Zwischen Kanzel und Krone

Paul Gerhardt neu betrachtetPaul Gerhardt schrieb nicht nur besinnliche oder sinnenfrohe Lieder – er stand auch inmitten eines erbitterter Kampf um Wahrheit, Macht und das richtige Verständnis des evangelischen Glaubens: Berlin, die Hauptstadt Brandenburg-Preußens, erschien bereits in den 1660er Jahren als eine gespaltene Stadt. Während die Bevölkerung überwiegend lutherisch betete, bekannte sich das preußische Herrscherhaus seit Generationen zum reformierten Glauben. Bereits Johann Sigismund, der Großvater des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, war vom Luthertum zum reformierten Bekenntnis übergetreten. Damit begann eine konfessionelle Spannung, die das Land jahrzehntelang prägen sollte: hier die reformierte „Hof- und Beamtenreligion“, dort die lutherisch-orthodoxe Mehrheit der Untertanen. =>