Lebenssatte Botschaften „An die Zukunft“

Ausstellung im CPH zu "Lebenssatten Botschaften"Was bleibt von einem Leben im Rückblick? Welche Gedanken tragen, wenn die allermeiste Lebenszeit hinter einem liegt? Und was würde man den kommenden Generationen mitgeben wollen? Diesen Fragen geht die Ausstellung „Botschaften an die Zukunft“ nach – und findet Antworten, die berühren. Die Idee zu diesem Projekt stammt schon aus der Zeit vor der Corona-Pandemie, so Pfarrerin Sonja Dietel von der Evangelischen Altenheimseelsorge im evangelischen Dekanat Nürnberg im Gespräch mit dem Sonntagsblatt. Schon damals kam sie in ein „langes berührendes Gespräch“ mit einem älteren Herrn: Dieser vertraute ihr eine „Kostbarkeit“ zum Thema Frieden an, die wesentlich aus seinem Leben erwachsen war. „Leider wird sie niemand hören außer ihnen“, setzte er hinzu. … =>

Neue Ideen für Gotteshäuser statt Abriss

Landesbischof Christian Kopp und Ludwig Schick auf dem Podium bei der Tagung. Fotos: Borée„Wir müssen erst über den Wert von Kirchen sprechen, bevor wir über ihre Verwertung sprechen“, so der ehemalige Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Fachtagung „Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor – Wer und was bestimmt wirklich über die Zukunft der Kirchen?“ Die Zukunft von Kirchen und Gemeinden werde oft in Zahlen diskutiert: sinkende Mitgliederzahlen, steigende Kosten, weniger Geistliche – für Schick zu eng.  Auch der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp gab sich bei den Kirchengebäuden gelassen: „Wir befinden uns in einem Wandel, aber das ist nicht der erste in der Geschichte der Kirche.“ …=>

Empor gehoben ins Licht

St. Jakobs-Kirche Rothenburg gotische GlasfensterSeelchen, sorgsam gewickelt wie die Säuglinge. Dann wieder erscheinen sie als kleine Figürchen, die in stiller Andacht die Hände falten – während Engel sie vorsichtig emporheben. Hoch oben in den Chorfenstern der St. Jakobs-Kirche in Rothenburg ob der Tauber tauchen sie immer wieder auf: gerettete Seelen, klein und bloß, getragen ins Licht. Erstaunlich ist, wo diese Szenen spielen. Die Künstler arbeiteten für einen Ort, an dem kaum jemand ihre Details erkennen konnte. Die Fenster beginnen erst in zehn Metern Höhe und steigen bis auf siebzehn Meter hinauf. Lange bevor es Ferngläser oder Zoom gab, entfalteten die gotischen Glaskünstler dort oben dennoch ein Panorama der Hoffnung.  … =>

Holz, das Hoffnung atmet

Geschnitztes Kruzifix von Marion JochnerEs war mehr als eine Auftragsarbeit. „Es entwickelte sich im intensiven Gespräch“, erzählt die Holzbildhauerin Marion Jochner aus Oberammergau dem Sonntagsblatt. Daraus entstand ein Kreuz, das genau diese Handschrift des Dialogs trägt (rechts): kein leidender oder sterbender Jesus, sondern er scheint gerade davon herabzusteigen – und streckt den Betrachtenden einladend die Hand entgegen. Kein fernes Leiden, kein erstarrter Schmerz – sondern Bewegung. So gelang es Jochner, den Vorstellungen ihrer Gäste Form und Gestalt zu geben. Und sie entwickelte die Ideen weiter, die aus diesem Austausch entstanden. … =>

Beharrlich, besonnen, beherzt

Wolfgang Hagemann (links) im Jahr 2024 mit dem ehemaligen brasilianischen Kirchenpräsidenten Nestor Friedrich„Innerhalb einer Woche ist das zugesagte Geld vor Ort.“ So direkt und schnell zu helfen, das ist Wolfgang Hagemann wichtig. Ob in Brasilien oder in der ukrainischen Hafenstadt Odessa: Der 81-jährige Pfarrer im Un-Ruhestand weiß, wie wichtig eine schnelle Unterstützung ist. Seit 25 Jahren steht er als Vorsitzender an der Spitze des Martin-Luther-Vereins (MLV) in Bayern – als Nachfolger des Pfarrers und Politikers Hans Roser. Geboren 1945, ist Hagemanns Lebensweg eng mit der Kirche und ihrem weltweiten Wirken verbunden. Früh engagierte er sich in der Jugendarbeit. Und bereits seit 1990 wirkt er ehrenamtlich im Hauptausschuss des Martin-Luther-Verein – zunächst als Schatzmeister und zweiter Vorsitzender, bevor er vor 25 Jahren den Vorsitz übernahm. Der MLV ist ein selbstständiges Diasporawerk in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Vorstand, Hauptausschuss, Mitglieder und Förderer engagieren sich weltweit für lutherische Kirchen und Gemeinden in ausgeprägten Minderheitensituationen. =>

Bleiben, obwohl andere gehen

Schülerinnen an der evangelisch-armenischen Schule in Damaskus. Foto: Haaks (GAW)„Gedenke (lateinisch: Reminiscere), Herr, an deine Barmherzigkeit“. So lautet das Motto des zweiten Sonntags in der Passionszeit nach Psalm 25. In diesem Jahr soll insbesondere der Menschen in Syrien gedacht werden: nach 13 Jahren des furchtbaren Bürgerkriegs und ein Jahr nach dem Sturz des Diktators und der Übernahme der Übergangsregierung ist die Unsicherheit nach wie vor sehr groß: Der Blick in die Gegenwart ist ernüchternd. Der gesamte Mittlere Osten ist von tiefgreifenden Krisen gezeichnet. Krieg, Vertreibung, wirtschaftliche Not und gesellschaftlicher Druck haben die christlichen Gemeinschaften massiv geschwächt. In Syrien bekannten sich vor Beginn des Krieges 2011 noch rund elf bis zwölf Prozent der Bevölkerung zum christlichen Glauben. Heute gehen Schätzungen davon aus, dass es kaum mehr als ein bis zwei Prozent sind. Viele sind geflohen. Der Stolz auf die eigene Tradition mischt sich mit Angst vor der Zukunft. =>

Brücken bauen in stürmischen Zeiten

Superintendent Wolfgang Rehner (links) bei der Tagung in Heiligenhof/Bad Kissingen. Foto: Borée„Für 96 Prozent der Bevölkerung ändert sich gar nichts.“ Der Satz des damaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz klang nüchtern. 2019 verlor der Karfreitag in der Alpenrepublik seinen Status als gesetzlicher Feiertag für evangelische Christen: Aus staatlicher Sicht war dies eine rechtliche Anpassung, aus wirtschaftlicher Perspektive eine pragmatische Lösung. Seitdem ist der Karfreitag nur noch ein „persönlicher Feiertag“, an dem sich Menschen zwar frei nehmen dürfen, wenn sie dies mit einem Urlaubstag bezahlen. Also so ähnlich wie der Buß- und Bettag hierzulande – der Wirtschaft geopfert, so der Vorwurf. =>

Den Geruch der Vergangenheit erschnuppern

Eindruck aus der Düsseldorfer Düfte-Ausstellung. Foto: Melanie Zanin(Kunstpalast)Es beginnt kaum merklich. Ein Hauch von Weihrauch liegt in der Luft – und plötzlich öffnet sich das Hier und Jetzt zu längst vergessenen Szenen. Düfte wirken leise, aber nachhaltig. Ein Geruch genügt, und längst vergessene Bilder oder Gefühle kehren zurück. Auf diese unsichtbare Macht setzt die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“ im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lädt zu einer Reise ein, bei der Geschichte nicht betrachtet, sondern gerochen wird. Der Mensch verfügt über mehr als 400 Geruchsrezeptoren und kann Tausende von Duftnuancen unterscheiden. Und doch gilt der Geruchssinn in der westlichen Kultur als der am meisten unterschätzte. Sehen und Hören dominieren unsere Wahrnehmung, während die Nase oft nur als Warnsystem dient. Die Ausstellung stellt diese Hierarchie auf den Kopf – und zeigt, dass Gerüche seit jeher Kultur, Religion, Macht und Erinnerung geprägt haben. =>

Trost bleibt, auch wenn das Gedächtnis geht

Zeichnung aus dem Kunstprojekt zu Psalm 23, in der Broschüre „Vertrauen finden im Vertrauten“ zum Demenz-Schwerpunkt der ELKB. Repro: evso„Für mich ist das Trost. Ein echter Trost“, so Landesbischof Christian Kopp zum Psalm 23 in stiller Gewissheit. Und weiter: „Er löst nicht alle Probleme, aber ich spüre die Gewissheit: Ich bin gehalten. In Gottes Hand, in seiner Liebe und der Verbindung mit ihm, die trägt.“ Genau diese Erfahrung von Getragensein steht im Zentrum einer Initiative der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Diakonie Bayern – und sie gewinnt angesichts der alternden Gesellschaft eine neue Dringlichkeit. Denn während das Gedächtnis nachlässt, bleiben vertraute Worte oft erstaunlich präsent. Da erinnern sich Menschen mit Demenz an Psalmen, Gebete und Lieder aus ihrer Kindheit. Der Psalm 23 gehört für viele dazu. Es sind Worte, die tragen, wenn Orientierung schwindet. Kirche ist eine Gemeinschaft, die Menschen hält. Menschen mit Demenz sind trotz des eigenen Gedächtnisverlustes aufgehoben in der Erinnerungsgemeinschaft der Kirche. … =>

Vergangener Alltag neu aufbereitet

Dr. Alexandra Lutz, die Leiterin des Landeskirchlichen Archivs, und ihr Stellvertreter Dr. Daniel Schönwald bei der Vorstellung der Pfarrbeschreibungen. Foto: LAELKBWas bewegte die Menschen in Bayern vor knapp 200 Jahren? Wie lebten sie, worüber stritten sie, was machte ihnen Sorgen – und was Hoffnung? Antworten darauf finden sich auch in Texten, die Pfarrer mit spitzer Feder und wachem Blick verfassten. Diese sogenannten Pfarrbeschreibungen sind nun vollständig digitalisiert und öffentlich zugänglich: ein Schatz für Forschung, Heimatkunde und alle, die sich für das Alltagsleben früherer Generationen interessieren. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hielten evangelische Pfarrer in ganz Bayern fest, wie es in ihren Gemeinden zuging. Sie berichteten von Familienleben und Frömmigkeit, von wirtschaftlicher Lage und sittlichem Wandel – aber auch von politischem Engagement, Bildungsfragen und lokalen Konflikten.  Was dabei entstand, ist alles andere als „knochentrockenes bürokratisch‑administratives Material, sondern packender Lesestoff“ … =>