„Gedenke (lateinisch: Reminiscere), Herr, an deine Barmherzigkeit“. So lautet das Motto des zweiten Sonntags in der Passionszeit nach Psalm 25. In diesem Jahr soll insbesondere der Menschen in Syrien gedacht werden: nach 13 Jahren des furchtbaren Bürgerkriegs und ein Jahr nach dem Sturz des Diktators und der Übernahme der Übergangsregierung ist die Unsicherheit nach wie vor sehr groß: Der Blick in die Gegenwart ist ernüchternd. Der gesamte Mittlere Osten ist von tiefgreifenden Krisen gezeichnet. Krieg, Vertreibung, wirtschaftliche Not und gesellschaftlicher Druck haben die christlichen Gemeinschaften massiv geschwächt. In Syrien bekannten sich vor Beginn des Krieges 2011 noch rund elf bis zwölf Prozent der Bevölkerung zum christlichen Glauben. Heute gehen Schätzungen davon aus, dass es kaum mehr als ein bis zwei Prozent sind. Viele sind geflohen. Der Stolz auf die eigene Tradition mischt sich mit Angst vor der Zukunft. =>
Brücken bauen in stürmischen Zeiten
„Für 96 Prozent der Bevölkerung ändert sich gar nichts.“ Der Satz des damaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz klang nüchtern. 2019 verlor der Karfreitag in der Alpenrepublik seinen Status als gesetzlicher Feiertag für evangelische Christen: Aus staatlicher Sicht war dies eine rechtliche Anpassung, aus wirtschaftlicher Perspektive eine pragmatische Lösung. Seitdem ist der Karfreitag nur noch ein „persönlicher Feiertag“, an dem sich Menschen zwar frei nehmen dürfen, wenn sie dies mit einem Urlaubstag bezahlen. Also so ähnlich wie der Buß- und Bettag hierzulande – der Wirtschaft geopfert, so der Vorwurf. =>
Den Geruch der Vergangenheit erschnuppern
Es beginnt kaum merklich. Ein Hauch von Weihrauch liegt in der Luft – und plötzlich öffnet sich das Hier und Jetzt zu längst vergessenen Szenen. Düfte wirken leise, aber nachhaltig. Ein Geruch genügt, und längst vergessene Bilder oder Gefühle kehren zurück. Auf diese unsichtbare Macht setzt die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“ im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lädt zu einer Reise ein, bei der Geschichte nicht betrachtet, sondern gerochen wird. Der Mensch verfügt über mehr als 400 Geruchsrezeptoren und kann Tausende von Duftnuancen unterscheiden. Und doch gilt der Geruchssinn in der westlichen Kultur als der am meisten unterschätzte. Sehen und Hören dominieren unsere Wahrnehmung, während die Nase oft nur als Warnsystem dient. Die Ausstellung stellt diese Hierarchie auf den Kopf – und zeigt, dass Gerüche seit jeher Kultur, Religion, Macht und Erinnerung geprägt haben. =>
Trost bleibt, auch wenn das Gedächtnis geht
„Für mich ist das Trost. Ein echter Trost“, so Landesbischof Christian Kopp zum Psalm 23 in stiller Gewissheit. Und weiter: „Er löst nicht alle Probleme, aber ich spüre die Gewissheit: Ich bin gehalten. In Gottes Hand, in seiner Liebe und der Verbindung mit ihm, die trägt.“ Genau diese Erfahrung von Getragensein steht im Zentrum einer Initiative der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Diakonie Bayern – und sie gewinnt angesichts der alternden Gesellschaft eine neue Dringlichkeit. Denn während das Gedächtnis nachlässt, bleiben vertraute Worte oft erstaunlich präsent. Da erinnern sich Menschen mit Demenz an Psalmen, Gebete und Lieder aus ihrer Kindheit. Der Psalm 23 gehört für viele dazu. Es sind Worte, die tragen, wenn Orientierung schwindet. Kirche ist eine Gemeinschaft, die Menschen hält. Menschen mit Demenz sind trotz des eigenen Gedächtnisverlustes aufgehoben in der Erinnerungsgemeinschaft der Kirche. … =>
Vergangener Alltag neu aufbereitet
Was bewegte die Menschen in Bayern vor knapp 200 Jahren? Wie lebten sie, worüber stritten sie, was machte ihnen Sorgen – und was Hoffnung? Antworten darauf finden sich auch in Texten, die Pfarrer mit spitzer Feder und wachem Blick verfassten. Diese sogenannten Pfarrbeschreibungen sind nun vollständig digitalisiert und öffentlich zugänglich: ein Schatz für Forschung, Heimatkunde und alle, die sich für das Alltagsleben früherer Generationen interessieren. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hielten evangelische Pfarrer in ganz Bayern fest, wie es in ihren Gemeinden zuging. Sie berichteten von Familienleben und Frömmigkeit, von wirtschaftlicher Lage und sittlichem Wandel – aber auch von politischem Engagement, Bildungsfragen und lokalen Konflikten. Was dabei entstand, ist alles andere als „knochentrockenes bürokratisch‑administratives Material, sondern packender Lesestoff“ … =>
Gebauter Glaube – gemachte Geschichte
Als Friedrich Wilhelm III. (1797–1840) im Herbst 1825 Magdeburg besuchte, blickte er auf einen Dom, der mehr Ruine als Ruhmeszeichen war. Mauern waren verwittert, Dächer schadhaft: Spuren von Verwahrlosung überall. Während der napoleonischen Besatzung hatte das Gotteshaus als Militärmagazin gedient, teils sogar als Schafstall. Dabei soll ein einfacher Schäfer im 13. Jahrhundert die Erbauung des Magdeburger Doms möglich gemacht haben – so wurde es damals dem Preußenkönig erzählt. Seine Hütehunde fanden einen Schatz, den der Hirte dann selbstlos für den Dombau stiftete. Der Beweis: eine verwitterte Skulptur mit Hirten und Tieren, in denen sich sogleich die findigen Hunde entdecken ließen. Diese Geschichte appellierte an die Verantwortung für ein überzeitliches Werk. Damit rannten die Magdeburger beim preußischen König offene Türen ein. … =>
Verborgener Glaube – offener Mut
Anfang 1526 betrat ein evangelischer Prediger die Stadt Villach. Er übernahm die Stadtpfarrkirche St. Jakob. Möglich gemacht hatte das Sigmund von Dietrichstein, Statthalter der innerösterreichischen Lande. Doch die Bürgerschaft hatte die Anstellung zuvor beschlossen. Die reformatorischen Gedanken waren vor 500 Jahren längst in Kärnten angekommen. Schon wenige Wochen nach Luthers Thesenanschlag hatte sich Georg Krainer aus Villach in Wittenberg als Theologiestudent eingeschrieben. Nach seiner Rückkehr wurde er evangelischer Pfarrer bei Villach. Reformation ist längst nicht nur ein fernes Echo zu einem runden Jubiläum – sie hatte Gesichter, Namen, Orte. Auch eine Delegation des Gustav-Adolf-Werkes (GAW) aus Leipzig konnte diese Spuren entdecken. … =>
