„Der Weg wird sich zeigen!“ Da ist sich Gerlinde Tröbs sicher. Die langjährige Referentin am Religionspädagogischen Zentrum (RPZ) Heilsbronn sieht bereits jetzt den Beginn vieler Veränderungen in den Weiten des Religionsunterrichts. Die Stellen für die Arbeit mit Jugendlichen umfassen zunehmend ganze Regionen: Religionspädagoginnen oder Katecheten müssen ihren Auftrag zwischen immer mehr Gemeindehäusern und Schulen eines Dekanats oder einer Region ihrer heimischen Großstadt aufteilen. Der Ganztagesbereich in Schulen wird ausgebaut: Lassen sich da nicht Arbeitsgemeinschaften und Neigungsgruppen auch im gesellschaftspolitische Bereich unter religiösen Fragestellungen anbieten? Und wie sieht es mit dem ökumenischen Religionsunterricht aus? =>
Gaben dieses Jahres
„Sind ein paar Hoffnungen zerronnen? / War dies und jenes Lug und Trug?“ So sang der Liedermacher Reinhard Mey bereits vor Jahrzehnten in seinem Lied „Ich denk‘ es war ein gutes Jahr“. Da war 2024 geradezu denkwürdig! Soviel zeigt schon dieser frühe Rückblick – trendgetreu schon lange vor Silvester. Da braucht man gar erst nicht die Gaben des Nikolaus abwarten!
Besonders gelungene Treffen im ansonsten trüben November sind inzwischen Klima- oder Artenschutzkonferenzen! Zu ihnen fliegen Zehntausende hin – und zwar eher nicht im Schlitten des Weihnachtsmannes, den die luftigen Rentiere halbwegs biologisch „über den Wolken“ halten. =>
„Lieber obdachlos als hoffnungslos“
„Hinter jedem Obdachlosen steht ein Mensch!“. So beschreibt Roland Pfaffelhuber als Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Rothenburg ob der Tauber seine vernetzten Perspektiven. Denn gleichzeitig beinhaltet seine Dienststelle auch den Bereich „Soziales“. Beim Fachtag der Diakonie Ansbach zum Thema „Obdachlosigkeit als Herausforderung in ländlichen Kommunen“ berichtete er eindrücklich davon, wie sich in der Tauberstadt auch Ehrenamtliche auf diesem Gebiet engagieren: Neben den Fachkräften suchen sie ebenfalls wohnungslose Menschen in ihrer Notunterkunft auf: Sie kümmern sich wöchentlich um ein gemeinsames und nachhaltiges Essen, helfen bei Behördengängen – oder besorgen jetzt im Advent einen Weihnachtsbaum. =>
Bestimmen Verluste aktuelle Weltdeutung?
Alles wird besser! Habt nur noch ein klein wenig Geduld! In ein paar Jahren oder allerspätestens in der übernächsten Generation beginnt das Paradies auf Erden für alle! Jeder konnte gewinnen – was fiel da noch ins Gewicht, was verloren ging? Mit diesem Versprechen trat die Moderne an, so Andreas Reckwitz. Doch sie verdrängte den „Verlust“, so der Untertitel seines aktuellen Buches. Nun feiert er Auferstehung und hat sich in „Ein Grundproblem der Moderne“ verwandelt, so der Untertitel dieses Buches. Nach der Aufklärung sollte sich das Licht vernünftigen Denkens unaufhörlich ausbreiten. Die Industrialisierung bot immer mehr Infrastruktur und Güter an, die das Leben einfacher machten. … =>
Holprige Reime eines unruhigen Geistes
Erst wollte er unbedingt die Verehrung Marias als besondere Wunderheilerin durchsetzen – und ließ dazu die damalige Rothenburger Synagoge enteignen. Wenige Jahre später predigte er genauso engagiert für die Reformation! Was ist von solch einem Prediger zu halten? Seine Leidenschaften waren Johannes Teuschlein jedoch offenbar bitter ernst. Zum Wunderwirken Mariens verfasste Teuschlein eigens ein gereimtes Mirakelbuch in frühneuhochdeutscher Sprache. Der Theologe und Reformationshistoriker Gerhard Simon hat lange danach gesucht. Er fand endlich ein Druck-Exemplar in Krakau wieder. Dorthin lagerte es die Berliner Staatsbibliothek kriegsbedingt aus. Es hat keine Verfasserangabe. Doch es herrscht Einigkeit: Nur Teuschlein kann es gedichtet haben. =>
„Die jüdische Wunde“
Zwei betagte Herren befinden sich im angeregten Gespräch miteinander. Die Welt um sich herum scheinen sie völlig vergessen zu haben. Es könnte eine Alltagsszene sein – wenn diese beiden Männer nicht unschwer an ihrer Kleidung als orthodoxe Juden zu erkennen wären. Und mindestens die Kleidung des sitzenden Mannes deutlich abgewetzt zu sein scheint. Unter diesem Titelbild brachte der „Spiegel Geschichte 4/2019“ sein Heft „Jüdisches Leben in Deutschland“ heraus. Und Natan Sznaider beginnt sein aktuelles Buch „Die jüdische Wunde“ mit einer intensiven Besprechung dieses Bildes. Denn diese Szene mag „in Deutschland“ stattgefunden haben, doch ist sie wirklich repräsentativ für „Jüdisches Leben“ hierzulande – und für „Die unbekannte Welt nebenan“ (so der Untertitel des Spiegel-Heftes)? … =>
Geschärfte Argumente gegen Antisemitismus
Ist das Phänomen nicht selbsterklärend? Diese Frage stellte Jan Philipp Reemtsma fast etwas provozierend an den Beginn seines Vortrags über die „Grundmechanismen des Antisemitismus“. Welche neuen Argumente brachte der Vortrag nun? Wer sich mit dieser „konstantesten Ideologie des Abendlandes“ (Reemtsma) schon einmal beschäftigt hat, erfuhr wenig historisch Neues. Eine neue Erklärung wollte er nicht bieten, so Reemtsma. Er brachte die Argumente aber auf den Punkt, wo sonst Sprachlosigkeit zurückbleibt. … =>
Bauernkrieg als Baby des Buchdrucks
Es braute sich schon länger etwas zusammen: Heilsverlangen und Höllenangst, neuartige Krankheiten und vielfältige Krisen einer Umbruchszeit, Naturkatastrophen und himmlische Wunderzeichen führten vor 500 Jahren dazu, dass die Unterdrückten gegenüber der herrschenden Ungerechtigkeit aufbegehrten. In seinem aktuellen Werk „Der Bauernkrieg. Ein Medienereignis“ stellt der Kirchenhistoriker ein umfassendes Bild der Umbrüche 1524/25 dar. Prophetische Warnungen vor diesem besonderen Unheilsjahr reichten teils eine ganze Generation zurück: Da nennt Kaufmann eine 1488 erschienene „Prognosticatio“ des Astrologen Johannes Lichtenberger: Orakel weisen für diesen auf kommendes Unheil hin – bevor sich Martin Luther überhaupt 1490 in die Mansfelder Lateinschule begab. … =>
„Ihr schafft es, denn ich habe es geschafft“
Zehn Kilometer lang war ihr Schulweg – einfache Strecke zu Fuß. Doch nicht die Entfernung setzte Naomi Kirsten-Hurtig zu, sondern die Gefahren unterwegs. Denn unterwegs musste die gebürtige Kenianerin zusammen mit weiteren Kindern auf einen schmalen Steg einen reißenden Fluss überqueren. Unten lauerten die Krokodile. Ein Mitschüler verlor das Gleichgewicht …
Das soll keinem Kind mehr passieren. So setzt sich Naomi Kirsten-Hurtig heute von Burgbernheim aus für ihre Heimatregion Tigithi knapp 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nairobi im kenianischen Busch ein. Im September ehrte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sie mit einer Einladung zu einem feierlichen Empfang im Schloss Bellevue. Damit würdigte er ihre unermüdliche Arbeit. Dort begegnete Naomi Kirsten-Hurtig auch dem Präsidenten Kenias … =>
Prickelnde Wahl
Prickelnd fällt es mir entgegen: Das Tütchen mit Brausepulver, das sich in meinem Gemeindebrief versteckte. „Stimm für die Kirche“, gehe zur Kirchenvorstandswahl, das ist seine Botschaft – eine kleine Erfrischung statt großer Worte. Es durchdringt das Wasser und gibt ihm erfrischenden Geschmack. Ebenso bringen die Kandidierenden ganz unterschiedliche Gaben sowie erfrischende Ideen und Impulse in die Arbeit der Kirchengemeinden mit. Ihre Erfahrungen wirken zusammen. Wie das Brausepulver erst im Wasser Geschmack gewinnt, so können die Engagierten im Zusammenspiel miteinander ihre Kräfte entfalten. =>
