Unterwegs zum tragenden Glaubensgrund

Agnes von Kirchbach. Foto: BoréeZwischen zwei mittelalterlichen steinernen Wesen spannt sich am Portal der uralten Basilika Sainte-Marie-Madeleine ein unsichtbarer Bogen: Hier Jakob, der am Jabbok mit Gott ringt. Dort ein Zentaur, halb Mensch, halb Pferd, die Sehne seines Bogens gespannt auf das, was ihn lockt. Beide Figuren schauen einander ins Gesicht. Für Agnes von Kirchbach ist die Kirche, die über dem Ort Vézelay thront, kein Relikt aus ferner Vergangenheit. Regelmäßig ertastet sie neue Bedeutungsebenen im verwitterten Gestein. Und das nicht allein …  Die pensionierte Pfarrerin der Protestantische Kirche Frankreichs, die nun in dem uralten burgundischen Örtchen lebt, öffnet regelmäßig ihr Haus für einzelne Suchende oder ganze Gruppen. Zwölf bis 14 Gäste kann sie bei sich in Doppelzimmern unterbringen. „La Rencontre“ – die Begegnung – so lautet der eingängige Name ihres offenen Hauses: Dies umkreist ihr Anliegen. =>

Kartenspiel der Ideen zur Kirchennutzung

Chefredakteurin Susanne Borée, Februar 2024Von „B“ wie „Bienenstöcke aufstellen“ bis „Y“ wie Yoga-Matten ausrollen reicht das Alphabet der Ideen. Das Kartenspiel „Kirche Frei“ der Stiftung KiBa zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler schlägt darin kreative, bisweilen provozierende Ideen für Gotteshäuser vor, die immer seltener genutzt werden. Viele Kirchen haben schließlich genug Platz zum Tanzen und für Sport. Oder sie können als Kinosaal und Begegnungsort dienen.  Die Ideen sind sicherlich originell: Aber möchte ich wirklich zur nächsten Sitzung meines Kirchenvorstandes mit diesem Kartenspiel in der Hand aufkreuzen? Schließlich sind Gotteshäuser nicht nur Gebäude – sie sind aufgeladen mit Geschichte, Glauben und Identität. Und doch werden sie allzu oft nur wenige Stunden pro Woche genutzt. Hier liegt die Herausforderung: zwischen Bewahrung und Aufbruch neue Wege zu finden.  … =>

Konflikte um die Kanzel

Austra Reinis. Foto: BoréeZwischen Flucht und Neuanfang, zwischen den Kontinenten, zwischen Kaltem Krieg und kirchlicher Hoffnung spannt sich das Leben von Austra Reinis. Beim Jubiläum der GAW-Frauenarbeit blickte sie eindrücklich und voller Energie zurück auf Jahrzehnte voller Umbrüche. Geboren wurde sie in den USA als Tochter lettischer Emigranten, die 1945 vor Stalins heranrückenden Truppen geflohen waren. Ihre Schulzeit verbrachte sie in Deutschland. Bei ihrer Ordination 1991 schien die Geschichte auf ihrer Seite zu sein: Die baltischen Staaten gewannen ihre Unabhängigkeit: Die Hoffnung auf einen kirchlichen Neuanfang nahm Gestalt an. Die Neugier „auf die lettischen Wurzeln“ führte sie dorthin zurück. Zunächst wirkte sie als Dorfpfarrerin unweit der Ostsee, 170 Kilometer westlich von Riga. Bereits 1975 waren in der Lettischen Evangelisch-­Lutherischen Kirche drei Frauen ordiniert worden. Weitere waren gefolgt. Doch nicht mehr lange … =>

Hoffnung bleibt – auch wenn Licht ausgeht

Carina Ines Schmidt und Liudmila Schnabel beim GAW-Jubiläum.Sie sah Senioren im Gottesdienst zusammenbrechen. Ihr Kreislauf versagte, da sie zuvor fünf, sechs Kilometer trotz des heißen kubanischen Wetters zu Fuß zur Kirche gekommen waren. Da zog Pfarrerin Liudmila Schnabel eine pragmatische Konsequenz: erst essen, dann beten. So begann sie die Sonntage mit einem soliden Frühstück für die Gläubigen. Beim 175. Jubiläums der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk (GAW) Ende April in Leipzig war sie mit dabei. Denn seit 2024 arbeitet Liudmila Schnabel als Pfarrerin im brandenburgischen Nauen. Sie ist verheiratet mit Dr. Patrick Roger Schnabel, damals Beauftragter für den Kirchlichen Entwicklungsdienst und Menschenrechte im Berliner Missionswerk. Inzwischen wirkt er bei der EKD.  Die Heimat Liudmila Schnabels geriet aktuell erneut in die Schlagzeilen … =>

Vom Basar zur globalen Bewegung

Haberer und Rühl„Nein, nicht einfach abschneiden!“ Nachhaltigkeit war selbst beim Auspacken ihres „Geschenks“ zum 175. Jubiläums der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk (GAW) Ende April in Leipzig wichtig: Die Clowninnen Gertrud und Matilde (alias Elke Markmann und Dr. Luise Metzler) begrüßten mit viel Witz und feinem Gespür für Zwischentöne die rund 130 Frauen und eine Handvoll Männer. Ihr sperriges Paket widersetzte sich zunächst beim Auswickeln hartnäckig allen Bemühungen.  „Wer hat denn das verpackt?“, stöhnte Gertrud. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Die Frauen vom GAW – sie sind gründlich.“ Ein Satz, der zugleich augenzwinkernd und anerkennend gemeint war. Denn dieser scheinbar lockere Auftakt zum Festprogramm verknüpfte hintersinnig Vergangenheit und Gegenwart, Feierlaune und weitere Impulse miteinander. =>