Es gleicht einem Wiedersehen mit alten Bekannten: Das Überblickswerk „Spuren jüdischen Lebens in Bayern“ versammelt viele Projekte zum Judentum vor Ort aus den letzten Jahren: Die Inventarisierung von Grabsteinen auf dem Jüdischen Friedhof in Schopfloch. Die Aufarbeitung von sogenannten Genisa-Funden – also von zerschlissenen liturgischen Texten in hebräischer Sprache in alten Landsynagogen Frankens. Dieser schmale aber gehaltvolle Band krönt das Wirken einer Arbeitsgruppe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die sich seit 2021 – zu den Jubiläumsfeiern anlässlich von 1.700 dokumentierten Jahren jüdischen Lebens in Deutschland – um die reichhaltigen Spuren des Judentums in Bayern gekümmert hat. =>
Kokosnüsse, Kanonen und Karten
Energisch treibt er sein Dromedar an. Schließlich will der „Mammaluck“, ein Reiter der osmanischen Truppen, anno 1529 die Belagerung Wiens nicht verpassen (linkes Bild). Auch Nürnberger Landsknechte waren vor Ort. Als Kriegstrophäe brachten sie ein solches „Camel thier“ mit an die Pegnitz. Bei Hans Guldenmund konnten es alle für drei Pfennig besichtigen. Die Zeiten überdauert hat es als Druckblatt, dass Guldenmund ebenfalls verlegte. Es illustriert die weitreichenden Beziehungen Nürnbergs zwischen 1300 und 1600. Eine Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum (GNM) zeigt bis zum 22. März, wie eng die Stadt bereits im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit vernetzt war … =>
Langer Atem im Grenzland der Geschichte
Wer heute durch das sanfte Hügelland der Region Prekmurje im äußersten Nordosten Sloweniens fährt, ahnt kaum die tiefgreifenden Wechselfälle der Geschichte dort. Innerhalb weniger Jahrzehnte verschoben sich massiv die Grenzen. Es zeigten sich massive gesellschaftliche Umbrüche, es entstanden Staaten und wurden wieder aufgelöst. Gleichzeitig gibt es in vielen Orten im Osten Sloweniens jedoch eine bemerkenswerte personelle Kontinuität evangelischer Pfarrer – und mit ihr eine Stabilität kirchlichen Lebens, die bis heute prägend ist. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist das Dorf Bodonci. Hier wirkte Karol Šiftar ganze 64 Jahre lang als Pfarrer – von 1895 bis 1959. =>
Advent leuchtet in Zeiten des Wandels
„Ich brauche die Adventszeit jedes Jahr“, gestand Regionalbischöfin Gisela Bornowski im Gespräch mit dem Evangelischen Sonntagsblatt. Die Wochen vor Weihnachten, in denen Kerzen das frühe Dunkel durchbrechen, seien für sie der Moment, in dem die alte Zusage neu aufscheint: „Die Hoffnung auf Christus als Licht der Welt“, die die Vorweihnachtszeit bestimmt, wecke in ihr immer wieder neu „Begeisterung über Gottes Tun“. Es ist eine Kraft, die sie auch gerade jetzt trägt, da sich in der Kirche so vieles verändert. Während in dieser Jahreszeit wohl die Sehnsucht nach Geborgenheit und Zugehörigkeit in eng verbundenen Kreisen steigt, wirken manche ländliche Regionen oft stiller als früher. … =>
Mythen der eigenen Opferrolle überwinden
Kann Versöhnung in Bosnien-Herzegowina gelingen – ausgerechnet durch die Zusammenarbeit von Religionen? Und dies, obwohl sie so eng mit den jeweiligen Volksgruppen verbunden zu sein scheinen, die im Krieg der 1990er Jahre verfeindet waren? Seit 1997 versucht der „Interreligiöse Rat (IRR)“ Verständigung. Stefan Terzić, serbisch-orthodoxer Sekretär des Rates, und der katholische Priester Oliver Jurišić führen die Besucher eindrucksvoll in ihre Arbeit ein. 2013 gab es 50 Prozent Bosniaken im Land (in aller Regel Muslime), 31 Prozent Serben (also Orthodoxe) sowie 15 Prozent Kroaten (meist Katholiken). Gewalt gegen Gotteshäuser geschähe meist dort, wo eine Gemeinschaft in der Minderheit ist, berichten sie – besonders vor Wahlen. =>
Staffelstab übergeben
„Mir geht es nun besser.“ Leon Novak sagte diesen Satz mit spürbarer Erleichterung. Bis zum 1. Advent leitete er die Evangelisch-Lutherische Kirche A. B. in Slowenien – ein Amt, das er sechs Jahre lang zusätzlich zu seiner Aufgabe als Gemeindepfarrer in Murska Sobota ausübte. Die Stadt im Nordosten Sloweniens, mit rund 11.000 Einwohnern ein regionales Zentrum, prägte seinen Alltag ebenso wie übergreifende Kontaktpflege. Leon Novak, Jahrgang 1963, war es wichtig, die Ökumene und den Kontakt zur slowenischen Regierung zu stärken. Und dies, obwohl seine Kirche nur etwa 10.000 Mitglieder in 14 Gemeinden zählt. =>
Zwischen Umbruch und Verantwortung
Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht: Von Seiten des Landeskirchenrates und der Leitung der Evangelischen Kirche in Bayern sowie von Synodenpräsidentin Annekathrin Preidel liegen konkrete Vorschläge auf dem Tisch, wie sich Kirche den Herausforderungen des Wandels im kommenden Jahrzehnt stellen wird. Zu Beginn der letzten Tagung der Landessynode in dieser Sitzungsperiode stellten sie ihre detaillierten Konzepte vor. … =>
„Sonnenbrücke“ aus Spielen und Vertrauen
„Wir feiern alle religiösen Feste zusammen.“ Der Satz von Kindergartenleiterin Aida Kaja klingt schlicht – und ist doch etwas ganz Besonderes. Im Kindergarten „Sunčani most“, der „Sonnenbrücke“ in Mostar, leben Kinder seit über zwanzig Jahren, was im Alltag Bosnien-Herzegowinas ansonsten kaum gelingt: Sie lernen, spielen und feiern miteinander, unabhängig von Herkunft oder Religion. Unter dem Motto „Kleine Träume in sicheren Händen werden zu großen Geschichten“ entdecken hier 40 Kinder gemeinsam ihre Welt. … =>
Dunkelstunden verdichtet
„Ich liebe meines Lebens Dunkelstunden, / in welchen meine Sinne sich vertiefen …“ Dieser Satz tastet sich durch die Schatten. Für den Dichter Rainer Maria Rilke, der am 4. Dezember 1875 das Licht der Welt erblickte, ist er beileibe nicht beiläufig. Nein, ein Schlüssel zu ihm selbst – und zu seinem ersten reifen Werk, dem „Stundenbuch“. Dies entstand aus einem inneren Sog – als sei er „von einer einzigen großen Klangbewegung fortgerissen worden“, wie Rilke später schrieb. Im Herbst 1899 brauchte er keinen Monat für den ersten, den umfangreichsten und vielfach stärksten Reigen. … =>
Am Ende allein – muss das sein?
„Einsamkeit vermeiden“ – das einfachste Rezept für eine halbwegs gutes Sterben, um nicht der kalten Logik der Apparate ausgeliefert zu sein, meint Medizinethikerin Alena Buyx. Welches medizinische Handeln ist noch sinnvoll oder verursacht zu viele Schmerzen. Da können die Angehörige für den Kranken sprechen. Ehepartner stehen inzwischen sowieso füreinander ein. Da hilft es, sich zuvor auch über die jeweiligen Vorstellungen an der Grenze ausgetauscht zu haben. Andere nahestehende Menschen lassen sich durch eine Vorsorgevollmacht in diese Aufgabe einsetzen. … =>
