afrikanische Literatur, Literaturnobelpreisträger GurnahZu fernen Horizonten bricht die Karawane auf – unter lauten Klängen von Trommeln und Hörnern. Von der Küste Ostafrikas reist sie ins Landesinnere zu den großen Seen: Es ist allerdings keine Reise in die Welt von Tausendundeiner Nacht – auch keine Entdeckungsfahrt: Arabisch geprägte Händler bringen den Kiswahili-Völkern und den Massai eiserne Spaten und Baumwollstoffe – zum eigenen Profit. Mit dabei: der heranwachsende Yusuf, von seinen Eltern zur Bezahlung ihrer Schulden an einen arabischen Händler übergeben. Wie er in dieser Welt seinen eigenen Rhythmus findet, das erzählt Abdulrazak Gurnah, Literaturnobelpreisträger von 2021, mit poetischer Kraft. In einer breit aufgefächerten Ballade besingt er in „Das Verlorene Paradies“ eine Welt im Umbruch. =>

Kirche durchdrang die Welt – und befreite

Sandrat: Allegorie auf den Westfälischen Frieden. Bild: akg (Detail)War es der große Sündenfall des Christentums, sich zu sehr auf die Staatsmächte zu verlassen? Wurden die christlichen Kirchen dadurch zu kleinen Kindern, die eher unter Aufsicht der weltlichen Herrn als himmlischer Gewalten spielten? Dies begann vor 1.700 Jahren, als Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhob. Und vor 500 Jahren verließ sich Luther auf seinen Landesfürsten Friedrich den Weisen als Schutzherrn. „Bei der Bewertung von zwei Jahrtausenden Christentum im lateinischen Europa führt es aber in die Irre“ sich dieser Kritik anzuschließen, so Heinz Schilling gleich zu Beginn seines Werkes „Das Christentum und die Entstehung des modernen Europa“. =>

Auf der Wüstenwanderung

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernEinfach aufstehen und die dürren Zeiten des Lebens zu überwinden – ist das überhaupt möglich? Belasten uns nicht viel zu sehr die Vergangenheit oder die düsteren Ängste vor der Zukunft? Wie das Volk Israel scheinen wir in einer endlosen Wüste unterwegs zu sein. So gern will ich zurück zu den „Fleischtöpfen Ägyptens“, als der weitere Lebensweg gesichert schien. Als ich genau wusste, wo ich im nächsten Jahr sein werde und dass in drei Jahren zum Ostermahl wieder der Lammtopf auf den Tisch kommt. Stattdessen gibt es klebriges Manna zum Frühstück und zum Abendbrot. =>

„Wir machen alles, was möglich ist!“

In Charkiw nach den Luftangriffen. Fotos: Nikita Zhadan

Immer noch finden Gottesdienste statt. Soweit es irgendwie möglich und nicht zu gefährlich ist, kommen Menschen unter Gottes Wort zusammen. Das berichtete Bischof Pavlo Shvartz von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU), der mit dem Gustav-Adolf-Werk (GAW) in Kontakt bleibt. Er schränkte aber auch ein: „Dort, wo Kirchen als Notunterkunftszentren gebraucht werden, verzichten wir auf die gewohnten Gottesdienste.“ Dann fänden vor allem online Treffen statt. Er selbst hätte leider seit Kriegsbeginn bis auf ein kurzes Gebet keinen Gottesdienst mehr halten können. Denn seine Hauptaufgabe bestehe nun darin, Hilfsgüter für seine Heimatstadt Chirkow zu organisieren. =>

Bewegende Hilfeleistungen

Nürnberg Oberbürgermeister Marcus König Heilig-Geist-Haus, Begrüßung ukrainischer FlüchtlingeSie stiegen einfach in den Bus. Eigentlich wollte sich eine Familie in Odessa nur über die Explosionen informieren, die sie in der Nähe gehört hatten. Das war direkt am ersten Kriegstag. Stattdessen trafen sie auf einen Transport, der Moldawier in ihre Heimat westlich der Ukraine brachte. Sie konnten noch mitfahren. Ein Wink des Schicksals? Ohne Gepäck mussten sie sich sofort entscheiden … =>

Hoffnung auf ein Ende der Angst

Friedensgebet in der Minsker Kathedrale bedroht von SicherheitskräftenDas Beispiel der kirchlichen Friedensarbeit in der DDR „ist für uns besonders inspirierend. Es zeigt uns, dass friedliche Proteste keine Sache von großen Leuten und nicht vergeblich“ sind. So die Theologin und Juristin Natallia Vasilevich. In Deutschland engagiert sie sich als Direktorin des Zentrums „Ökumene“ im Koordinationsrat von Belarus. Und sie arbeitete mit der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zusammen. „Auch wir stehen unter Besatzung“, so Vasilevichs Mitstreiterin Anna Nötzel im Videogespräch mit dem Evangelischen Sonntagsblatt. =>

Editorial: „Mich verstecken, bis alles vorbei ist“

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern„Tante Sveta, kannst du mich bitte in einem Schächtelchen verstecken und mich erst wieder auspacken, wenn alles vorbei sein wird?“ Von dieser Bitte eines vierjährigen ukrainischen Mädchens berichtete Sabine Arnold von der Aussiedler-Arbeit der SinN-Stiftung des Dekanats Nürnberg. Da hockte die Vierjährige zusammen mit zwei anderen Kindern und den Erwachsenen bereits den dritten Tag in einem Charkiver Keller, um sich vor den Luftangriffen zu schützen. Wer wünscht das nicht in den vergangenen Tagen: Erst wieder aufwachen, wenn dies alles vorbei ist? Welch ein verlockender Gedanke! Wenn wir ihn hier bei uns schon so erleichternd finden, wie viel mehr die Menschen vor Ort in der Ukraine, über die dieser Alptraum gekommen ist! =>

Mit den Augen lächeln

KlinikClowns_Dr_Würschtl im Gespräch„Wir sind das ganze Jahr über lustig“ – längst nicht nur zur Faschingszeit. Das ist „Dr. Würschtl“ (Foto), alias Charlotte Liepelt wichtig. Seit gut zwei Jahrzehnten ist sie bei den KlinikClowns mit dabei. Egal, ob im Winter, vor Ostern oder im Novembernebel – keine Jahreszeit hält sie davon ab, sich die rote Nase aufzusetzen. Auch der Corona-Zeit setzte sie viele Ideen entgegen. Regelmäßig seit 24 Jahren sind mehr als 60 KlinikClowns gerade in Seniorenheimen oder Kinderkliniken auf Visite. Ihre Fähigkeit zu unmittelbarer Begegnung und Ansprache verbreitet heilsame Lebensfreude. =>

Achtung Nebenwirkungen! Einwurf zur Impfdebatte

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern„Ja, der Impfstoff kann Nebenwirkungen haben“, so tönt es auf Französisch von den Plakatwänden in unserem Nachbarland. Großformatig ist da ein Paar zu sehen, das sich innig küsst. Dazu steht: „Mit jeder Impfung geht das Leben weiter – lassen Sie uns impfen.“ Das hat Format! Und das nicht nur zum Valentinstag. Es lässt sich gar nicht mit der deutschen Impfkampagne vergleichen. Als ich von den entsprechenden Vorschlägen der Bundesregierung hörte, war mir eher zum Heulen zumute. Doch wie kann für uns gewissenhaftes Leben weitergehen? =>