„Ich stehe hier nicht als Protestant, …, nicht als Deutscher – sondern als Christ und als gar nichts anderes“, so Helmuth James von Moltke Anfang 1945 vor dem Volksgerichtshof. Genau das aber warf ihm dessen berüchtigter Präsident Roland Freisler vor. Moltke schrieb anschließend seiner Ehefrau Freya, Freislers entscheidender Vorwurf sei gewesen: „Eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten gemeinsam, und nur dies eine: Wir verlangen den ganzen Menschen.“ Nicht die Beteiligung am Attentat auf Hitler legte man ihm zur Last. Sein Verbrechen bestand im Verständnis der Nazis darin, gemeinsam mit Gleichgesinnten über ein Deutschland nach Hitler nachgedacht zu haben – über einen Staat, der auf Recht, Menschenwürde und christlicher Verantwortung beruhen sollte. =>
Zeugnis für den entschiedenen Glauben
Er sah nicht ein, für ein weltliches Anliegen zu läuten. Schon gar nicht für den neuen Reichstag, der Anfang März 1933 schon unter massiven Druck der Nazis gewählt wurde und am 21. März zusammentrat. Was jetzt im Fußballjubel der Europameisterschaft wieder für Dispute sorgte, war für ihn lebensbedrohlich. Pfarrer Paul Schneider (1897–18. Juli 1939) trat da auch einem Entschluss seines Presbyteriums, also Kirchenvorstands, entgegen, „um deutlich zu machen, dass wir nicht Staatskirche sind“. Auch in den kommenden Jahren, verweigerte er sich dem Totalitätsanspruch der Nazis – bis zum Tod. Er war für Dietrich Bonhoeffer 1939 „unser erster Märtyrer“. Dabei hatten die Nazis damals schon unzählige Menschen ermordet, doch nun überschritten sie eine weitere Grenze gegenüber der Kirche. =>
