Trost bleibt, auch wenn das Gedächtnis geht

Zeichnung aus dem Kunstprojekt zu Psalm 23, in der Broschüre „Vertrauen finden im Vertrauten“ zum Demenz-Schwerpunkt der ELKB. Repro: evso„Für mich ist das Trost. Ein echter Trost“, so Landesbischof Christian Kopp zum Psalm 23 in stiller Gewissheit. Und weiter: „Er löst nicht alle Probleme, aber ich spüre die Gewissheit: Ich bin gehalten. In Gottes Hand, in seiner Liebe und der Verbindung mit ihm, die trägt.“ Genau diese Erfahrung von Getragensein steht im Zentrum einer Initiative der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Diakonie Bayern – und sie gewinnt angesichts der alternden Gesellschaft eine neue Dringlichkeit. Denn während das Gedächtnis nachlässt, bleiben vertraute Worte oft erstaunlich präsent. Da erinnern sich Menschen mit Demenz an Psalmen, Gebete und Lieder aus ihrer Kindheit. Der Psalm 23 gehört für viele dazu. Es sind Worte, die tragen, wenn Orientierung schwindet. Kirche ist eine Gemeinschaft, die Menschen hält. Menschen mit Demenz sind trotz des eigenen Gedächtnisverlustes aufgehoben in der Erinnerungsgemeinschaft der Kirche. … =>

Vergangener Alltag neu aufbereitet

Dr. Alexandra Lutz, die Leiterin des Landeskirchlichen Archivs, und ihr Stellvertreter Dr. Daniel Schönwald bei der Vorstellung der Pfarrbeschreibungen. Foto: LAELKBWas bewegte die Menschen in Bayern vor knapp 200 Jahren? Wie lebten sie, worüber stritten sie, was machte ihnen Sorgen – und was Hoffnung? Antworten darauf finden sich auch in Texten, die Pfarrer mit spitzer Feder und wachem Blick verfassten. Diese sogenannten Pfarrbeschreibungen sind nun vollständig digitalisiert und öffentlich zugänglich: ein Schatz für Forschung, Heimatkunde und alle, die sich für das Alltagsleben früherer Generationen interessieren. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hielten evangelische Pfarrer in ganz Bayern fest, wie es in ihren Gemeinden zuging. Sie berichteten von Familienleben und Frömmigkeit, von wirtschaftlicher Lage und sittlichem Wandel – aber auch von politischem Engagement, Bildungsfragen und lokalen Konflikten.  Was dabei entstand, ist alles andere als „knochentrockenes bürokratisch‑administratives Material, sondern packender Lesestoff“ … =>

Gebauter Glaube – gemachte Geschichte

Die im Jahr 1827 erneuerte Skulptur der Hunde, die angeblich einen Schatz zum Magdeburger Dombau fanden. Foto: BoréeAls Friedrich Wilhelm III. (1797–1840) im Herbst 1825 Magdeburg besuchte, blickte er auf einen Dom, der mehr Ruine als Ruhmeszeichen war. Mauern waren verwittert, Dächer schadhaft: Spuren von Verwahrlosung überall. Während der napoleonischen Besatzung hatte das Gottes­haus als Militärmagazin gedient, teils sogar als Schafstall.  Dabei soll ein einfacher Schäfer im 13. Jahrhundert die Erbauung des Magdeburger Doms möglich gemacht haben – so wurde es damals dem Preußenkönig erzählt. Seine Hütehunde fanden einen Schatz, den der Hirte dann selbstlos für den Dombau stiftete. Der Beweis: eine verwitterte Skulptur mit Hirten und Tieren, in denen sich sogleich die findigen Hunde entdecken ließen. Diese Geschichte appellierte an die Verantwortung für ein überzeitliches Werk. Damit rannten die Magdeburger beim preußischen König offene Türen ein. … =>

Verborgener Glaube – offener Mut

Abguss einer Felsgravur im Evangelischen Diözesanmuseum Fresach, die den verborgenen Eingang der so genannten „Hundskirche“ kennzeichnet. Foto: BoréeAnfang 1526 betrat ein evangelischer Prediger die Stadt Villach. Er übernahm die Stadtpfarrkirche St. Jakob. Möglich gemacht hatte das Sigmund von Dietrichstein, Statthalter der innerösterreichischen Lande. Doch die Bürgerschaft hatte die Anstellung zuvor beschlossen. Die reformatorischen Gedanken waren vor 500 Jahren längst in Kärnten angekommen. Schon wenige Wochen nach Luthers Thesenanschlag hatte sich Georg Krainer aus Villach in Wittenberg als Theologiestudent eingeschrieben. Nach seiner Rückkehr wurde er evangelischer Pfarrer bei Villach. Reformation ist längst nicht nur ein fernes Echo zu einem runden Jubiläum – sie hatte Gesichter, Namen, Orte. Auch eine Delegation des Gustav-Adolf-Werkes (GAW) aus Leipzig konnte diese Spuren entdecken. … =>

Gewalt als letztes Mittel oder Anmaßung?

Reiner Anselm mit der Denkschrift. Foto: epd/FSie soll zu weiteren Diskussionen anregen. So beschreibt Dr. Reiner Anselm das Anliegen der neuen „Friedensdenkschrift“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Münchner Professor für Theologische Ethik leitete das Redaktionsteam, das die Denkschrift erarbeitete. Seit ihrer Vorstellung im November 2025 wird sie intensiv diskutiert – unter anderem in der Evangelischen Stadtakademie Nürnberg.  Dort traf Anselm auf einen ebenso profilierten Kritiker: Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, pensionierter badischer Landesbischof und aktuell Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Vor einem gut besuchten Saal sowie rund 40 online zugeschalteten Teilnehmenden stellte Anselm zunächst die Intention der Denkschrift vor. Leider war die Tonqualität der Online-Übertragung sehr schlecht, so dass sie nur eingeschränkt nutzbar war. Doch gibt es nun bedenkenswerte Diskussionsbeiträge zur Denkschrift. =>

Dunkle Seite der bunten Fenster und Altäre

Tobias Göttfert als PreisträgerZwischen den hohen gotischen Fenstern, leuchtenden Farben und den weltberühmten Schnitzwerken Tilman Riemenschneiders überwältigt der Gesamteindruck der spätgotischen Rothenburger St. Jakobs-Kirche. Kaum jemand rechnet in dem erhabenen Gotteshaus mit Irritationen. Und doch sind sie da – verborgen in frommen Bildern.  Für Tobias Göttfert sind sie unübersehbar: Der 27-jährige Rothenburger engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in der Gemeinde. Als Kirchenführer steht er immer wieder vor denselben Altären und Fenstern. =>

Leise Zeugen zwischen Zerfall und Zukunft

Zerstörter Grabstein auf dem jüdischen Friedhof SchopflochEs gleicht einem Wiedersehen mit alten Bekannten: Das Überblickswerk „Spuren jüdischen Lebens in Bayern“ versammelt viele Projekte zum Judentum vor Ort aus den letzten Jahren: Die Inventarisierung von Grabsteinen auf dem Jüdischen Friedhof in Schopfloch. Die Aufarbeitung von sogenannten Genisa-Funden – also von zerschlissenen liturgischen Texten in hebräischer Sprache in alten Landsynagogen Frankens. Dieser schmale aber gehaltvolle Band krönt das Wirken einer Arbeitsgruppe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die sich seit 2021 – zu den Jubiläumsfeiern anlässlich von 1.700 dokumentierten Jahren jüdischen Lebens in Deutschland – um die reichhaltigen Spuren des Judentums in Bayern gekümmert hat. =>

Kokosnüsse, Kanonen und Karten

Türke auf Dromedar, um 1530.Energisch treibt er sein Dromedar an. Schließlich will der „Mammaluck“, ein Reiter der osmanischen Truppen, anno 1529 die Be­lagerung Wiens nicht verpassen  (linkes Bild). Auch Nürnberger Lands­knechte waren vor Ort. Als Kriegstrophäe brachten sie ein solches „Camel thier“ mit an die Pegnitz. Bei Hans Guldenmund konnten es alle für drei Pfennig besichtigen. Die Zeiten überdauert hat es als Druckblatt, dass Guldenmund ebenfalls verlegte. Es illustriert die weitreichenden Beziehungen Nürnbergs zwischen 1300 und 1600. Eine Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum (GNM) zeigt bis zum 22. März, wie eng die Stadt bereits im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit vernetzt war … =>

Langer Atem im Grenzland der Geschichte

Enno Haaks vom deutschen Gustav-Adolf-Werk mit Pfarrer Simon Sever in BodonciWer heute durch das sanfte Hügelland der Region Prekmurje im äußersten Nordosten Sloweniens fährt, ahnt kaum die tiefgreifenden Wechselfälle der Geschichte dort. Innerhalb weniger Jahrzehnte verschoben sich massiv die Grenzen. Es zeigten sich massive gesellschaftliche Umbrüche, es entstanden Staaten und wurden wieder aufgelöst.  Gleichzeitig gibt es in vielen Orten im Osten Sloweniens jedoch eine bemerkenswerte personelle Kontinuität evangelischer Pfarrer – und mit ihr eine Stabilität kirchlichen Lebens, die bis heute prägend ist. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist das Dorf Bodonci. Hier wirkte Karol Šiftar ganze 64 Jahre lang als Pfarrer – von 1895 bis 1959. =>

Advent leuchtet in Zeiten des Wandels

Regionalbischöfin Gisela Bornowski. Foto: Borée„Ich brauche die Adventszeit jedes Jahr“, gestand Regionalbischöfin Gisela Bornowski im Gespräch mit dem Evangelischen Sonntagsblatt. Die Wochen vor Weihnachten, in denen Kerzen das frühe Dunkel durchbrechen, seien für sie der Moment, in dem die alte Zusage neu aufscheint: „Die Hoffnung auf Christus als Licht der Welt“, die die Vorweihnachtszeit bestimmt, wecke in ihr immer wieder neu „Begeisterung über Gottes Tun“. Es ist eine Kraft, die sie auch gerade jetzt trägt, da sich in der Kirche so vieles verändert. Während in dieser Jahreszeit wohl die Sehnsucht nach Geborgenheit und Zugehörigkeit in eng verbundenen Kreisen steigt, wirken manche ländliche Regionen oft stiller als früher. … =>