Vor grauem Hintergrund kniet ein Beobachter. Die Kamera im Anschlag, sein Blick auf das gerichtet, was er festhalten will: eine unscheinbare Blume. Nur ihre Blüte gibt diesem Graffito des Straßenkünstlers Banksy Farbe. Um sie besser zu erfassen, zieht der „Kameramann“ an ihrem Stängel. Ganz scheint er in dieser einen Berufung aufzugehen. Nach Ostern war ich einige Tage in Madrid unterwegs. Zwischen den großen Zeugnissen vergangener Blütezeiten führte mich mein Weg auch in das „Banksy“-Museum. In einer ehemaligen Garage sind dort seine Werke als lebensgroße Reproduktionen zu sehen – eingebettet in nachgebaute Straßenszenen. Ein Ort, der Blicke verändert. =>
Zwischen Glaube und Gehorsam
„Eiskalt sind die!“ Selbst in diesen drei Worten hallt noch das Entsetzen nach. So beschreibt Marie Nicol 1941 in ihrem Tagebuch den Besuch einer Kommission der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen im Diakoniedorf Rummelsberg. Als Ehefrau des damaligen Rummelsberger Rektors Karl Nicol erlebte sie das Ringen um die Überstellung von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen in „Euthanasie“-Einrichtungen hautnah mit. Es war oft ein stiller und einsamer Widerstand: Auch engagierte Christen wie der Rummelsberger Brüderpfarrer Wilhelm Strohm glaubten, mit Hitlers Machtergreifung sei „das Reich Gottes aufgebrochen“. =>
Zwei junge Stipendiatinnen beim Gustav-Adolf-Werk – im Jubiläumsjahr der Frauenarbeit
Es ist für sie ein „lebensveränderndes Ereignis“! Darin sind sich Linda Mae Nummert und Klára Cselovszky einig. Die beiden Studentinnen aus Estland und aus Ungarn wohnen seit einigen Monaten zusammen – obwohl sich ihre Wege in ihrer Heimat wohl nie gekreuzt hätten. Leipzig ist für beide zu einem Ort geworden, an dem neue Perspektiven wachsen. Das Gustav-Adolf-Werk bietet ihnen ein Stipendium in Deutschland an. Im Zoom-Gespräch mit dem Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern erzählten sie von ihren Erfahrungen „Wie wir die Welt anschauen“, das habe sich grundlegend geändert. So empfand es Klára Cselovszky. Linda Mae Nummert nickt: Solch eine Möglichkeit wahrzunehmen, das könne sie jedem Studierenden nur empfehlen. Zusammen mit fünf weiteren Menschen aus der Ökumene leben sie mehrere Monate in der Leipziger GAW-Zentrale zusammen. =>
Beharrliches Unkraut kehrt zum Leben zurück
Bald kommt er wieder – der Löwenzahn in unserer Einfahrt! Dessen bin ich gewiss! Zwischen den Fugen schiebt er immer wieder seinen Halm empor – egal, was ich dagegen tue. Ob ich ihn mit dem Fugenkratzer zu Leibe rücke oder mit kochend heißem Wasser, das ist ganz egal. Irgendwo überdauert tief unter den Pflastersteinen seine Wurzel – und die Pflanze feiert nach einigen Wochen wieder fröhlich Auferstehung. Kein noch so harter Winter kann sie endgültig zerstören: Sie treibt im Frühjahr wieder aus. Oder vielleicht überdauern nur die Samen und es ist schon die x-te Generation, mit der ich wieder den Kampf aufnehme, sobald der Frühling beginnt? Ich weiß, ich könnte auch hochrüsten … =>
Ein Gesang, der Verzweiflung herausfordert
Die Orgel setzt ein, schwebend zunächst, dann schwungvoller. Das Lied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“ (EG 112) erklingt. Dann füllt es den Raum. Nach dem Vorspiel singt die Gemeinde von Freude, von Sieg, von neuem Leben. Es ist Ostermorgen. Doch während sich Melodie und Text entfalten, stellt sich unweigerlich eine Frage: Lässt sich davon wirklich singen – in einer Zeit, die von Kriegen und Krisen geprägt ist? … =>
