„Für 96 Prozent der Bevölkerung ändert sich gar nichts.“ Der Satz des damaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz klang nüchtern. 2019 verlor der Karfreitag in der Alpenrepublik seinen Status als gesetzlicher Feiertag für evangelische Christen: Aus staatlicher Sicht war dies eine rechtliche Anpassung, aus wirtschaftlicher Perspektive eine pragmatische Lösung. Seitdem ist der Karfreitag nur noch ein „persönlicher Feiertag“, an dem sich Menschen zwar frei nehmen dürfen, wenn sie dies mit einem Urlaubstag bezahlen. Also so ähnlich wie der Buß- und Bettag hierzulande – der Wirtschaft geopfert, so der Vorwurf. =>
Den Geruch der Vergangenheit erschnuppern
Es beginnt kaum merklich. Ein Hauch von Weihrauch liegt in der Luft – und plötzlich öffnet sich das Hier und Jetzt zu längst vergessenen Szenen. Düfte wirken leise, aber nachhaltig. Ein Geruch genügt, und längst vergessene Bilder oder Gefühle kehren zurück. Auf diese unsichtbare Macht setzt die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“ im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lädt zu einer Reise ein, bei der Geschichte nicht betrachtet, sondern gerochen wird. Der Mensch verfügt über mehr als 400 Geruchsrezeptoren und kann Tausende von Duftnuancen unterscheiden. Und doch gilt der Geruchssinn in der westlichen Kultur als der am meisten unterschätzte. Sehen und Hören dominieren unsere Wahrnehmung, während die Nase oft nur als Warnsystem dient. Die Ausstellung stellt diese Hierarchie auf den Kopf – und zeigt, dass Gerüche seit jeher Kultur, Religion, Macht und Erinnerung geprägt haben. =>
Trost bleibt, auch wenn das Gedächtnis geht
„Für mich ist das Trost. Ein echter Trost“, so Landesbischof Christian Kopp zum Psalm 23 in stiller Gewissheit. Und weiter: „Er löst nicht alle Probleme, aber ich spüre die Gewissheit: Ich bin gehalten. In Gottes Hand, in seiner Liebe und der Verbindung mit ihm, die trägt.“ Genau diese Erfahrung von Getragensein steht im Zentrum einer Initiative der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Diakonie Bayern – und sie gewinnt angesichts der alternden Gesellschaft eine neue Dringlichkeit. Denn während das Gedächtnis nachlässt, bleiben vertraute Worte oft erstaunlich präsent. Da erinnern sich Menschen mit Demenz an Psalmen, Gebete und Lieder aus ihrer Kindheit. Der Psalm 23 gehört für viele dazu. Es sind Worte, die tragen, wenn Orientierung schwindet. Kirche ist eine Gemeinschaft, die Menschen hält. Menschen mit Demenz sind trotz des eigenen Gedächtnisverlustes aufgehoben in der Erinnerungsgemeinschaft der Kirche. … =>
Vergangener Alltag neu aufbereitet
Was bewegte die Menschen in Bayern vor knapp 200 Jahren? Wie lebten sie, worüber stritten sie, was machte ihnen Sorgen – und was Hoffnung? Antworten darauf finden sich auch in Texten, die Pfarrer mit spitzer Feder und wachem Blick verfassten. Diese sogenannten Pfarrbeschreibungen sind nun vollständig digitalisiert und öffentlich zugänglich: ein Schatz für Forschung, Heimatkunde und alle, die sich für das Alltagsleben früherer Generationen interessieren. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hielten evangelische Pfarrer in ganz Bayern fest, wie es in ihren Gemeinden zuging. Sie berichteten von Familienleben und Frömmigkeit, von wirtschaftlicher Lage und sittlichem Wandel – aber auch von politischem Engagement, Bildungsfragen und lokalen Konflikten. Was dabei entstand, ist alles andere als „knochentrockenes bürokratisch‑administratives Material, sondern packender Lesestoff“ … =>
Gebauter Glaube – gemachte Geschichte
Als Friedrich Wilhelm III. (1797–1840) im Herbst 1825 Magdeburg besuchte, blickte er auf einen Dom, der mehr Ruine als Ruhmeszeichen war. Mauern waren verwittert, Dächer schadhaft: Spuren von Verwahrlosung überall. Während der napoleonischen Besatzung hatte das Gotteshaus als Militärmagazin gedient, teils sogar als Schafstall. Dabei soll ein einfacher Schäfer im 13. Jahrhundert die Erbauung des Magdeburger Doms möglich gemacht haben – so wurde es damals dem Preußenkönig erzählt. Seine Hütehunde fanden einen Schatz, den der Hirte dann selbstlos für den Dombau stiftete. Der Beweis: eine verwitterte Skulptur mit Hirten und Tieren, in denen sich sogleich die findigen Hunde entdecken ließen. Diese Geschichte appellierte an die Verantwortung für ein überzeitliches Werk. Damit rannten die Magdeburger beim preußischen König offene Türen ein. … =>
Verborgener Glaube – offener Mut
Anfang 1526 betrat ein evangelischer Prediger die Stadt Villach. Er übernahm die Stadtpfarrkirche St. Jakob. Möglich gemacht hatte das Sigmund von Dietrichstein, Statthalter der innerösterreichischen Lande. Doch die Bürgerschaft hatte die Anstellung zuvor beschlossen. Die reformatorischen Gedanken waren vor 500 Jahren längst in Kärnten angekommen. Schon wenige Wochen nach Luthers Thesenanschlag hatte sich Georg Krainer aus Villach in Wittenberg als Theologiestudent eingeschrieben. Nach seiner Rückkehr wurde er evangelischer Pfarrer bei Villach. Reformation ist längst nicht nur ein fernes Echo zu einem runden Jubiläum – sie hatte Gesichter, Namen, Orte. Auch eine Delegation des Gustav-Adolf-Werkes (GAW) aus Leipzig konnte diese Spuren entdecken. … =>
Gewalt als letztes Mittel oder Anmaßung?
Sie soll zu weiteren Diskussionen anregen. So beschreibt Dr. Reiner Anselm das Anliegen der neuen „Friedensdenkschrift“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Münchner Professor für Theologische Ethik leitete das Redaktionsteam, das die Denkschrift erarbeitete. Seit ihrer Vorstellung im November 2025 wird sie intensiv diskutiert – unter anderem in der Evangelischen Stadtakademie Nürnberg. Dort traf Anselm auf einen ebenso profilierten Kritiker: Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, pensionierter badischer Landesbischof und aktuell Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Vor einem gut besuchten Saal sowie rund 40 online zugeschalteten Teilnehmenden stellte Anselm zunächst die Intention der Denkschrift vor. Leider war die Tonqualität der Online-Übertragung sehr schlecht, so dass sie nur eingeschränkt nutzbar war. Doch gibt es nun bedenkenswerte Diskussionsbeiträge zur Denkschrift. =>
Dunkle Seite der bunten Fenster und Altäre
Zwischen den hohen gotischen Fenstern, leuchtenden Farben und den weltberühmten Schnitzwerken Tilman Riemenschneiders überwältigt der Gesamteindruck der spätgotischen Rothenburger St. Jakobs-Kirche. Kaum jemand rechnet in dem erhabenen Gotteshaus mit Irritationen. Und doch sind sie da – verborgen in frommen Bildern. Für Tobias Göttfert sind sie unübersehbar: Der 27-jährige Rothenburger engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in der Gemeinde. Als Kirchenführer steht er immer wieder vor denselben Altären und Fenstern. =>
Leise Zeugen zwischen Zerfall und Zukunft
Es gleicht einem Wiedersehen mit alten Bekannten: Das Überblickswerk „Spuren jüdischen Lebens in Bayern“ versammelt viele Projekte zum Judentum vor Ort aus den letzten Jahren: Die Inventarisierung von Grabsteinen auf dem Jüdischen Friedhof in Schopfloch. Die Aufarbeitung von sogenannten Genisa-Funden – also von zerschlissenen liturgischen Texten in hebräischer Sprache in alten Landsynagogen Frankens. Dieser schmale aber gehaltvolle Band krönt das Wirken einer Arbeitsgruppe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die sich seit 2021 – zu den Jubiläumsfeiern anlässlich von 1.700 dokumentierten Jahren jüdischen Lebens in Deutschland – um die reichhaltigen Spuren des Judentums in Bayern gekümmert hat. =>
Kokosnüsse, Kanonen und Karten
Energisch treibt er sein Dromedar an. Schließlich will der „Mammaluck“, ein Reiter der osmanischen Truppen, anno 1529 die Belagerung Wiens nicht verpassen (linkes Bild). Auch Nürnberger Landsknechte waren vor Ort. Als Kriegstrophäe brachten sie ein solches „Camel thier“ mit an die Pegnitz. Bei Hans Guldenmund konnten es alle für drei Pfennig besichtigen. Die Zeiten überdauert hat es als Druckblatt, dass Guldenmund ebenfalls verlegte. Es illustriert die weitreichenden Beziehungen Nürnbergs zwischen 1300 und 1600. Eine Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum (GNM) zeigt bis zum 22. März, wie eng die Stadt bereits im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit vernetzt war … =>
