Hoffnung auf die zunehmende Kraft der Sonne

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernEs wird wieder heller. Inzwischen ist es schon deutlich spürbar: Wenn ich abends aus der Redaktion komme, ist es oft noch draußen hell oder wenigstens dämmrig. Kein Wunder, Maria Lichtmess ist da – 40 Tage nach Heiligabend.  Ein neues Produktionsjahr begann an diesem Datum gerade für Mägde und Knechte, die sich neu verdingen konnten oder weiter beschäftigt wurden. Nun begaben sie sich aus der Spinnstube nach draußen, um den Acker für die neue Aussaat vorzubereiten. Nächste Woche feiern wir Fasching und den Valentinstag ausgerechnet am Aschermittwoch – und dann steht auch schon die Passionszeit in den Startlöchern – und mit ihr hoffentlich der Vorfrühling. =>

Zerfall aller Wahrheiten?

Richard David Precht Ende 2023. Foto: paNein, einen Gefallen hat er sich sicherlich nicht getan – durch seine unsäglichen Thesen in Talkshows oder Podcasts war Richard David Precht öfter durch flache oder – besser – sehr steile Sätze aufgefallen, die bedenkliche Klischees verfestigten. Wollte er als ohnehin einer der bekanntesten Philosophie-Dozenten in Deutschland damit für seinen neuen Band der Philosophiegeschichte „Mache die Welt“ mehr Aufmerksamkeit erreichen? Dann ist sein Vorhaben gründlich schief gegangen: Menschen, die ihn vielleicht durch seine Auftritte erst wahrgenommen haben, werden eher nicht zu diesem Werk greifen. Andere sind abgeschreckt. Mir selbst ist mit diesem Buch im Urlaub viel Unverständnis begegnet nach dem Motto: „Von ihm liest du noch etwas?“ =>

Aufbruch aus dem Schneckenhaus

Gewinnen die ausgestreckten Fühler einen neuen Überblick? Wohin zieht es sie? Foto: pixabay„Als wenn mein Gehirn überflutet ist“, so empfindet es Anna (Name geändert, sie ist aber der Redaktion bekannt). Dann strömen zu viele Reize auf sie ein oder sie ist von den Reaktionen ihrer Umwelt überfordert. Seit kurzem hat die Mitfünfzigerin einen Namen für das, was da in ihr geschieht. Denn zufällig hatte sie einen Beitrag des Fernsehsenders Arte verfolgt. Darin ging es um Krankheiten, die bei Frauen unterschätzt sind, da sie ganz andere Symptome zeigen als bei Männern. Beim Herzinfarkt etwa. Anna aber ging es um etwas anderes: In dem Bericht kam eine Frau zu Wort, die sich gegen Depressionen und Burn-out behandeln ließ – erfolglos. Nach langen Jahren kam heraus, dass dies auch kein Wunder war, schließlich lag der Grund ihrer Erschöpfungszustände ganz woanders: ADHS. =>

Sesshaftes Leben als Schritt in die Zukunft?

Diese durchbohrten Zähne trugen Bandkeramiker bei Schweinfurt wohl als Schmuck. Foto: BoréeSie fühlten sich in Franken wohl. Und das schon vor rund 7.500 Jahren: Die Linearbandkeramiker siedelten damals schon am Main rund um Würzburg. Die fruchtbaren Lössböden und das milde Klima sagten ihnen besonders zu. Sie waren die allerersten Menschen mit festem Wohnsitz in unserer Region. Schon damals betrieben sie Ackerbau und Viehzucht. Daneben konnten sie Stoffe auf ersten Webstühlen fertigen und besaßen erste Töpferwaren mit den linearen Ritzverzierungen und Bändermustern, nach denen sie benannt sind. Sie besaßen praktisch schon das volle Programm späterer landwirtschaftlicher Kulturen. Nur Metallwerkzeuge fehlten – schließlich bewegen wir uns noch in der Jungsteinzeit. =>

Zuversicht auch in „tiefer Not“

Klug‘sches Gesangbuch mit dem Lutherlied „Ein feste Burg“. Foto: ThiedeEs stand ganz am Anfang der evangelischen Kirchenlieder: Martin Luther schrieb und komponierte das Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“ bereits zur Jahreswende 1523/24. Damit war es das Werk einer Umbruchzeit und erschien in dem ersten Wittenberger Druck: 32 Chorgesänge stellte der Reformator 1524 in vierstimmiger Fassung vor. Dies Werk folgte bald auf die allererste Nürnberger Sammlung, dem „Achtliederdruck“. In den frühen Veröffentlichungen waren dem Lied „Aus tiefer Not“ unterschiedliche Melodien zugeordnet. Durchgesetzt hat sich die von Luther selbst geschaffene äußerst bildhafte Form. Gleich zu Beginn fällt sie von einem H in einer Quinte hinunter auf den tiefen Ton der Melodie, auf das tiefe E. Sie schwingt sich dann hoch hinauf zum D wie „Deus“ – so übliche Deutungen. =>

Das Dunkel erhellt

Heiko Schulz: Wildbad Tagung zur TheodizeeWie kann Gott das Dunkel zulassen? Wieso will er sogar dort „wohnen“, wie Jochen Klepper in seinem bekannten Adventslied dichtete, – „und hat es doch erhellt“? Nur Menschen können nach den Gründen für das Leiden suchen, so Heiko Schulz. Auch Tiere empfinden sicher Schmerz, können es aber wohl nicht als Leid und Übel erfahren. Diese Deutung sei allein menschlich. Der Frankfurter Theologieprofessor hielt bei der Wildbad-Tagung „Ratlos vor dem Bösen?“ der Reihe „Weltanschauungen im Gespräch“ den abschlie­ßenden Vortrag zum „Bösen aus christlicher Perspektive“. Damit betrat er den Boden der „Theodizee“, also das Nachdenken über Gottes Gerechtigkeit. Ist Gott entweder nicht uneingeschränkt gut oder allmächtig, wenn er sündhaftes Tun der Menschen und andererseits ungerechtes Leiden zulässt? =>

Strahlen durchdringen Himmel

Lyonel Feininger: Ausstellung in der Kunsthalle SchirnSterne überstrahlen die „Kathedrale“. Starke, expressive Formensprache geht mit einer neuen Sachlichkeit eine wirkungsvolle Verbindung ein. Diese Grafik des Titelblattes „trug wesentlich zur Wirkung der ersten Programmschrift des neu gegründeten Bauhauses bei“, so Ute Ackermann in ihrem Aufsatz im Katalog der aktuellen Werkschau Lyonel Feiningers, „und generierte eine enorme Anziehungskraft für die Schule“. Kathedrale und Bauhütte als bis heute gültige Symbole für das Bauhaus-Programm scheinen durch Feiningers Motivwahl einer Sakralarchitektur adäquat repräsentiert zu sein. Darüber weisen drei Sterne in fast adventlicher Ausdruckskraft den Weg und berühren den Himmel. =>

Warmes Essen für Menschen ohne Wohnung

Wärmestube Diakonie AnsbachSie wissen nie, wie viele Gäste kommen – wenn sie kochen. „Zwischen 16 und 30 Menschen“, schätzen Gerlinde Nehr und Anneliese Sörgel. Die beiden Ehrenamtlichen sind regelmäßig fast wöchentlich in der Wärmestube der Ansbacher Diakonie e. V. zu finden. Sie kochen wechselweise in einem Team von rund acht Aktiven dort dreimal die Woche ein warmes Mittagessen. Ihre Gäste sind Menschen aus schwierigen Wohnverhältnissen oder aus temporären Herbergen. Die Räumlichkeiten des Diakonischen Werkes liegen zentral in der Karolinenstraße, nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. =>

Sehnsucht nach Heimat trotz aller Verstrickungen

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernEin „Gast auf Erden“ zu sein – dieses Motiv beschäftigte nicht nur Paul Gerhardt in seinem bekannten Kirchenlied. Nein, es zieht sich durch viele neutestamentliche Texte: Die wahre Heimat der Christen findet sich im Himmel. In der Welt sind sie Fremde wie Abraham, der mitsamt seinem Gefolge von Gott aus seiner alten Heimat herausgerufen worden war – um ins Verheißene Land zu ziehen. Vielleicht ließe sich unsere Lebenssituation aber weder als Wanderung Abrahams aus Ur noch mit dem Aufbruch Israels aus Ägypten beschreiben: Vielleicht – welch ketzerischer Gedanke – sind wir wie der umherirrende Kain. Auch zu ihm und Ahasver gibt es in dem Migrations-Band einen Aufsatz – allerdings mit anderer Zielsetzung. Doch setzte sich diese Verknüpfung beim Blick in das Inhaltsverzeichnis in mir fest. =>

„Grundgesetz der Menschheit“ – für alle?

Die UN-Vollversammlung bei der Verabschiedung der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Detail). Foto: paAuch Mahatma Gandhi sandte Vorschläge an die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, die ab Anfang 1947 tagte. Bei dieser epochalen Aufgabe führte Eleanor Roosevelt, die Witwe des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, den Vorsitz: Ihre Kommission sollte die erste international gültige Menschenrechts-Erklärung erarbeiten. Nach dem Leid des Zweiten Weltkrieges und der Nazigräuel war die Erkenntnis wichtig, dass alle Menschen einen Katalog mit unveräußerlichen Rechten brauchen. Neben Gandhi sandten auch einfache Menschen ihre Vorschläge dorthin. Gleichzeitig wurzelt diese Idee auch in biblischem Boden: Wenn Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat kommt jeder einzelnen Person eine besondere Würde zu. So leitete schon John Locke die Gleichheit der Menschen aus diesem Vers (1. Mose 1, 27) der Gottesebenbildlichkeitslehre ab. =>