Digitale Zwillinge oder Avatare, also virtuelle Abbilder von Verstorbenen, eröffnen neue Möglichkeiten, Erinnerungen zu bewahren – und werfen zugleich tiefgreifende ethische, psychologische und ökonomische Fragen auf. Die Idee, mit einem geliebten Menschen sprechen zu können, auch wenn dieser längst tot ist, fasziniert viele und erscheint tröstlich. Gleichzeitig erscheint es als unheimlich, mit einer Person zu sprechen, die nicht mehr auf dieser Erde weilt: Die Stimme klingt vertraut. Warm, ruhig, ein wenig ironisch, wie immer. Sie erzählt Anekdoten aus einem längst vergangenen Urlaub – wie die Frau vor dem Bildschirm als kleines Mädchen bei einer Bergwanderung auf einer glitschigen Brücke dermaßen herumturnte, dass es fast in den kalten Bach gestürzt wäre. Gerade rechtzeitig konnte ihr Vater sie noch halten. … =>
Zwischen Trost und Täuschung
Wollte sie mit ihm Kontakt aufnehmen? Auf ein Selbstporträt des amerikanischen Fotographen William H. Mumler schmuggelte sich bereits um 1860 eine verschwommene Frauengestalt. Sie war gar nicht bei der Aufnahme dabei gewesen. Zunächst glaubte Mumler darin den Geist seiner verstorbenen Cousine zu erkennen: Wollte sie mit ihm über das magische Medium der Fotoplatte in Verbindung bleiben? Nach dem ersten wohligen Grusel erkannte der Profi: Es war eine versehentliche Doppelbelichtung einer Fotoplatte, die er nicht gründlich gereinigt hatte. Kein Porträt einer Toten, dafür die Geburt einer Geschäftsidee. =>
Geborgen im Kokon
Ist es eine schonende und nachhaltige Rückkehr der Körper in den Kreislauf der Natur? Ein „würdevoller Abschied“, wie Pröpstin Almut Witt vom Kieler Kirchenkreis Altholstein meint? Oder bedeutet die „Reerdigung“ gerade eine Verletzung der „Würde des Verstorbenen und des Pietätsempfindens der Allgemeinheit“, wie es der gerade aus dem Amt geschiedene bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek formulierte? Als eine seiner letzten Amtshandlungen legte er gegenüber dem Bestatterverband Bayern dar, dass diese Bestattungsform „in Bayern grundsätzlich nicht zulässig“ sei. Doch warum ist sie umstritten? =>
Aufbewahrt für die Ewigkeit?
Vor nunmehr 20 Jahren eilte die Polizei an eine abgelegene Stelle in die irische Grafschaft Offaly – zu einem gut erhaltenen Verstorbenen, der offenbar gewaltsam zu Tode gekommen war. Bald stellte sich heraus, dass der Falll vorgeschichtlich war: Der nach seinem Fundort benannte Old Croghan Mann starb zwischen 362 und 175 vor Christus. Sie blieben wirklich fast für die Ewigkeit: Moorleichen wie der Old Croghan Mann wurden oft zufällig, etwa beim Torfstechen, entdeckt. Der Luftabschluss und das saure Milieu der Torfmoose ließ zu, dass die Haut und die inneren Organe gut erhalten blieben, wenn auch verfärbt. Teils lassen sich sogar individuelle Gesichtszüge erkennen. … =>
