Der Wind trägt tatsächlich ….

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern„Es gleitet voran!“ Welch ein Glücksgefühl jedes Mal neu! Wieder einmal trägt mich der See, spüre ich den Luftzug in den Haaren! Das Segel ziehe ich nach hinten – der Wind greift tatsächlich danach! Wunderbar, er tut, was er soll! Der Brombachsee ist mein Sommerrevier. Gut erreichbar, beschattet vom Wald.

Die malerische Bucht ist so beschaulich, dass sie selbst der Wind nicht immer findet. Dann heißt es, Brett und Segel ins offene Gewässer zu ziehen. Hinauf, den Stand ausrichten und das Segel … –  nein, erst den Wind suchen: Das Segel senkrecht zum Brett nach  unten senken: Wohin dreht es sich? Dann führe ich das Segel nach hinten, bis der Wind nach ihm greift. Ist das Windsurfen nicht ein herrliches Gleichnis auf das Leben? 

Verstrickung oder gar Schuld?

Kunstvilla-Leiterin Andrea Dippel erklärt vor dem Webteppich „Begegnung“ (1937) von Irma Goecke die Ideen zur Ausstellung „Grauzonen“Um Anerkennung kämpfte sie mit allen Mitteln: Irma Goecke (1895–1976) lebte für die Kunst. Als Frau und wegen ihrer teils französisch-belgischen Herkunft hatte sie es nach 1918 und besonders nach 1933 doppelt schwer Fuß zu fassen. Irma Goecke wich in die Textilkunst aus (Bild oben). Sie sprengte als aktive Künstlerin das Frauenbild der Nazis. Dabei war sie von 1941 bis 1966 künstlerische Leiterin der Nürnberger Gobelin-Manufaktur.  andelten Irma Goecke und ihre Weggefährten verantwortungslos? Viele von ihnen hatten davon profitiert, dass für Förderung und Ankauf ihrer Werke Platz frei geworden war.  =>

„Achsenzeit“ drehte religiöse Ideen

„Der Prophet“ von Jakob Steinhardt im Berliner Centrum Judaicum (Detail). Foto: epd/F„Der Ursprung der Religion“ – einfach mal so erklärbar? Nein, schnell bestimmt nicht. Robert N. Bellah benötigt dafür in seinem gleichnamigen Buch rund 900 Seiten. Das erste Fünftel besteht aus einer intensiven Einleitung. Wörtlich geht der amerikanische Soziologe († 2013) zum Urknall zurück. Der Mensch ist in seinem Werk  eingebunden in die Entwicklung des gesamten Lebens. Ein Durchlauf durch die Evolution und tierische Verhaltensformen folgt: Spiel und Ritual ähneln sich dabei in ihrer Ausrichtung und ihrer entlastenden Funktion. Bellah interessiert sich da besonders für die normative Prägung der Gesellschaft. Dies geschieht nun durch eine religiöse, aber übergreifende und identitäts- stiftende Überzeugung. Sie wird durch gemeinsame Symbole und Riten gestärkt. Dann aber geschah der Umbruch … =>

Mit Debora und Salomo im Gleichgewicht

Bibelyoga im Rothenburger Wildbad mit Günter Kusch und Andrea KönigTräumen mit Salomo – aufwachen mit Debora? Wie die Richterin im alten Israel konnten sich die Teilnehmenden der Fortbildung „Die Bibel sportlich nehmen“ aufrichten, auf den Weg machen und ihren Kampf beginnen. Im Rothenburger Wildbad aktivierten Dehnübungen für die Waden nicht nur die Unterschenkel. Nein, sie halfen besser als eine Tasse Kaffee, um neue Energie in sich zu spüren. Debora saß im vorstaatlichen Israel (Richter 4 und 5) zunächst auf einem Gebirge unter einer Palme und traf Entscheidungen in vielen Lebensfragen: Dann stand sie auf gegen die Unterdrücker des Volkes =>

Johannisnacht als Wendepunkt gegen Verblendung

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernBöse Geister schienen erwacht zu sein: Bei einem besonders blutigen Tanz um das Johannisfeuer – damals vor genau hundert Jahren: Am 24. Juni 1922 ermordeten Rechtsradikale Außenminister Walter Rathenau nach jahrelangen Hassdrohungen. Trotzdem lehnte er Polizeischutz ab. „Warum sucht denn jemand sein Glück in der Verfolgung seines Nächsten?“, so fragte er einst. „Weil es ihn tröstet und erhebt, sich über andere zu stellen. Glückliche Menschen sind das nicht.“ =>

Gottes Tun – erweckt mir alle Sinnen

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernWarum bis zum Ende durchhalten? Bis zur 12. Strophe schaffen es nur wenige Chöre und Gemeinden. „Doch gleichwohl will ich, weil ich noch / hier trage dieses Leibes Joch, / auch nicht gar stille schweigen.“ So beginnt eine der unbekannteren Strophen von Paul Gerhardts Sommerlied „Geh‘ aus mein Herz und suche Freud“. Da sind die ersten Verse viel sinnenfroher. Sie schildern das Ergrünen der Natur und die Antwort aller Geschöpfe darauf. Doch beginnt nun die Klage eines Menschen, der wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg vom Leidens-„Joch“ geprägt erscheint? =>

Gesänge vom Verlust des Garten Eden

Buchcover Afrikanische Literatur, Literaturnobelpreisträger GurnahZu fernen Horizonten bricht die Karawane auf – unter lauten Klängen von Trommeln und Hörnern. Von der Küste Ostafrikas reist sie ins Landesinnere zu den großen Seen: Es ist allerdings keine Reise in die Welt von Tausendundeiner Nacht – auch keine Entdeckungsfahrt: Arabisch geprägte Händler bringen den Kiswahili-Völkern und den Massai eiserne Spaten und Baumwollstoffe – zum eigenen Profit. Mit dabei: der heranwachsende Yusuf, von seinen Eltern zur Bezahlung ihrer Schulden an einen arabischen Händler übergeben. Wie er in dieser Welt seinen eigenen Rhythmus findet, das erzählt Abdulrazak Gurnah, Literaturnobelpreisträger von 2021, mit poetischer Kraft. In einer breit aufgefächerten Ballade besingt er in „Das Verlorene Paradies“ eine Welt im Umbruch. =>

Kirche durchdrang die Welt – und befreite

Sandrat: Allegorie auf den Westfälischen Frieden. Bild: akg (Detail)War es der große Sündenfall des Christentums, sich zu sehr auf die Staatsmächte zu verlassen? Wurden die christlichen Kirchen dadurch zu kleinen Kindern, die eher unter Aufsicht der weltlichen Herrn als himmlischer Gewalten spielten? Dies begann vor 1.700 Jahren, als Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhob. Und vor 500 Jahren verließ sich Luther auf seinen Landesfürsten Friedrich den Weisen als Schutzherrn. „Bei der Bewertung von zwei Jahrtausenden Christentum im lateinischen Europa führt es aber in die Irre“ sich dieser Kritik anzuschließen, so Heinz Schilling gleich zu Beginn seines Werkes „Das Christentum und die Entstehung des modernen Europa“. =>

Auf der Wüstenwanderung

Susanne Borée, Porträt, boree.de, Evangelisches Sonntagsblatt aus BayernEinfach aufstehen und die dürren Zeiten des Lebens zu überwinden – ist das überhaupt möglich? Belasten uns nicht viel zu sehr die Vergangenheit oder die düsteren Ängste vor der Zukunft? Wie das Volk Israel scheinen wir in einer endlosen Wüste unterwegs zu sein. So gern will ich zurück zu den „Fleischtöpfen Ägyptens“, als der weitere Lebensweg gesichert schien. Als ich genau wusste, wo ich im nächsten Jahr sein werde und dass in drei Jahren zum Ostermahl wieder der Lammtopf auf den Tisch kommt. Stattdessen gibt es klebriges Manna zum Frühstück und zum Abendbrot. =>

„Wir machen alles, was möglich ist!“

In Charkiw nach den Luftangriffen. Fotos: Nikita Zhadan

Immer noch finden Gottesdienste statt. Soweit es irgendwie möglich und nicht zu gefährlich ist, kommen Menschen unter Gottes Wort zusammen. Das berichtete Bischof Pavlo Shvartz von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU), der mit dem Gustav-Adolf-Werk (GAW) in Kontakt bleibt. Er schränkte aber auch ein: „Dort, wo Kirchen als Notunterkunftszentren gebraucht werden, verzichten wir auf die gewohnten Gottesdienste.“ Dann fänden vor allem online Treffen statt. Er selbst hätte leider seit Kriegsbeginn bis auf ein kurzes Gebet keinen Gottesdienst mehr halten können. Denn seine Hauptaufgabe bestehe nun darin, Hilfsgüter für seine Heimatstadt Chirkow zu organisieren. =>