Die Reise geht weiter

Markus Roth. Foto: privatEs ist ist ein ungewöhnlicher Aufbruch. Nach 22 Jahren als Gemeindepfarrer in Segringen hat Dr. Markus Roth im September 2025 sein Pfarramt verlassen. Nicht, weil er mit Kirche und Glauben abgeschlossen hätte. Im Gegenteil: Was ihn heute beschäftigt, kreist um Begegnung, Spiritualität und die Frage, wie Menschen ihren eigenen Weg zu Gott finden können. Nur die vertraute Form hat sich verändert. Denn bis 2028 ist Roth vom Pfarrdienst in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern beurlaubt. Auch die neue Freiheit verlangt Planung. Begonnen hat seine Leidenschaft für das Reisen vor mehr als 25 Jahren. Nach dem Theologiestudium war Roth aus Israel zurückgekehrt. Sein Mentor im Vikariat fragte ihn, ob sie gemeinsam nach Israel und Palästina reisen wollten. Im Mai 2000 ging es los. Zwölf weitere Reisen folgten. =>

Zwischen Mauern und Lebensfragen

Pilgerstadtführer TitelseiteEin Tor wird zur Schwelle, die Stadtmauer zum Bild für Grenzen, ein Garten zum Ort des Aufbruchs: Beim „Stadtpilgern“ in Rothenburg bekommen vertraute Orte eine neue Bedeutung. Wer sich auf die beiden neuen Pilgerwege einlässt, soll nicht neue Fakten über die historische Stadt erfahren. Vielmehr geht es darum, den eigenen Lebensweg neu in den Blick zu nehmen. Die Idee dazu brachte Maria Rummel vor anderthalb Jahren aus Frankfurt mit. Dort hatte die Pilgerbegleiterin und Referentin am Bildungswerk „Bildung evangelisch zwischen Tauber und Aisch“ erlebt, wie gut Pilgern auch mitten in einer hektischen Großstadt funktionieren kann.  Warum also nicht in Rothenburg? Gemeinsam mit einem Team aus zehn engagierten Menschen entwickelte sie die Idee weiter: Sie widmeten sich ein ganzes Jahr lang diesem Projekt. Ortskenntnis und besondere Fähigkeiten kamen zusammen … =>

Nicht nur Tote kehren zurück – auch Lebende

Eindrücke aus Schässburg, SiebenbürgenAn manchen Sommersonntagen kehrt das Leben nach Siebenbürgen zurück. Im deutschsprachigen Gottesdienst in der Klosterkirche von Schäßburg (Sighisoara) drängten sich im August 70 Menschen. Viele Besucher waren aus Deutschland oder Österreich in ihre alte Heimat zurückgekehrt. „Im Sommer kommen viele“, so Bezirksdechant (Dekan) und Stadtpfarrer Bruno Fröhlich. Zu Weihnachten seien es noch mehr. Draußen lag die mittelalterliche Altstadt im gleißenden Augustlicht. Die UNESCO erklärte sie 1999 zum Weltkulturerbe. Besuchergruppen drängen durch enge Gassen, vorbei an Mauern und Türmen, hinauf zur Bergkirche. Für Touristen ist Schäßburg ein begehbares Denkmal. Für andere ist es Heimat: ein Ort, den man verlassen kann, aber offenbar nicht einfach hinter sich lässt. =>

Was trägt noch heute beim Start ins Leben?

Sarah Schäfer, Ausbildung für Relpäds„Was trägt mich?“. Diese Frage stellen heute auch Jugendliche, die kaum einen Bibeltext kennen. „Die religiöse Vorbildung der Kinder und Jugendlichen hat sich deutlich geändert“, beobachtet Sarah Schäfer. Natürlich brächten viele Schülerinnen und Schüler inzwischen „kaum etwas“ an religiöser Sozialisation mit – zugleich sei das Spektrum ihrer Erfahrungen breiter geworden. Für die Ausbildungsleiterin im Religionspädagogischen Zentrum (RPZ) Heilsbronn ist das kein Grund zum Klagen, sondern eine Chan­ce: Wo Vorwissen fehlt, entsteht Raum für Fragen. Seit vier Jahren begleitet Schäfer am RPZ Religionspädagoginnen und -pädagogen – kurz Relpäds – im Vorbereitungsdienst und in der „Fortbildung in den ersten Dienstjahren“. =>

Die Schätze von Heltau

Andreea Manastirean und Wieland N. Köber in Hermannstadt. Foto: BoréeDer Schatz von Heltau war jahrhundertelang verborgen. Irgendwo in den mächtigen Mauern der Kirchenburg soll sich eine geheime Kammer befunden haben – zu öffnen nur mit einem verborgenen Mechanismus. Heltau, rumänisch Cisnadie, liegt neun Kilometer südlich von Hermannstadt (Sibiu). Die Stadt wurde im Mittelalter von Siebenbürger Sachsen geprägt und zählt heute rund 20.000 Einwohner.  Ihr eigentlicher Schatz aber ist deutlich sichtbar: in den 32 Kindern und Jugendlichen zwischen sieben und 14 Jahren, die jeden Nachmittag nach der Schule in die „Arche Noah“ kommen. Viele leben in Familien, die mit sozialen Belastungen zu kämpfen haben. Die Einrichtung bietet ihnen einen geschützten Ort für einige Stunden – und oft mehr als das. Unterstützung für beide Orte kommt von derselben Adresse in Hermannstadt … =>

Unsere Wirklichkeit – ein Irrenhaus?

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Der beschwingte Song zum Schluss lädt zum Mitklatschen ein. Auch die Missgeschicke der „Flüchtigen Bekannten“ in einer Heilanstalt der 1970er Jahre – aufgeführt auf der Bühne des Freilandtheaters Bad Windsheim – erheitern.  Wie komisch, die Menschen, die sich ihre eigene Wirklichkeit erschaffen haben! Doch plötzlich bleibt das Lachen im Hals stecken. Denn die vermeintlich Verrückten wirken wieder erstaunlich menschlich. Sie sehnen sich nach Anerkennung, nach Freiheit, nach einem Platz, an dem sie angenommen werden.  =>

Vom Wert der Dinge: Die Zukunft passt in keine Kiste

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Nach vielen Jahren waren sie plötzlich wieder gefragt: unsere Tischtennisschläger. Die hatten wir doch noch! So erinnerte ich mich. Und ich jagte ihnen nach – auf unserem Dachboden, der auch noch abends glühte wie ein Backofen. „Ob ich das noch brauchen kann?“ Vor einigen Wochen, Anfang Juni, verneinte Inge Wollschläger an dieser Stelle die Frage. Damit hat sie einen Nerv getroffen, der tiefer reicht als jede Ordnung: Wenn wir entscheiden müssen, was bleiben darf oder gehen soll, dann geht es oft um mehr als bloße Objekte:Sie helfen manchen  Erinnerungen wieder auf die Sprünge. =>

Suppe, Seelenheil und sozialer Sprengstoff

Referierende beim Kolloquium des KirchenmuseumsJede Woche derselbe Speiseplan: Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Windsheimer Spitals war Essen Teil eines streng geregelten Alltags. An vielen Tagen gab es Suppe. Fleisch immerhin sonntags und dienstags. Abwechslung bot diese Kost kaum –aber sie hatten da noch Glück. Denn die Qualität der Versorgung hing oft wesentlich von den jeweiligen Spitalleitungen ab. Manche wirtschafteten verantwortungsvoll, andere sparten am Essen oder bereicherten sich auf Kosten der Bedürftigen, wie der Historiker Alfred Stefan Weiß erläuterte. Wie eng Versorgung, Fürsorge und wirtschaftliche Zwänge zusammenhingen, zeigt die Sonderausstellung „Care“ im Kirchenmuseum Bad Windsheim (bis 11. Oktober). Damit und mit einem intensiven Symposium feiert das Kirchenmuseum Bad Windsheim sein 20-jähriges Bestehen und widmet sich zugleich der Geschichte von Fürsorge und Pflege.  =>

Wenn aus Abschied Aufbruch wird

Regionalbischöfin Gisela Bornowski beim Sommerempfang„Ich hoffe nicht, dass der Erlöser lebt!“ Mit diesem Satz überraschte Motivationscoach Johannes Warth die Gäste von Regionalbischöfin Gisela Bornowski beim Sommerempfang im Rothenburger Wildbad. Er reagierte damit unmittelbar auf die Begrüßung der Gastgeberin. Nach einer kleinen Pause fügte der Festredner hinzu: „Nein, ich bin mir sicher.“ Anschließend sprach Warth von seiner Sehnsucht nach einer „frohlockenden Kirche“ – einer Kirche, die selbst froh ist und gerade deshalb Menschen anlockt. Wer Herausforderungen zuversichtlich angehe, eröffne Räume, in denen Zukunft entstehen könne. Wer dagegen von vornherein erwarte, dass ein Vorhaben ohnehin nicht zu schaffen sei, liefere sich leicht einer selbsterfüllenden Prophezeiung aus. Diese Sätze hallten an dem lauen Abend im Wildbad unter den rund 250 geladenen Gästen lange nach … =>

Glaube an die Zukunft als Verbrechen

Buchcover: aktuelle Moltke-Biographie„Ich stehe hier nicht als Protestant, …, nicht als Deutscher – sondern als Christ und als gar nichts anderes“, so Helmuth James von Moltke Anfang 1945 vor dem Volksgerichtshof. Genau das aber warf ihm dessen berüchtigter Präsident Roland Freisler vor. Moltke schrieb anschließend seiner Ehefrau Freya, Freislers entscheidender Vorwurf sei gewesen: „Eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten gemeinsam, und nur dies eine: Wir verlangen den ganzen Menschen.“ Nicht die Beteiligung am Attentat auf Hitler legte man ihm zur Last. Sein Verbrechen bestand im Verständnis der Nazis darin, gemeinsam mit Gleichgesinnten über ein Deutschland nach Hitler nachgedacht zu haben – über einen Staat, der auf Recht, Menschenwürde und christlicher Verantwortung beruhen sollte. =>