Ein halbwüchsiger Junge stiehlt Äpfel auf dem Markt, eine junge Diakonisse folgt ihm nach Hause. Dort findet sie eine verwahrloste Mutter mit zwei Kindern in Not. So ein historischer Film der Evangelischen Bildkammer, eine Abteilung des Landesvereins für Innere Mission in Bayern. Er trägt den Titel „Einer trage des anderen Last“. Auch die Polizei fügt sich in dieses Bild: Und dies dann noch, als der Jugendliche schließlich ein Fahrrad stiehlt. Sie erscheint als Freund und Helfer. Anstatt ihn zu bestrafen, bringt sie ihn in einer Fürsorgeeinrichtung unter. Dort lernt er das Schreinerhandwerk. Selbst seine Mutter wird wieder produktiv. Die jüngere Schwester erfährt Unterstützung in einer Kindertagesstätte. Später kann unser Jugendlicher die Werkstatt seines Lehrherrn übernehmen, dessen Tochter körperlich behindert ist. Aus Not wird Ordnung – alles gut. Irritierend bleibt da nur das Jahr, in dem der Film gedreht wurde. … =>
Zwischen Glaube und Gehorsam
„Eiskalt sind die!“ Selbst in diesen drei Worten hallt noch das Entsetzen nach. So beschreibt Marie Nicol 1941 in ihrem Tagebuch den Besuch einer Kommission der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen im Diakoniedorf Rummelsberg. Als Ehefrau des damaligen Rummelsberger Rektors Karl Nicol erlebte sie das Ringen um die Überstellung von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen in „Euthanasie“-Einrichtungen hautnah mit. Es war oft ein stiller und einsamer Widerstand: Auch engagierte Christen wie der Rummelsberger Brüderpfarrer Wilhelm Strohm glaubten, mit Hitlers Machtergreifung sei „das Reich Gottes aufgebrochen“. =>
Wanderungen im Glockenschlag der Zeiten
Die Glocke aus Breslau zeigt, was die Stunde geschlagen hat: Museumsleiter Thomas Greif im Rummelsberger Diakoniemuseum versetzt sie in Schwingungen, denn sie bildet dort einen Mittelpunkt der Ausstellung „Evangelische Migrationsgeschichte(n)“. Nach dem Beginn der dortigen Schau ziehen jetzt Protestantische Museen europaweit mit ihren jeweiligen Perspektiven nach. Seit Jahrhunderten stellten Menschen ihre Religion über ihre Heimat. In den Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen Nationale Gründe die Oberhand. Doch die Diakonissen trugen ihre Glocke nicht selbst bis nach Unterfranken, gibt Greif zu. Sie ist nämlich derart schwer, dass sie sich kaum von einer Person anheben lässt. … =>
Überfremdung, Dankopfer oder Austausch?
Fast drei Jahrhunderte und der ganze Weltkreis sind auf wenigen Quadratmetern vereint: Das Rummelsberger Diakoniemuseum hat die neue Ausstellung „Ferne Nächste“ im Diakoniemuseum in Rummelsberg eröffnet. Ein Berg an klobigen Koffern und Reisekisten zieht die Gäste in die Ausstellung hinein. Es sind originale Gepäckstücke der Missionare, mit denen sie in alle Welt unterwegs waren. Was hatten die ausgesandten Missionare und Diakonissen, Ärztinnen und Piloten im Gepäck? Die christliche Botschaft sicher. Daneben aber auch umfangreiche medizinische Kenntnisse und umfassende Hilfsbereitschaft. Im Untertitel vermeidet die Schau bewusst das Wort „Mission“, sondern präsentiert „Weltweite Diakonie aus Bayern“. =>
