Spurensuche im „Labyrinth der Zeiten“

Labyrinth der Zeiten: Mordechai W. Bernstein im jüdischen Museum MünchenEine  Madonna, die um Jesus trauert – in einer Ausstellung über „1.700 Jahre deutsch-jüdische Geschichte“? Was auf den ersten Blick irritiert, erschließt sich schließlich durch doppelte Brechung „Im Labyrinth der Zeiten“ und führt zu erstaunlichen Aha-Erlebnissen. Das jüdische Museum München begibt sich damit auf die Spuren Mordechai Wolf Bernsteins (1905–1966). Zwischen 1948 und 1951 begab er sich auf eine Irrfahrt zu rund 800 Orten quer durch Deutschland – auf der Suche nach Überresten von Spuren jüdischer Kultur in Deutschland. Die Pietà aus dem 14. Jahrhundert aber fand er in der ehemaligen Schnaittacher Synagoge östlich von Fürth. Das Gotteshaus ging in der Pogromnacht 1938 nicht in Flammen auf: Der Leiter des örtlichen Heimatmuseums Gottfried Stammler  die Synagoge nun zu einem Spottpreis. Umgehend behauptete er, dass sie eine Kirche gewesen sei. … =>

Da standen sie – und konnten nicht anders

Landesausstellung in Worms: 500 Jahre Luthers Auftritt auf den ReichstagIm Twitter-Zeitalter müssen viele noch so komplexe Gedanken in 280 Zeichen passen. Denn so lang darf eine Textnachricht da maximal sein: Die Gefahr von Verkürzungen entsteht. Martin Luther benötigte nur ein knappes Viertel davon: „Ich kann nicht anderst / hie stehe ich / Got helff mir / Amen.“ So ist der Schluss seiner Rede am 18. April 1521 auf dem Reichstag zu Worms überliefert. In ihr verweigerte er den Widerruf seiner Schriften. Nur: Gesagt hat er diesen Satz wohl nicht. Das meint der Lutherkenner und Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann. Er hat die Wormser Landesausstellung zu dem dortigen Reichstag vor 500 Jahren entscheidend mit begleitet. Der Katalog dazu erschien erst im Herbst. Die Darstellung der Gewissensfrage nimmt dort einen Schwerpunkt ein. =>

Auf zur Sinfonie der Zwischentöne!

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernJetzt kommt sie wieder – die Zeit der Dunkelheit. Spätestens, wenn demnächst Ende Oktober wieder die Zeit umgestellt wird, ist das Leben winterlich dunkel geworden. Morgens der Aufbruch in die Dämmerung – abends eine Rückkehr in der Dunkelheit. Scheinwerfer geben nicht nur Orientierung, sondern blenden auch: besonders bei Nässe. Zeit für eine neue Brille, um mal wieder ein wenig schärfer zu sehen. Die alte war schon arg zerkratzt und brach so das Licht. Gibt es dann wieder mehr Klarsicht und Durchblick? =>

Das Editorial zum Nachhören:

Unverfügbare Resonanzen erfahren

Plötzlich bringt ein Satz, ein Blick etwas in uns zum Klingen: Mit einem Mal sind wir angerührt. Oder erleben, welche „Resonanzen“ dies in uns wachruft. Dieser letzte Begriff stammt aus dem gleichnamigen Buch des Soziologen Hartmut Rosa. Die Diakonin Cornelia Stettner und der praktische Theologe Thomas Popp nahmen ihn bei ihrem gemeinsamen Biografietag des Evangelischen Bildungswerks Nürnberg zur „Un-Verfügbarkeit“ auf. Veröffentlicht war dies Buch noch vor der Corona-Zeit. Doch die Pandemie hat viele Menschen existenziell erschüttert. Bedeutete sie eine heilsame Unterbrechung oder das Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber unberechenbaren Mächten? =>

Lebensbegleitung statt Sterbebegleitung

Mehr Zeit für Sterbende bei ihrem Abschied – ist das nur ein ferner Traum? Die Hospizleiter Dirk Münch und Alexander Kulla hoffen, dass dies nicht so sein muss. Er empfand es als erschreckend, „wie viele Menschen sich in der letzten Lebensphase als Last für andere begreifen“, so Münch. Vor den Wahlen stand dann, Gott sei Dank, anderes im Mittelpunkt. Anlässlich des Welthospiztages am 9. Oktober lohnt es erneut genau nachzufragen: Welche professionellen Konzepte für ein schmerz- und angstbefreites Abschiednehmen kann Dirk Münch vorschlagen? Und dies auch, wenn die Hospiz-Plätze längst nicht für alle Menschen am Lebensende ausreichen? =>

Balsam gegen Migration und Klimawandel

Gloria Deysi Gómez Pérez mit Tochter. Ángel Burgos bei einer Produzentenversammlung. Fotos: Raphael Solorzano (GEPA)Er träumte vom fernen Glück: Juan Carlos Guzmán Girón aus dem ost-mexikanischen Grenzgebiet zu Guatemala, wollte vor zwei Jahren in die USA auswandern. Doch von seinen Brüdern, die bereits emigriert waren, erfuhr der 24-Jährige: Auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist nicht so leicht Geld zu verdienen: „Das brachte mich dazu, darüber nachzudenken, dass man hier auch etwas finden könnte.“ Nur was? Er brauchte ein weiteres Standbein neben dem Anbau von Kaffee in seinem Heimatdorf San Joaquín. Dann entdeckte er seine Chance in der Bienenzucht. Die Fairtrade-Prämie von GEPA finanzierte nicht nur für ihn die Bienenstöcke und die erste Grundausrüstung für die Imkerei. =>

Gedanken zum Fließen bringen

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernDen Gedanken eine Stimme zu geben, sie zum Fließen zu bringen – das haben wir für Sie ausprobiert. Diesen Text finden Sie nun zum Nachhören auf unserer Homepage www.evangelisches-sonntagsblatt.de. Auch unsere Gedanken in den vergangenen Wochen an Sie, „Liebe Leserinnen und Leser“, stehen dort. Seit Ende August finden sie diese als vorgelesener Podcast und als Text zum Nachlesen unter dem Menüpunkt „Ansichtssachen“. Immer mehr zeigt das gesprochene Wort im Internet eine eigene Faszination: Nicht nur bei uns, überall im Netz sprießen Podcasts zum Heineinlauschen und Nachhören hervor. Sie lassen sich nebenbei, beim Autofahren oder beim Sport, beim Putzen oder Kochen hören. Trotzdem erscheint das Hineinlauschen intensiver, direkter als das Lesen. =>

Das Editorial zum Nachhören:

Editorial: Über den Umgang mit Täuschungen

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern„Sein und Schein“: So lautet das Motto des Tags des Offenen Denkmals. In diesem Jahr soll er wieder in Präsenz, aber auch mit digitalen Elementen am 12. September stattfinden. Wie können Tricks und Kniffe in der Architektur den Blick weiten? Oder edlere Baumaterialien vortäuschen als sich die Bauherren leisten konnten? „Enttäuscht“ zeigte sich da ein Leser unseres Sonntagsblattes. Dabei galt der Begriff „Enttäuschung“ lange Zeit als positiv: eine Täuschung zu beenden, die Schleier wegzuziehen.  =>

„Denn ich bin Gott und nicht ein Mann“

Ausstellung im Bibelmuseum Frankfurt über GottesvorstellungenMuss die Provokation sein? Ins Auge fallen das Bildnis von „Conchita Wurst auf der Mondsichel“ und der Titel der Ausstellung „G*tt w/m/d“. Das lenkt natürlich Aufmerksamkeit auf sich, stößt aber genauso ab. Das „Bibelhaus Erlebnis Museum“ in  bester Museumslage am Frankfurter Mainufer scheint damit sehr kalkuliert umzugehen.  Das schafft dann nicht nur praktische Probleme: Wie soll ich denn das aussprechen: „G‘tt“? Und geht dies nicht an den Rand der Gotteslästerung? Im Gegenteil, würden viele fromme Juden sagen. Seit Jahrhunderten schrieben sie auf Jiddisch und später auf Deutsch „G‘tt“ oder „G-tt“– um die Unaussprechbarkeit anzudeuten. … =>

Prinzessin auf Entdeckungsreisen

Therese von Bayern in der Regensburger LandesausstellungAnstatt im Ballsaal ihre Runden zu drehen und zu feiern, bahnte sie sich ihre Pfade durch den Urwald. Prinzessin Therese von Bayern (1850–1925) schlug einen ungewöhnlichen Weg ein. Die einzige Tochter des Prinzregenten Luitpold und Schwester des späteren Königs Ludwig III. erwarb sich einen Ruf als Wissenschaftlerin und Reiseschriftstellerin. Leidenschaftlich brach sie zu Entdeckungsreisen auf. Auf ihren Expeditionen erwies sich Therese keinesfalls als „Prinzessin auf der Erbse“, sondern im Gegenteil als ausdauernd und robust. Mitten in den Anden stürzte sie etwa vom Maultier und prellte sich die Rippe. Doch stieg sie sofort wieder auf das Reittier: Weiter ging es. … =>