Wanderungen im Glockenschlag der Zeiten

Migrationsausstellung der Evangelischen Museen, Thomas Greif in RummelsbergDie Glocke aus Breslau zeigt, was die Stunde geschlagen hat: Museumsleiter Thomas Greif im Rummelsberger Diakoniemuseum versetzt sie in Schwingungen, denn sie bildet dort einen Mittelpunkt der Ausstellung „Evangelische Migrationsgeschichte(n)“. Nach dem Beginn der dortigen Schau ziehen jetzt Protestantische Museen europaweit mit ihren jeweiligen Perspektiven nach. Seit Jahrhunderten stellten Menschen ihre Religion über ihre Heimat. In den Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen Nationale Gründe die Oberhand. Doch die Diakonissen trugen ihre Glocke nicht selbst bis nach Unterfranken, gibt Greif zu. Sie ist nämlich derart schwer, dass sie sich kaum von einer Person anheben lässt. … =>

Lustvolle Buße?

Gian Giacomo Caprotti (Da-Vinci-Schüler 1480–1524): Johannes der Täufers. Foto: Borée

Die Büßerin und der Asket: Johannes der Täufer und Maria von Magdala beschäftigten in besonderer Weise die christlichen Vorstellungswelten: Nahmen sie es besonders streng mit dem Weg der Nachfolge? Und können sie uns in der Passionszeit zum Vorbild werden? Ein besonders bewegendes Bild von Johannes findet sich am Ende der Ausstellung „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst.“ im Freisinger Diözesanmuseum (rechts). Sie beschäftigt sich, ausdrücklich unter der Schirmherrschaft von Kardinal Reinhard Marx, mit aufreizenden Darstellungen auch von Heiligen in Kunstwerken bis um das Jahr 1800. Johannes etwa erscheint jugendlich, nicht verhärmt, sondern fast androgyn, verführerisch anstatt asketisch streng. War dies eine Grenzüberschreitung, ihn entgegen allen Konventionen so erotisch dazustellen? … =>

„Hoffen und Machen“ verbinden

Kirchentagspräsident Thomas de Maizière und Generalsekretärin Kristin Jahn stellten in Nürnberg das Kirchentagsprogramm vor. Foto: BoréeDie Liste der Prominenten, die beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg im Juni Bibelarbeiten halten, ist auch diesmal lang. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Georg Bätzing, der Autor Eckart von Hirschhausen oder Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sind nur einige Namen, die Kirchentagspräsident Thomas de Maizière und Generalsekretärin Kristin Jahn bei der Vorstellung des Kirchentagsprogramms nannten. 2.000 Veranstaltungen in ganz Nürnberg und Fürth sowie in der Nürnberger Messe stehen auf dem Programm des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags. Er steht unter dem Motto „Jetzt ist die Zeit“. In den fünf Tagen vom 7. bis 11. Juni werden 100.000 Menschen erwartet. Erstmals wird es kein dickes gedrucktes Kirchentagsprogramm mehr geben … =>

Knotenpunkt der Religionen und Kulturen

Statue von Bartholomäus Ziegenbalg in Traqubar. Foto: Noack/LindenmuseumLange vor den ersten Europäern gab es Christen in Südindien: Ja, angeblich brachte es direkt der Apostel Thomas ins Land, der dann dort das Martyrium erlangte. Erste archäologisch wasserdichte Spuren weisen zwar nur bis ins 16. Jahrhundert, doch gibt es viele ältere Traditionen. Sechs eigenständige Kirchen wollen auf ihn zurückgehen – meist mit orthodoxem oder syrisch geprägtem Ritus. Aber auch die kleine protestantisch-anglikanisch orientierte Mar-Thoma-Kirche. Ihre heutige Gestalt gewann sie während der britischen Kolonialzeit.  Diesem südindischen Kulturraum der Tamilen ist die aktuelle Sonderausstellung des Stuttgarter Linden-Museums gewidmet. … =>

Flammenengel stürzt ins Dunkel und Chaos

Marc Chagall: Engelsturz, Schirn-Kunsthalle Frankfurt am Main, aus Basel als Leihgabe zur Verfügung gestelltDer sprichwörtliche Maler der Leichtigkeit malte auch in düsteren Farben. Das zeigt gerade die Frankfurter Schirn-Kunsthalle am Römerberg mit einer aktuellen Chagall-Ausstellung unter dem Titel „Welt in Aufruhr“. Sie macht anschaulich, wie auch düstere Schaffensphasen das Werk dieses langlebigen Künstlers (1887–1985) prägten.„Chagalls Arbeiten der 1930er- und 1940er-Jahre sind stark beeinflusst von den politischen Entwicklungen in Europa und seiner eigenen Lebnserfahrungen. So soll in diesem Jahr zum Holocaust-Gedenktag an sein Werk und die Ausstellung erinnert sein. Er identifizierte sich mit den Ermordeten. Zugleich setzte er sich mit Jesus als Repräsentant des leidenden Volkes Gottes auseinander. =>

Kampf gegen Chaosmächte

Psalter aus St.Blasien in der Habsburger-Ausstellung. Foto: Museum im Benediktinerstift Stift St. Paul,Gerfried SitarKonnte das sein, die Auferstehung eines Herrschers? Der erste regierende Habsburger Rudolf I. erhielt 1284 eine irritierende Nachricht: Kaiser Friedrich II. lud ihm zu einem Hoftag nach Frankfurt ein, um ihn dort als Mitregent mit dem deutschen Königtum zu belehnen. So beschreibt es Alexander Schubert im Katalog der aktuellen Habsburger-Ausstellung in Speyer über dieses Herrscherhaus. Über die Ausstellung hinaus zeigen sich spannende Aspekte der Herrschaftssicherung über die Zeiten hinweg als Kampf gegen Chaosmächte. Denn der Stauferkaiser Friedrich II. war schon 1250 verstorben … =>

Hebamme und Hexe, Handwerk und Handel

Hebammenkoffer als Beispiel medizinischer EntwicklungslinienSie machte etwas her: eine kunstvoll gestaltete Armprothese aus dem Jahr 1716: Als sogenannte Sonntagshand, deren Gelenke beweglich und einzeln feststellbar sind, war sie mechanisch und handwerklich auf der Höhe ihrer Zeit.  Die Heiler waren auch früher nicht von gestern. Sie nutzten die Neuerungen ihrer Zeit zur Heilung und um ihre Kompetenzen gebührend zu zeigen.  Immer alles im Griff und mit dabei hatte die Hebamme Elise Dudek. Reich gefüllt war ihr Hebammenkoffer. Auch auf der Flucht im Jahr 1945 konnte sie so bei Geburten helfen. Sie benötigte wohl keine verkaufsfördernde Schau. =>

… kommt mit seinen Gaben: und viel Abfall

Verpackung von GeschenkenGeschenke auspacken macht nicht nur Kindern großen Spaß und gehört auch für die allermeisten Erwachsenen zu Weihnachten dazu. Leider landen Geschenkverpackungen aber häufig direkt nach der Bescherung im Müll. Das ist nicht nur schade, sondern sogar schädlich! Als Kind hatte ich noch zu lernen, die Geschenke möglichst sorgfältig auszupacken, um das Papier ja nicht zu beschädigen: Es sollte ja wiederverwertbar fürs nächste Jahr sein. … =>

Wurzeln des Weihnachtsfestes

Weihnachsausstellung im Nürnberger BibelmuseumWo und wann erblickte Jesus das Licht der Welt? Können wir uns eine Weihnachtskrippe heute ohne Stall kaum noch vorstellen, so steht dennoch davon nichts in der Bibel: Lukas erwähnt die Futterkrippe, in die Maria den Neugeborenen legte. Tiere waren wohl nicht dabei. Ochs und Esel stammen wohl aus der Klage des Propheten: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn: aber Israel kennt‘s nicht“ (Jesaja 1, 3). Damit beginnt die Weihnachtsausstellung des Nürnberger Bibelmuseums. Sie wirft einen Blick auf die Entstehung und Geschichte des Weihnachtsfestes. Sie zeigt weiter, welche Wurzeln die Traditionen des Weihnachtsfestes beeinflussten … =>

„Die schönsten Kirchen“ als Glaubensraum

Herausgeber_und_Autoren_Autorinnen des Tagungsbandes_Markgrafenkirchen_Bayreuth„Die schönsten Kirchen der bayerischen Landeskirche“ könne Dorothea Greiner in Oberfranken genießen: Das gab ihr vor elf Jahren Hartmut Böttcher, damals Oberkirchenrat und Verantwortlicher für das Bauwesen der Kirchengemeinden, mit auf den Weg. Dieser Impuls bei ihrer Amtseinführung entwickelte sich zu einem Ansporn für die Regionalbischöfin, die Gotteshäuser näher zu betrachten. Und ihre Symbolik allgemein nachvollziehbar zu machen. Denn die Markgrafenkirchen sind nicht nur besonders farbenprächtig und gleichzeitig aufwendig im Unterhalt, sondern ein Spiegel ihrer Epoche: Als „Resonanzraum der barocken Predigt“ sieht Klaus Raschzok sie. Nun sind sie auch von mehreren wissenschaftlichen Perspektiven aus gründlich in den Blick genommen worden. =>